ECHO DER UNSTERBLICHKEIT

Wenn ich wie das Herz wäre,
würde ich 100.000 Mal pro Tag
meine Liebe, die grobe und die hehre,
hinaus senden, einen Heiratsantrag,
an das Leben, dessen endlose Fragen
uns umgeben, dessen Geheimnisse
in uns hervor ragen als Gewissensbisse,
als Empfindungsschübe, die uns plagen,
wenn wir uns seinem Drängen widersetzen.
Das Leben, dessen magische Kräfte
als Freude und Zuversicht uns besetzen.
Du bist‘s, dem ich mich anhefte,
herzklopfend 100.000 Mal am Tag,
sterbliches Echo der Unsterblichkeit.
Und was meine ich mit jedem Herzschlag?
Immer wieder nur: Dankbarkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHLICHE OASEN

Oasen.
Menschen, die anders sind,
denen anders sein nichts anderes ist
als normal sein, denen das innere Kind
innewohnt. Oasen in einem wüst
gewordenen Gesellschaftsringen,
die Sprudelfreude den Dürstenden bringen
und Ruhe und Heilung den Leidenden
wie Menschenblumen in wandelnden
Vasen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN ANDERER KAMPF

Ich sehe einen anderen Kampf
Er hat nichts zu tun mit Rassen
Nichts zu tun mit Geschlechtern
Nichts zu tun mit Gesellschaftsklassen

Ich sehe einen anderen Kampf
Er hat nichts zu tun mit Sprachen
Nichts zu tun mit Kulturen, nichts
zu tun mit Massenvernichtungswaffen

Es ist der Einzelkampf, dessen eine Seite
die Suche nach dem Sinn des Lebens ist
Dessen andere Seite das Streben ist nach
der Vervollkommnung des eigenen Geistes

Je mehr Menschen diesen Kampf gewinnen
desto mehr Rassen, Geschlechter, Klassen
Kulturen in Frieden ihre Ängste und ihre Gier
niederlegen und mit ihnen endlich ihre Waffen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÜBER LEBENDE

Sie erleben den Schmerz,
Er belebt ihr Herz.
Das aufgerüttelte Innenleben
Möchte sich ausleben.

Ob sie leben, ob sie sterben,
Über Blumen gehen oder Scherben,
Hören sie nie auf, für die Liebe zu werben.

Ich wollte schreiben über Leidende
Und jetzt schreibe ich über Lebende.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KOMMUNIKATIONSEBENEN

Deine Augen
Schwarze Augite
Lesen zu viel Kontext
Machen zu tief Kontakt
Sorgen für Kontrast
Zwischen Reden und Schauen und Anfassen
Drei Botschaften auf drei Ebenen
Auf welcher sollen wir uns treffen?

Stell Dir vor:
Wir verbringen ein ganzes Leben
Auf der falschen Kommunikationsebene,
Sagen alles, was auf dieser Ebene
Zu sagen ist…
Und dennoch verstehen wir uns nie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HALTE MICH EIN ZWEITES MAL

Halte mich ein zweites Mal
bevor wir uns trennen
Wir werden uns nie wieder sehen
so wie wir uns jetzt kennen
Die Fäden der Veränderung
werden ihre Wege weiter rennen
Wir öffnen ständig neue Bahnen
mit allem, wofür wir sonst brennen
Mit tiefster Intimität also nun
sollten wir uns gegenseitig scannen
Ein letztes Mal voll treffend
uns die Kosenamen gegenseitig nennen
Die ganze Nacht wach bleiben
unseren Traum nicht verpennen
Wir überleben die Trennung eh nicht
lass uns heute uns aneinander verbrennen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HAUSGEMACHTES WEIHNACHTEN

Alt wie Wein
Wird das Jahr nun
Süßer auch?
Reif mit dem zwölften Monat
Und elf Erinnerungen
Wir teilen lachend die Freude
Schweigend den Schmerz
Des Jahres.
Teilen ist heilen
Herzen sind Kerzen
Dezember, Lichtspender
Weihnacht, hausgemacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

DIE FÜNFTE KERZE

Die erste Kerze war die Ankündigung -
Öffne und bereite langsam Deine Empfindung.

Die zweite Kerze war die Erinnerung -
Es war einmal, uralt, wie die Morgendämmerung.

Die dritte Kerze war die Vorbereitung -
Licht oder Dunkel, es ist Deine Entscheidung.

Die vierte Kerze war die Krönung -
Das Kreuz, die Kreisschliessung, die innigste Ahnung.

Die fünfte Kerze ist Dein innerer Advent -
Die geistige Flamme, die in Deiner Seele brennt.

Fünf Kerzen zu Weihnachten
Wahre Liebe bei den Andachten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KRONE

Sie spielt ihn, ihren Saxofon,
Und sie spielt ihn gut.
Sie gibt an, gekonnt, den Ton.
Er wird in seinem Mut
Meinungslaut wie ein Megafon,
Kündigt an, angeregt, ihre Sintflut,
Macht sich zu ihrem Thron:
Setz Dich!, was sie auch tut,
Seine Krone, sein zweiter Hut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE PERSPEKTIVEN

Was ist Liebe?:
Mögen? Begehren?
Bewundern? Verehren?
Verbindung spüren?
Das Herz berühren?
Oder nur Triebe?

Was ist echtes Lieben?:
Geben? Schützen? Pflegen?
Wachstum anregen?
Dienen? Strenge? Lehren?
Tugenden neu ernähren,
einst vertrieben?

Wenn ich Dich liebe
Geht es um Dich
Oder geht es um mich?
Oder geht es um Teilen?
Um uns gegenseitig Heilen?
Und Perspektiven verschieben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung