Es ist die Liebe zum Leben
Die in ruhigen Stunden
Die Gedichte in mir sich erheben
Ließ, und mich sie aufheben –
Sonst wären sie wieder verschwunden.
Schaffe in Deinem Leben Raum
Zu verwirklichen einen lieben Traum
Mittig in Dir – nicht am Saum.
Der Liebe Traum ist mehr als Traum
Er ist Erhaltung, Nahrung, Lebensbaum.
Ernst knapp ist nur die liebe Zeit
Doch die Zeit, die man der Liebe verleiht
Damit der Liebe Traum gedeiht
Das allein ist wahrlich die Lebenszeit
Denn die erhält man zurück als Ewigkeit.
Geblendet nicht erleuchtet
Wollten sie sein
Geschändet und befeuchtet
Rein, raus, rein
So muß das sein. Nein
Ich lag lange danach wach
Genau so schnell zack zack zack!
War meine Ruhe völlig weg
Noch nie schmeckte der Sex
Ohne Bezug so gut wie es
Die Versuchung versprach.
Der Unfall
War nicht der tatsächliche Unfall
Der wirkliche Unfall
War schon lange vorher geschehen
Und er kam nicht per Zufall
Denn jeder hätte ihn kommen gesehen
Und hatte es auch –
Ein Gefühl im Bauch.
Der Unfall
Der verheerende und verhängnisvolle
Und tatsächliche Unfall
Geschah, als er die Kontrolle
Verlor nicht über das Motorrad
Sondern über seine Gefühle
Und entwickelte Gefühle
Für die allerorts berühmte Magd.
Der Fall
War bekannt in der ganzen Stadt
Oh! Hätte er sich nur früher Rat
Geholt – doch dem ist bekanntlich alles egal
Wer verliebt ist. Jeder, der schonmal
Verliebt war, weiß das. Und anstatt
Locker zu lassen, denn Verlust ist auch Gewinn,
Trieb ihn seine Verzweiflung zum Motorrad hin.
Am Tag nach seinem Tode
Wachte auf im Jenseits die Seele
Blickte auf seinen alten Körper
Und den daneben trauernden Bruder
Am Tage nach seines Bruders Unfall
Wachte der Hinterbliebene im Leichensaal
Blickte auf seines Bruders Leiche
Und ahnte nicht die daneben trauernde Seele
Die neben ihm wachte
Und ihn mit Schmerzen im Herzen beobachtete
Und beide sannen
Über alles, was sie noch gemeinsam
Vorgehabt hatten…
Jetzt vorbei
Und beide empfanden im Geiste
Die Wucht ihrer starken Liebe
Zu einander…
Ungeschwächt
Und beide erinnerten sich
Schmerzlich
An den Moment, den Fehler, den Unfall
Der zu dem Tod geführt hat
Und wenn sie es nur könnten, egal
Wie, würden sie alles rückgängig
Machen – leider unmöglich
Nun blickten beide auf den leblosen Körper
Wie auf eine Schwelle, eine Grenze,
Ein geschlossenes Tor in eine verpasste
Und verlorene Möglichkeit…
Eine Chance vertan.
Dann fassten sie Mut
Ertrugen den Schmerz
Drehten sich um
Herz ewig verbunden mit Herz
Und mit Liebe als ewiger Leiter
Gingen sie voller Hoffnung und Sorgen
Jeder mit seinem Leben weiter,
Weiser geworden.
– Che Chidi Chukwumerije
Fortgesetzt in GEFÜHLE 2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Er hatte sich daran gewöhnt
Von ihr nicht begriffen zu werden
Und hatte langsam damit aufgehört
Sein Inneres Betreffendes ihr mit zuteilen –
Probiert es gar nicht mehr
Seine Erinnerung ist sein Herr.
Sie hatte sich daran gewöhnt
Des Nichtverstehens beschuldigt zu werden
Und hat sich darauf eingestellt
Sein nachdenkliches Schweigen als Antwort zu erhalten –
Hilflos und mit Liebe erfüllt
Schweigt sie auch, innerlich aufgewühlt.
Die Jahre kommen und gehen
Wie in unzähligen kleinen Ehen –
Ob wächst das gegenseitige Verstehen
Oder schrumpft es gar?
Es ist nicht mehr, was es war
Doch die Liebe ist unerklärlicherweise noch wahr
Die sie ohne Worte gegenseitig in ihren Augen sehen.