HERZDRUCK

Die kalte Erde
drückt den Schnee
fest gegen ihre Brust
so fest, es tut ihr weh

Schmerzmittel
Herzkittel
Kälteres Jahresdrittel
und es tut immer noch Weh.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FAST ZU VIEL

Es ist fast zu viel
Es erfüllt meine Brust
Mein Herz ist zum bersten voll
Lust. Frust. Verlust. -
Lust aufs Leben
Frust, Herzbeben
Verlust vergeben
Unbewusst
Und dennoch selbstbewusst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WAHRHEIT ODER PFLICHT

Manche folgen nur materiellem Erfolg;
Wenn solche in Deinem Leben erscheinen,
werde wachsam. Silber und Gold
ziehen das Niedrige an. Zu den Deinen
darfst Du solche niemals zählen.
Lasse lieber die herein, die Wahrheit sagen,
egal ob sie Dir schmeckt oder nicht;
Die Dich lesen ohne darnach zu fragen,
die Dir stehen bei Wahrheit und Pflicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEINSTUBE

Wein und Eure Stimmen
warm und weich und laut
und sanft und geht mir
unter die Haut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERZFLUG

Mein Herz sehnt sich wie ein Flugzeug
drängend durch die Wolken stürmisch
eilig RaumZeit brechend dem Fingerzeig
der Liebe folgend, fühlend sich heimisch
nur in Leidenschaft und in Erregung,
noch mehr in Empfindung und in Bewegung,
sehnt sich nach authentischer Erfüllung,
nach Wirklichkeit und nach Veredelung -
und startet wieder neu nach jeder Landung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ROTWEIN

Du schmeckst wie Rotwein
herb und zugleich grob und fein
dunkel glühend im Kerzenschein
Ohne Dich fühle ich mich so allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KLAVIERTÖNE

Haben wir uns gegenseitig verletzt?
Oder gegenseitig geheilt?
Gegenseitig entsetzt? Dann ersetzt?
Gegenseitig Wahres geteilt.
Die Unterschiede lassen sich nicht mehr
Voneinander unterscheiden
Die Ähnlichkeiten werden immer mehr
Nur noch zum dadrunter Leiden.
Die Musik spielt, nachdenklich,
Rührende Klaviertöne kaum hörbar -
Die Gefühle, tief, bedenklich,
schwer zu begreifen, aber sehr spürbar.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FÜR ZWEI

Mein Herz schlägt für zwei
Zwei Länder, zwei Kulturen
Zwei Namen, zwei Frisuren
Zwei Wege, zwei Sachen
Zwei Reisen, zwei Sprachen
Zwei Menschen, zwei Leben
Das Herz hat zwei Kammern eben
Aber niemals wirklich drei.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HOFFNUNGSHERZEN

Höher
Immer höher
Steigt mein Verlangen

Größer
Immer größer
Die Tränen auf meinen Wangen

Freudentränen
Herzen, die sich sehnen
Zu einander schreien wie Sirenen

Lauter
Immer lauter
Herzen, die schreien und bangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KURZ VOR MITTERNACHT

Kurz vor Mitternacht
schweige ich mit der Nacht
und höre, wie sie leise lacht …

Sie atmet ein, sie atmet aus,
umarmt und durchdringt das Haus
mit Wesen und Empfindsamkeit
und süßer tiefer Einsamkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung