Ich sitze hier jetzt seit einer Weile und versuche mein Herz zu verstehen Es malt viele Bilder, langsam, ohne Eile und dennoch mehr als ich je gesehen aber heute ist nichts besonderes geschehen Ich sprach wie immer mit etlichen Fremden und sah dabei in unzählige Augen in Blicken gefangen wie Körper in Hemden die schützen wollen doch nur dazu taugen gegenseitig zu suchen, zu flehen, zu saugen. Und lang nach dem ich wieder alleine bin lebt noch ein Teil von jedem in mir - Begegnungen tief sind des Lebens Sinn Ob kurz oder lang ich öffne mich DIR Jedes Ich ist ein Teil von unserem großen Wir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Lust
DEINE WORTE BERÜHREN
Deine Worte berühren meine Haut Doch Dein Schweigen geht tiefer Deshalb werde ich, wenn die Welt schweigt, laut. Du wächst aus meiner Seele heraus Wie Dreadlocks, wie Gedanken, wie Unkraut Geperlt mit den Tränen meines Morgentaus. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IST DEIN HERZ GROSS GENUG?
Ist Dein Herz groß genug für einen Nachmittag mit mir unter dem Erkenntnisbaum wo keine Geheimnisse sicher sind und alle Neigungen berührt werden? Empfinde, bevor Du mitfühlst Denk, bevor Du Ja sagst - oder nein Verabschiede Dich von Deiner Vergangenheit Bevor Du mich zu Deiner Zukunft machst - Du brauchst Platz in Deinem Herz für mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SAMTIGE NACHT
Diese Nacht fühlt sich Wie eine Haut an Wie Stoff, ein Mantel aus Samt Ein weicher flauschiger Vorhang an Und wenn ich ihn teile Ich meine, wenn ich sie teile, Fühlt es sich wie Zuhause an, Das, was drinnen ist Dort, auf der anderen Seite Ummantelt von Nacht, Versteckt hinter mehr als einem Vorhang Vorsichtig versteckt hinter einem Vorwand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VER-BINDEN
Ich finde wenn ich linde Deine Augen binde mache ich aus Dir keine Blinde Trau Dich. Überwinde Deine Angst, wenn ich Dir die Hände zubinde Empfinde den Zugang in Dir und verschwinde Und erwache in der Welt des Sinnes Bist Du das? Ja, Du spürst es. Ich bin es Jetzt kannst Du mich besser sehen Besser fühlen und besser verstehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HOCHFAHREN
Langsam schoben wir die Berge auseinander Drückten das Tal fest entschlossen zum Boden Züngelten uns enge Bergstrassen hoch, entzogen Uns Schichten von Geschichten nacheinander. Dann kamen wir an, oben Am höchsten Punkt des Berges Füreinander da, verliebt ineinander. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNBÄNDIG
Lasst Euch nicht fallen - Wie die Frühlingsblumen, steht auf Es wartet eine Welt da draussen Gestern sucht Morgen. Wir sind der Staffellauf. Laufen wir also. Steht auf, steht auf! Schaut! Weit in der Ferne und noch weiter Das sind keine Sterne, das sind wir In der Zukunft, unbändige Freudenreiter Die Freuden kommen, wenn wir reiten Steht auf! Es warten auf uns neue Zeiten Aufregend. Sie wollen uns dazu anregen Sie mit Menschlichkeit zu prägen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ENTLADUNG
Sie schlich wie ein würziger Geschmack Meine Zunge entlang Gelang an mein Bauchgefühl Gefühlt elfmal gekommen in elf Minuten Krabbelte und kribbelte minutiös Wohlwissend meine Schwäche war ihre Munition Mutig und mutlos folgte ich Mund an Mund, ich war mundtot Und dann kam wieder der schöne Ausklang Ich zeichnete Runen ihre Rippen entlang Entladen, entspannt, befreit von dem Drang. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
