DIE LAMPE

Die Lampe hängt über mir
Wie ein zweiter Kopf;
Ein Lichtschein wie ein heller Gedanke
Wartend, klopf, klopf.
Klopf! Aber mache ich auf?
Sie spendet mir Licht
Und erhellt mein Innenleben
Aber ich sehe sie nicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BERGFLÜSTERN

Die Berge reden mit mir
Ich schwöre es 
Flüstern, Raunen, zu mir, in mir,
Ich höre es
Sie sagen mir
Ich soll auf meine Innere Stimme hören
Sie sagt mir
Daß wir zusammen gehören.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACH DEM STURM

Das Herz ist leer gefegt worden
Eine Straße nach einem Sturm
Abuja riecht nach frischem Regen
Öffnet sich nackt mit stiller Charme
Und erinnert mich an etwas, das nie war,
sich aber so anfühlt, als wäre es gewesen
Und jetzt, wo es vorbei ist, wird mir klar
Alles ernst zu nehmen, was ich einst gelesen.

Che Chidi Chukwumerije
Poems from the inner river

STILLES FEHLEN

Manch eine Nacht ist still –
Rege ich mich auf, wie ich will,
bleibt mein Herz ruhig und still.

Die Schmerzen schmerzen nicht mehr;
Das halbe Herz ist voll, die andere Hälfte leer –
Du fehlst und wirst fehlen immer mehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHTLIEBEN

Die Nacht hat leise nachgedacht
und laut meines Herzens Ohren
sehr leise auch geliebt und gelacht
und ein Liebesgedicht wurde geboren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

INNERER FRIEDEN

Innerer Frieden
Eine verdunkelte Stadt
ins Nachtträumen versunken

Vier Autos hupen
Die anderen schweigen
in Müdigkeit verbunden

Auch die Müden
bewegen sich unermüdlich
nach Vorne, Zuhause suchend.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHÖNERES

Am Ende des Tages
kommt etwas viel Schöneres
Die Nacht

Am Ende der Nacht
kommt etwas viel Schöneres
Der Tag

Und es gibt kein Ende
zum Enden und neu Beginnen
als neuer Mensch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABENDSTILL

Der Abend ist so still
Fast könnte ich Deine Gedanken hören
Sie wollen, was ich will
Den Sturm beruhigen, die Ruhe stören
Alles anders machen als erwartet
Und neue Sachen erleben
Außen ausführen, was innen startet
Neues geben und altes vergeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEINSTUBE

Wein und Eure Stimmen
warm und weich und laut
und sanft und geht mir
unter die Haut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZUSTAND

Die Nacht ist eine schwarze Leinwand
Helle Gedanken säumen sie am Rand
Uns verbindet ein unsichtbares Band
Meine Worte sind meine ausgestreckte Hand
Sie sind meiner Liebe hörbares Gewand
Lesbare Sehnsucht tiefer als Verstand
Betrachte sie als Leihgabe, als Pfand,
und bringe sie zurück an meinen Herzstrand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung