NACHTBEDARF

Die Nacht hat einen großen Bedarf
Ich bin gefühlt ihr zweites Selbst
Sie will mich schlucken, ganz
Ich will sie überwinden wie Distanz
Sie ist gefüllt mein zweites Selbst
Voll mit allem, was ich nur nachts darf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACHTRUHE

Ich mag ruhige Abende
an denen meine innigsten Gedanken
es sich aus ihrem Versteck wagen.
Heute Nacht werde ich erneut tanken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANZIEHUNGSKRAFT

Du bist leicht zu beeinflussen
Deine Seele wahrlich eine kleine See
Ich schaue hoch zum All da draussen
wo ich nur den einen Mond seh…

Du schaust mich an und fließt zu mir
Deine Augen, sind sie… sind sie erregt?
Schau nicht nach oben, mein Vampir
Du bist der Mond, der mich bewegt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AN DIE NACHT

Ich verliebe mich
Abend für Abend
in die Nacht -

Vorspiel Abend
Nachtspiel verspielt
Da wird viel gelacht

Danach nach Mitternacht
Nachdenken. Qualitätszeit
Mit mir selbst verbracht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VOLL MIT MOND

Vollmond über Torrelles de Llobregat
Der Abend wiegt schwer
und liegt leicht auf meiner Nacht,
wiegt schwer, weil der Mond,
ich beobachtete ihn, und schöpfte Verdacht,
der Mond, der Mond ist schwanger -
Und jeder, der heute Nacht Dichter spielt,
wird zu seinem treuen Handlanger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FÜR IMMERMEER

Mond – Strand – Castelldefels

Meer passt zu Dir
Muß nicht reimen
Komm einfach zu mir
wie Gezeiten im Geheimen

Der Mond liegt auf meinem Munde schwer
Ich rufe Dich und Du kommst hierher
Denn Du hörst auf den Namen Immermeer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ABENDGEDICHT

Die Falten der Bergrücken die ideenreichen
Stirnrunzeln einer müden Erde -
Die Abendsonne ein Fragezeichen
hing wie ein letzter Gedanke. Es werde
erst morgen wieder Licht,
machst Du aus der Nacht ein Gedicht,
spürst Du die Leichtigkeit im Lebensgewicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE DIESER NÄCHTE

Ohne einander können wir
nicht mit einander.
Komm schon, bring mich durcheinander
So viel Gegenwart können wir uns gönnen.

Selbst den Anfang des Universums können
wir heute noch sehen,
wusstest Du das? Der Gegenwart stehen
Vergangenheit und Zukunft machtlos gegenüber.

Bring mir Deine Augen, die trüber und trüber
und täglich trüber werden. Schau her,
Liebe ist ein Zündstoff, brennend seit jeher,
als wäre das Herz ein ausziehbares Fernrohr –

Wusstest Du das, Funke, wusstest Du das?
Nur die sich innig binden, werden gelöst.
Nur die ehrlich sündigen, werden erlöst.
Unfassbar. Mein Boden hat kein Faß.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ABENDWEIN

Deine Worte schmecken mir heute Abend
wie der Rotwein, der sie ausgelöst hat,
und der - noch schöner - meine Ohren
geküsst, aufgeweicht und geöffnet hat.

Ohren in Zungen küssen Zungen in Ohren, labend.
Wein und Blut und Fleisch, rot findet statt.
Wanderlustige Worte tun fließend hineinbohren
in das, was der Abendwein geöffnet hat.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LICHT-GEWISSHEIT

Auch wenn jetzt die dunkle Wolke
unsichtbar und fühlbar auf uns drückt,
Licht, ich sehe Dich, näher als je, unentrückt.

Auch wenn Wahn, Wut, Ichsucht, Mord
losgelöst rumreiten und ihr Unwesen treiben,
Ruhe und Frieden, ich spüre Euch, mich einverleiben.

Je mehr Menschen das Internet verbindet,
desto mehr trennt es. Welch eine Ironie.
Lieber mein ernstes Selbst als ein grinsendes Selfie.

Denn mein Weg ist weit, mein Ziel ist fern,
keine Nacht ist lang genug, meine Sonne lacht.
Keine Nacht ist lang genug, meine Sonne lacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung