Ein Flügelpaar schwingt reglos durch die Luft Die Ferne ruft und ruft und ruft… und ruft. Ein’ brennend’ Sehnsucht überbrückt die Kluft zwischen Vorstellung und Duft Ein Flugzeug kennt die Einsamkeit nicht - Ist Reisen ein Drang, eine Freude oder Pflicht? Von unten sind die Wolken drückend und dicht Von oben sind sie mir bloß ein Gedicht Ein Haufen Gedanken, vielförmig, ohne Ziel in die wie Blitz plötzlich eine Empfindung einfiel aufwirbelte, neuordnete, verdichtete: Regenspiel. Wenige Wolken erzeugen in mir Gedanken viel. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Natur
SONNTAG IM SCHEERWALD
Du magst im Ausland geboren sein Wenn Du im Wald spazieren gehst Begegnen Dir bekannte Geister Unter jedem Baum, wo Du kurz sinnend stehst Ich traf einen heute im kühlen Schatten Einer nach der anderen Rotbuche Ich kenne diesen Geist, empfand ich Er kommt, immer wenn ich im Wald suche Nach Verbindung zum Frieden suche ich Zur Klarheit, zur tieferen Empfindung Wenn ich im Wald suche, finde ich Welt- und Selbstüberwindung Dann saß ich später auf einer Bank Eine Joggerin sah mich und drehte sich um Eine Sängerin mit Hund grüßte fröhlich Viele blickten nach Vorn, sahen sich nicht um. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIRD DIE WELT
Werden wir eines Tages zurückschauen Und denken, wir haben die Welt gerettet? Oder wird die Welt eines Tages zurückschauen Und sagen, Gott hat mich vor den Menschen gerettet? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE SONNE STOLPERTE
Die Sonne stolperte heute Abend über weißlila Wolken schmierte sie weichorange beim Runterfallen fing sich dann im letzten Moment noch drehte sich um und schickte einen langen langsamen Gruß an alle, die gerne zurück grüßen dann versenkte er sich ins Horizont. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE GESCHICHTE DES RIESELNDEN BACHS
Die Nacht erzählt mir eine Geschichte die ich nicht verstehe dennoch höre ich gebannt verträumt zu es ist eine gute Nachtgeschichte über einen rieselnden Bach der lief und lief und murmelte und gurgelte und beim Zuhören fließe ich mit und schlafe langsam ein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE SONNE STEHT MÜDE AUF
Die Sonne macht die Augen auf Ist sie heute gut drauf? Schwer lesbar, wie ich meine Die Sonne dreht sich zweimal um Sieht sich schweigend um Von ihren Gedanken sehe ich keine Die Sonne steht langsam auf Geht müde auf Stellt sich wackelig auf die Beine Die Sonne schickt einen Gruß herum Stell sich erneut auf stumm Und geht ihren Weg wieder alleine. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNBÄNDIG
Lasst Euch nicht fallen - Wie die Frühlingsblumen, steht auf Es wartet eine Welt da draussen Gestern sucht Morgen. Wir sind der Staffellauf. Laufen wir also. Steht auf, steht auf! Schaut! Weit in der Ferne und noch weiter Das sind keine Sterne, das sind wir In der Zukunft, unbändige Freudenreiter Die Freuden kommen, wenn wir reiten Steht auf! Es warten auf uns neue Zeiten Aufregend. Sie wollen uns dazu anregen Sie mit Menschlichkeit zu prägen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
JEDES MAL ANDERS
Niemand kehrt aus einer Reise unverändert zurück Nicht Mann oder Frau, Mädchen oder Jüngling Nicht Erinnerungen an Glück oder an Unglück Nicht Gedanken, Versprechen oder ein Beweisstück Und fürwahr auch nicht der Frühling. Irgendwas an ihm ist anders dieses Jahr Er kommt nicht wie sonst wie ein Eindringling Sondern in kleinen Schüben wächst wie Haar Reifer, nachdenklicher, wissender. Fürwahr: Verändert hat sich erneut der Frühling. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIE FRÜHLING
Ich lasse mich nicht herunterziehen Wäre ich kein Mensch, wäre ich der Frühling Täglich mich hochziehen, mich anziehen Du darfst mir dabei zusehen In mich hineingehen Kraft holen, in die Welt hinausziehen Farbig, färbend, drängend wie Frühling. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FEBRUAR SPAZIERGANG
Kalt, klar, karg der Tag eisig braun der Erde winterberuhigter Belag mit dünnschichtiger Zierde Winter will seine Zeit Frühling drängt schon auch Wolkengrau im Himmel breit Tief grün in seinem Bauch Bin ich Teil dieser Welt oder Fremder auf Durchreise? Wenn keiner ein Wort fällt sind wir ähnlich leise Bäume stehen menschengleich schauen gleich, schweigen gleich Wie so oft im Naturreich außen hart, innen weich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
