WIE FRÜHLING

Ich lasse mich nicht herunterziehen
Wäre ich kein Mensch, wäre ich der Frühling
Täglich mich hochziehen, mich anziehen
Du darfst mir dabei zusehen
In mich hineingehen
Kraft holen, in die Welt hinausziehen
Farbig, färbend, drängend wie Frühling.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FEBRUAR SPAZIERGANG

Kalt, klar, karg der Tag
eisig braun der Erde
winterberuhigter Belag
mit dünnschichtiger Zierde

Winter will seine Zeit
Frühling drängt schon auch
Wolkengrau im Himmel breit
Tief grün in seinem Bauch

Bin ich Teil dieser Welt
oder Fremder auf Durchreise?
Wenn keiner ein Wort fällt
sind wir ähnlich leise

Bäume stehen menschengleich
schauen gleich, schweigen gleich
Wie so oft im Naturreich
außen hart, innen weich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE SELBEN

Menschen wie die Natur
mit ihren Jahreszeiten
ändern sich

Der selber Mensch morgen ist ein anderer
Weil er derselbe ist.
Auf Sommer folgt nimmer nochmals Sommer
Sondern der schöne bunte kühle Herbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS GEWICHT DES KLIMAS

Klima als Gedicht
Reimt es sich?
Klima als Pflicht
Erklärt es sich von selbst?
Stell Dir vor, die Natur
bittet Dich um Hilfe
und Du hörst es nicht
denn daß die Natur sich heilt
ist für Dich selbstverständlich
aber was ist, wenn die Krankheit
wir selber sind?
Denn eines Tages
wird sich die Natur sicher heilen.
Klima als Endgericht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEHR AUTOBAHNEN

Friedhof der Bäume
Stiller Asphalt
Jede Fahrt ist laut klagend
ein Trauermarsch angeschnallt
Schneise wie Grab
führen zum nächsten Aufenthalt
Manche sagen höhere
manche sagen Natur-Gewalt
manche sagen: Es muß doch
einen anderen Weg geben. Halt!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DICH DURSTFORSTEN

Es ist interessant, in Dir herumzuforsten

Kann man das so sagen?
Ich werde es wagen,
Du glättest die Wogen.

Manch ein Vogelschrei
Aufgeschreckt und überrascht
Überrascht und erschreckt mich auch

Die plötzlichen Blumen
Die mich in Deinem Wintergarten beobachten
Sind fesselnder als die vielen Tieraugen in Dir

Es macht Sinn, daß Du so viele Tiere bist.

Berg und Tal und Bach und Busch
So fühlt es also sich an, zu dürsten?
Es ist interessant, Dich zu durchforsten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LÜTZERATH

Lützerath
Ein Staat gegen ein Volk
Die Angst gegen die Hoffnung
Die Reise in die Zukunft
Nimmt abermals eine Umleitung
Über die Vergangenheit
Kommen wir jemals an?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KLEBSTOFF

Lützerath Demo 14.01.2023 / & Fecher bleibt / FFM
Sie kleben
Plakate
Sich
Hoffnung
Wut
Angst
Entschlossenheit

Wände sind nicht groß genug
Straßen sind nicht laut genug

Herzen allein böten genug Platz
Für mehr als jeden kämpferischen Satz
Zum Schutz von jedem gesunden Schatz
Vom Fechenheimer Wald zu Lützerath.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WESEN UND WIR

Die Wesen, sie wohnen im Wald und Flur
Seit lange bevor die Menschen kamen;
Und Wald, Flur, Natur existiert alles nur,
Weil sie von den Wesen ihre Formen bekamen.

Sei es eine Pflanze oder sei es ein Gedanke,
Überall auf Erden wo es entsteht ein Samen,
Pflegen ihn die Wesen, erwarten kein Danke,
Denn sie tun es heimlich in Gottes Namen.

Unsichtbar und unwirklich sind nicht das Gleiche.
Die Wesen beweisen es allen einsamen
Spaziergängern inmitten im Naturreiche,
Denen sie spürbar immer nahekamen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZÖGERND

Eher zögernd kam
Wieder
Der Frankfurter Schnee
Über
Stadt, Land, Fluss
und Liebe

Zuckte kurz, nicht mal heftig
Einmal, zweimal, scheu, bedächtig
Auch eine zarte Liebesbekenntnis
verschwindet niemals aus dem Gedächtnis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung