Wir flogen durch die Wolken ein Stück, wie eine Idee durch unsere Gedanken zieht. Wir blieben der Wolken als kurze Erinnerung zurück und verschwanden wie eine Idee, die den Gedanken entflieht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Natur
STÜRMISCH
Leidenschaftlich stürzt der Himmel sich auf die dunklen Berge - plötzlich ist es überall nass - und sie sind sehr laut. Diese Sehnsucht hat sich lang gestaut. Es blitzt wie ein helles Lachen Es donnert wie das Erwachen von etwas, das nur nachts in Bergen wohnt und nur die Hemmungslosen belohnt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TREIBSTOFF
Lasst den fossilen Stoff in seinem Grab Geister richten nur Schaden an wenn sie unter uns treiben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ANZIEHUNGSKRAFT
Du bist leicht zu beeinflussen Deine Seele wahrlich eine kleine See Ich schaue hoch zum All da draussen wo ich nur den einen Mond seh… Du schaust mich an und fließt zu mir Deine Augen, sind sie… sind sie erregt? Schau nicht nach oben, mein Vampir Du bist der Mond, der mich bewegt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VOLL MIT MOND

Der Abend wiegt schwer und liegt leicht auf meiner Nacht, wiegt schwer, weil der Mond, ich beobachtete ihn, und schöpfte Verdacht, der Mond, der Mond ist schwanger - Und jeder, der heute Nacht Dichter spielt, wird zu seinem treuen Handlanger. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FÜR IMMERMEER

Meer passt zu Dir
Muß nicht reimen
Komm einfach zu mir
wie Gezeiten im Geheimen
Der Mond liegt auf meinem Munde schwer
Ich rufe Dich und Du kommst hierher
Denn Du hörst auf den Namen Immermeer.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BALEARES

Ich stand mit Füßen im Wasser mit Herzen aus Wasser beobachtete das ruhelose Wasser Seit Milliarden von Jahren im Takt macht das Wasser genau das hier, was es macht - kommen gehen kommen gehen und lacht Ohne Höhepunkt kommen ohne Ankommen Ohne Ende ein uraltes Abkommen Erde und Meer lieben sich vollkommen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ALTE FREUNDE
Wie oft sah ich diesen Sonnenuntergang, einen Freund meines Staunens und meines Träumens, meines Ruhigseins jeden Abend - Er war umrahmt aber nicht mit Eichen und Tannen, sondern mit Irokos und Palmen und bildete den Hintergrund zu meiner Kindheit am Äquator. Nie hätte ich gedacht, daß Jahrzehnte später eben er mein Halt und mein Trost sein würde, meine Orientierung hier oben im Norden - Wo weder der nördliche Stern noch die Nordlichter mir den Weg nach Hause weisen konnten, hast Du - schöner Sonnenuntergang - mich zu mir zurück geführt, umrahmt von Tannen und Eichen und langsamer geworden aber Du bist es noch. Du bist es noch. Kinder erkennen immer ihre Freunde. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ABENDGEDICHT
Die Falten der Bergrücken die ideenreichen Stirnrunzeln einer müden Erde - Die Abendsonne ein Fragezeichen hing wie ein letzter Gedanke. Es werde erst morgen wieder Licht, machst Du aus der Nacht ein Gedicht, spürst Du die Leichtigkeit im Lebensgewicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER GOLDENE TOD DER REGENWÄLDER

Ich sah Ödland, herausgerissene Lungen und Leber, Krater, wo einst gestohlene Herzen schlugen. Vergiftet lag das Land sterbend in der Sonne; Sonne und Land und Sterben ohne Ende, am anderen Ende der Welt, wo traurige, entschlossene, Menschen verenden. Wo ist das Leben des Landes hin? Ferne Länder im Inland und im Ausland haben die Armut anderer zum eigenen Reichtum aufgewertet, weggesperrt. Haben den Reichtum der Erde zum Zeuge unserer glänzenden Armut geschmückt. Ich sah Goldland. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
