Das Gesprächsklima ist rauher geworden, Es verdirbt uns unsere feinere Natur - Wenn dieser Klimawandel vollzogen ist, bleiben Krieg und Konflikt die altneue Kultur? Weniger wird mehr Mehr wird weniger Irgendwann kippt die Stimmung ganz Die Zukunft wird nebliger. Che Chidi Chukwumerije im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
der Natur
GEDANKEN EINES BERGES
Manche spüren Gedanken, wie andere lärmige Stimmen hören und andere chaotische Scharen beobachten Wie manche Hände auf ihrer Haut fühlen oder Gerüche in einer Menschenmenge wahrnehmen, spüren ein paar Menschen Gedanken Einige Gedanken schmecken dem Feinschmecker, viele nicht, Gewicht auf leisem Gemüt, aber sie werden - wie der Wind - vergehen. Laut sind heute Abend der Alpenwind, die frohen Menschen am Nachbartisch und meine suchenden Gedanken. Nur die Berge schweigen. Die uralten. Denn je mehr Wissen und Erinnerungen Du hast, desto mehr schweigst Du. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
URSPRACHE

Kommt in meine Arme. Ihr ferne Alpen, Ihr seid mächtig genug für mein Herz - Denn es ist zu groß, zu breit, zu tief geworden Und ich verstehe es nicht mehr. Doch Ihr da vorne, ausgestreckt und ausgedehnt wie die Wellenbewegung eines Weltmeeres, von einem Riesen in Stein verwandelt, Ihr sprecht die Ursprache meines Herzens. Rauh und zerklüftet Alt mit einer unbekannten Geschichte Deshalb, kommt in meine Arme Ihr schöne Alpen und liebet mich zurück. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MORGENDLICHES GEWITTER
Der geladene Himmel, schwül und hitzig, er hat es eilig heute Morgen - Wer kennt denn das nicht? Laut grunzend und stöhnend stürzt er sich auf die Erde, nimmt sie schnell und stürmisch in Besitz. Morgens ist sie ehe schon feucht. Das macht die Nacht mit ihr - Sie ist bereit für des Himmels volles Gewicht. Er leert sich in einem kurzen heftigen Guss - Wetterpoetisch nennen wir das einen regnerischen Morgen mit Donner und Blitz. Jetzt fallen nur noch die letzten Tropfen, die Hitze weicht einer weichen Brise, während die Vogelwelt ins Singen ausbricht. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MITTAGSPAUSE
Auf die Schnelle hole ich mir ein Stück Langsamkeit aus der Mittagspause heraus - Eine Stunde ausgedehnt durch Insichgehen. Ein verinnerlichter Moment in der Ferne ist wie eine Ewigkeit Zuhaus. Aus dem Fenster schauend betrachte ich das Vollenden des Waldes Belaubung in seiner Unaufhaltsamkeit. Lang lebe das Wachsen Lang lebe das Reifen Lang lebe die Langsamkeit. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TIERAUGEN IM ZOO
Das war heute ein schöner Nachmittag,
was für mich sicherlich daran lag,
daß der Mai seine sanfte Sonne freigab.
Großherzig umspülte mich Euer Lachen,
brachte mich nach der Arbeit zum Erwachen;
müde, weil lange Heimflüge platt machen.
Ausflug in den Zoo, trotz Sonne und Eurer Wärme
für mich immer Hart – und nicht wegen der Lärme.
Menschen, nicht Tiere, bilden die Schwärme.
Bewegungsdrang bei uns freigesetzt,
bei ihnen gebannt aber niemals ausgesetzt;
gerettet, unverletzt, gefangen im Hier und Jetzt.
Da sind sie wieder, meine Gedanken,
hin und her zwischen Lob und Kritik schwanken,
während sie mit meinen Empfindungen zanken.
Da ist es wieder, mein Grundempfinden:
in lebendige Augen schauen, um zu finden
nichts, womit mein Zwiespalt zu überwinden.
Augenblicke, die haften und bleiben,
in mir wortlos ihre Botschaft weiter schreiben,
wie Tiere im Gehege ruhelos herum treiben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MISSHANDELTER PLANET
Ein Planet verliert sein Eis, verliert sein Gesicht - wann bekommt er ein anderes? Ein Planet verliert seine Wälder, verliert seine Haare - wann wachsen ihm neue an? Ein Planet verliert seine Vielfalt, verliert seine Eigenart - Muß der Mensch erst verschwinden, damit alle anderen zurück kehren? Ein Planet verliert sein Gleichgewicht, verliert seine Atemluft - Weil einer alles für sich haben will und alles verlieren wird. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IM HINTERGRUND
Die einen schreiben unsre Gedanken nieder Die anderen geben unsere Worte wieder Noch andere singen unserer Empfindungen Lieder Aber sie sind uns unsichtbar, Uns ungreifbar, von uns unvernichtbar, Im Karmakreislauf unverzichtbar. Unsere Welt lebt und webt in zwei Welten. Manch ein Dejavu, manch ein Un-fall, Schicksalhafte Begegnungen per Zu-fall, Erstaunliche Erkenntnisse durch Ein-fall: Uns traf es vielleicht unvorbereitet Aber jemand oder etwas hat es vorbereitet, Mit unsren Taten als Zutaten es uns zubereitet. Zwei Welten, und wir merken es selten. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MORGEN SIND HERZEN
Die Wolken kletterten den grauen Himmel hoch, Wie die Gedanken einer grübelnden Erde; Aber eines machten sie auch noch: Ebenselber trüben Welt wurden sie zur Zierde, Während dieser Gedanke in mich einkroch: Schimmel sind sie, himmlische Pferde; Boten einer versteckten Sonne - und doch, Spiegler ihres Lächelns auch und unsrer Neugierde, Mittels deren wir uns befreien von des Grauen Joch - Herzen sind Morgen, sind Erze, sind Herde. Die Wolken spalten sich, ich sehe ein Sehloch: Das Licht es werde, daß Licht es werde. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIR SIND ERNEUERBAR
Wenn nicht Sonnenblumenöl Dann Rapsöl eben Raps wächst in Deutschland Wenn nicht Erdöl Dann Erdwärme halt Tief unter uns ist es warm In uns brennt ein unbändiges Herz Wenn nicht Steinkohle Dann Wasser, Wind und Sonne Die haben wir auch - Das, was uns ausbremsen soll, erneuert uns, stoßt uns nach Vorne. Mut zum Zusammenhalt Ideen für Veränderung Alles haben wir, nur keine Angst. Die Gegenwart ruft: Nutzt die Chance, Haftet Euch nicht an der Vergangenheit; Passt Euch der Zukunft an. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
