SEELEN UND SONNENFENSTER

SEELEN UND SONNENFENSTER

Ich stand auf und putzte meine Wohnung
Da verklärte sich das Fenster wie ein Gesicht
durch das die Sonne schien –
Ich habe kein anderes Zuhause.

Ich machte mit und säuberte die Erde
Da verklärte sich ihre Lufthülle
auf daß der Sonne Wärme ein und aus ging –
Wir haben kein anderes Zuhause.

Ich hielt inne und reinigte meine Seele
Da verklärte sich mein Gesicht wie ein Fenster
durch das einer Sonne Strahlen hinaus drangen –
Ich habe kein anderes Zuhause.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEINE ZWEITE NATUR

Sie trug den Herbst in ihren Haaren
meine Lieblingsjahreszeit
Egal wo wir waren
Egal wann wir waren
trug sie meine Freude in sich allezeit
als wäre sie meine Liebe nicht nur
sondern auch meine zweite Natur.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN LETZTES MAL

Wird die Welt ruhiger
oder ich?
Wird die Natur herber
oder ich?
Wird die Erde reifer
oder ich?

Dennoch rast ein Brand durch den Wald
Die roten Blätter innen heiß, außen kalt
Ein letztes Mal lachen, denn Winter kommt bald.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÜBERFLUG

Die harten Bergspitzen
kitzeln zart den nackten Bauch
des stolzen Flugzeugs

Überrascht hält es an,
knurrt sanft und bleibt schwebend
im Genuß gefangen –

steif und weich

Eine Wolke fast wie
ein tausend andere

Dann erinnert es sich plötzlich
an seine Reise wieder und eilt
schnell davon

scheu wie ein Vogel.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LEINWAND ERDE

Sag mir nicht,
daß in der Natur keine Maler wohnen
unsichtbar in ihren Wesen
sichtbar allein in ihren Werken.

Sag mir nicht,
daß alle Kunstwerke mit den Namen
ihrer Schaffer versehrt sind. Nein.
Die Schöpfung ergötzt sich an Anonymität.

Deine schönsten Werke
werden zum intimsten Teil des Gesamten
und selbst Du weißt nicht mehr,
welche davon einst von Dir stammten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERBSTGESPÜR

Manch eine Wand war eine Tür
Manch eine Zukunft war schon längst hier
Desinteresse ist das Gesicht von Gier
Achte nur auf Dein Gespür.

Nur der Herbst ist ehrlich
Er zeigt Dir, wie vergänglich
die Schönheit ist..
dann zeigt er sich, wie er wirklich ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINBRUCH

Herbst bricht ein
wie ein Dieb in der Nacht –
Stiehlt uns unsere Jugend.
denn er will uns zeigen, wie bunt
das Reifsein auch sein kann
bei aller Nacktheit.

Reif sein ist schön –
Schön der Schmerz
Schön die Reue
Schön die Stärke
Schön die Zerbrechlichkeit
Schön die Ruhe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE ERDE ZUM TEILEN

Ich frage mich wie die Bäume heißen,
die lange vor uns
und immer noch unter uns
schweigend lebten,
bis sie in dieser Oktobersaison gefallen werden
schnell und trocken
um Platz zu machen für unseren Wünsche.

Ich frage mich, ob sie Namen hatten –
nicht Artennamen –
sondern ihre eigenen persönlichen Namen,
jahre-, jahrzehnte-, jahrhundertelang,
nur den unsichtbaren Wesenhaften bekannt,
die sie liebten und bewohnten,
und einem kindlichen Menschenherz irgendwo.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE WANDLUNG

Welk hängen die letzten Gedanken der Bäume
wie vergilbten Blätter voller alten Gedichte
gesungen in Liebe einst
an reif gewordene Triebe.

Manche Bäume sind bereits gelb
Ich habe den Wandel nicht gemerkt
Manche Träume freuen sich auf den Herbst
Manche sind am Sommer hängen geblieben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEFÜHLSREGUNG

Wer hat den Himmel erregt
Wer auch immer das ist, er regnet für Dich
und weint
denn er findet Dich nicht…
Wieder nicht.

Angeregt vom Regen
löst sich der Dichter von seinem Träger
steigt im Mantel der Einsamkeit
aus seinem Herzen empor in seinen Kopf
und flüstert…

Regnen
Regen
Schreib mir ein Gedicht.
Der Kopf wartet, bis die Aufregung nachlässt –
Erst dann wird die Hand rege.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung