Die Wolken waren meine Gedanken
die ich von Dir fern hielt
doch wenn ich weine, rühren sie Dich
Aber nur kurz.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Die Wolken waren meine Gedanken
die ich von Dir fern hielt
doch wenn ich weine, rühren sie Dich
Aber nur kurz.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Wie tief ist das Loch
in dem wir seit der Geburt fallen?
Und fallen und fallen
und fallen und fallen –
Zwischen dessen grauen Wänden
unsere Träume hallen und nachhallen?
Die Echoes, wenn sie uns erreichen,
siehe, die sind scharfe Krallen!
Und wir fallen und fallen
und fallen und fallen
Bis zum Moment, an dem
wir gegen die Erkenntnis prallen,
daß wir die ganze Zeit Flügel hatten…
kurz bevor wir auf den Boden knallen!!
Oder nicht.
Spannt Eure Schwingen, hebt ab –
Adler. Tauben. Raben. Rallen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Der Winter taut sporadisch
wie ein verrückter Mann im Selbstgespräch mit seinen Träumen
Und weiß nicht, ob vor oder zurück –
Opportunistisch hockt der Frühling
im Hintergrund und wartet …
Atemzug um Atemzug wartet er
auf seine Gelegenheit, zu zu schlagen
Hin und her taumelt die Welt
zwischen Kampf und Versöhnung
zwischen Akzeptanz und Ablehnung
Zwischen Verzweiflung und Hoffnung.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Heute bin ich müde
und kann nicht schlafen –
Gestern schlief ich
und war nicht müde.
Heute bin ich reifer
und brauche die Kindlichkeit
Gestern war ich ein Kind
und brauchte mehr Reife
Heute habe ich Essen
doch ich bin nicht mehr hungrig
Jetzt habe ich Durst
denn ich verbrenne innerlich.
Doch ich bin nicht allein
Auch der Planet ist aufgewühlt
und Flüchtlinge irren herum
und die Politik ist verunsichert.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich sehe die Blätter –
Sie ruhen auf dem Boden.
Der Baum, erleichtert,
atmet frei…
Wie gern würde auch ich
alles fallen lassen…
Als wäre ich der Herbst
meines eigenen Lebens.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Lärm.
Der Baum hört seine Gedanken, seine Blätter, nicht mehr.
Lärm.
Das Herz hört das Rauschen seines Botschafters, seines Blutes,
nicht mehr.
Denn die Nacht ist angebrochen.
Mit ihren Millionen Stimmen der Dunkelheit.
Der Mund ist aufgegangen –
Im Märchenwald hört man‘s klarer.
Augen zu. Gute Nacht.
Und morgen alles wieder vergessen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich war heute Watt wandern
Besuchte den Meeresgrund –
Und das Meer aus der Ferne beobachtete
Wie ich erkundete jeden Fund.
Muscheln und Austern und Krabben
Rund herum und gesund
Eine Auster wanderte in meinen Mund
Und verschwand in meinen Schlund!
Bin ich jetzt ihre Muschel und ihr Watt
Und mit dem Meeresgrund im Verbund?
Kommt nun das Meer mich auch besuchen
Und fluten meinen Herzensgrund? …
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Deine Brust muss breit sein
Um die Endlosigkeit des Nordens
Zu umfangen
Und um die tausend tiefen Stimmen
Gefangen in seiner Schweigsamkeit
Zu empfangen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung



Da wo sie sich alleine dünkten
Formten für sich die Wolken ein Reich
Mit schneebedeckten Bergen
Und schattigen Tälern
Und Silberseen
Und sonnenspiegelnden Wüsten
Und Dörfern und Städten und Häusern
In denen die Wolkenmenschen
Ihren Wolkentätigkeiten nachgingen…
Und über ihnen strahlte wonnespendend
Eine verklärte Sonne
Und wir flogen so leise vorbei, wie wir konnten
Und ich hoffte, daß wir die Sonnenmenschen
Nicht störten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die Normalität ist ein Berg
Ein Berg ist die Normalität
Deshalb wohl ist er so groß
Deshalb wohl ist sie so schwer,
zu überwinden
Täglich grüßt die Einfachheit
Einfach grüßt der Alltag
Als wäre er nichts
Doch ein Stück Deines Lebens flog heute
vorbei mit den Winden.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung