GEDANKENGÄNGE

Ich stelle mir manchmal vor
meine Haare wären Gedanken
denn so viele schleppe ich
ständig mit mir herum, ungekämmt.

Sie fallen aus
Sie wachsen nach
Mir graut‘s vor der Anzahl an Fragen
die nach und nach alt werden

ohne Antworten.
Irgendwann kommen sie nicht mehr.
Leer geschorener Verstand
Kahl gewordener Kopf.

Wie eine Erde ohne Urwälder
Wie ein Land ohne Frieden
Wie Kapitalismus ohne Sozialismus
Wie Alter ohne Kindheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LOCKERE DICHTUNG

Dein innerer Fluss
Er muss er muss
fließen …

Meine Finger
in Deiner Wunde
richten Deinen Widerstand
zugrunde

Krass, wie nass das Gras wird
Der Regen, dagegen, wird verrückt
Kontrollverlust, befreit von Frust
Dichtung in jeder Richtung erlöst sich
Zum inneren Fluss, der fließen muss.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIE WIRKT DAS LEBEN AUF DICH?

Blau ist nur blau
wenn es mich leicht macht
Wenn blau mich jung macht
dann ist blau grün
Wenn es mich heiß macht
dann ist blau rot
Wenn es mich spiegelt
dann ist blau schwarz

Die Nacht ist mein Tag
denn sie hält mich wach
Mein Leben ist mein Traum
aus dem ich erwachen werde,
wenn ich sterbe –
Die Liebe hat mir viel Hass gebracht
und dennoch ist sie die Liebe
denn sie überwindet am Ende den Hass.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE MUSIK DER LIEBE

Gitarre
wenn Du Frau wärest
wem gälte meine Treue?
Ihr, die mich befeuert
oder ihr, die mich beruhigt?

Ich bin beunruhigt heute Abend
und weiß nicht,
zu wem ich hilfesuchend gehen soll –
zu meiner Gitarre
oder zu meiner Frau.

Gitarre
ich glaube, ich nehme Dich zu meiner Frau
und spiele ihr ein Lied –
uns drei würde heute Nacht sicherlich
ein Dreier gut tun.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KREATIVITÄT

Der Mensch wurde nicht zum Fliegen gemacht
Dennoch fliegt er –
Also wurde er doch zum Fliegen gemacht?

Wieviele Wunder werden noch vollbracht?
Wieviele Gedanken wurden noch nicht mal gedacht?
Wo der Verstand zweifelte, hat der Geist gelacht –
Denn immer siegt er.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AHNUNGEN DES DICHTERS

Ich bin ein Schmetterling
Ich schwör es
Denn ich schlüpfte gestern aus der Nacht
Und wurde endlich mein neuer Tag.

Ich bin eine Idee
Ich schwöre es
Denn ich keimte im Geheimen ungeahnt
Nun schleich ich in Deinem Kopf herum

Ich bin eine Wolke
Ich schwöre es
Ich sammle mich, immer und immer wieder
Denn ich weiß, bald weine ich …

Es ist, wie es ist
Ich bin eine Metapher für Etwas Unbekanntes
Mal fällt es mir ein, mal bin ich blank
Denn ich bin seine Leinwand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERTRAULICHKEIT

Wenn wir nur reden könnten
mit Schweigen,
welch Gedanken würden wir nicht alle
zwischen uns
untereinander tauschen.

Alles, was wir mit Worten nicht sagen wollen,
weil wir so scheu und schüchtern sind,
würden wir in Gedanken teilen
und kein Mensch könnte uns verraten,
nicht mal wir uns selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

24 STUNDEN

Möchte drei sein
drei Menschen
die sich nicht kennen

Sie gehen jeder
den Träumen nach
für die sie einzeln brennen

Ein Erdenleben reicht
nicht aus, für den Suchlauf
den wir unermüdlich rennen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HAND IN HAND

Ich nehme mein Stift
in die Hand
und warte geduldig darauf
selbst genommen zu werden
in Deine Hand.

Ich habe Dich noch nie gesehen
noch gehört
aber ich liebe wie Du mich
innerlich besuchst und sanft
Dein Herz legst auf meine Hand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TEILEN

Ich berühre Dich
denke ich, doch
ich berühre mich

Im Dunkeln
zünde ich mir das Licht
wenn ich Dich zum Funkeln bringe

Es gibt keinen Unterschied
im Dunkeln
zwischen Dir und mir

Ich berühre Dich
Ich berühre mich
Hauptsache, Du lachst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung