Wir sind das Volk!
Na, und? Und wer
Ist die Regierung?
Durchs Volk
Des Volkes
Fürs Volk
Nicht „Wir sind das Volk“
Sondern „Wir sind die Regierung“
Wir sind mehr als Volk
Wir sind Heil und Zerstörung.
Und haben die Wahl.
Und müssen lediglich zur Wahl.
Hand ausgestreckt
Nach einer Realität
Jenseits des Ausgedachten
Das Jenseits wurde nicht ausgedacht
Ursprung versteckt
Ursprung einer Loyalität
Zum treibenden Nicht-Ausgedachten
Leere Räume haben’s mir beigebracht
Ein leerer Raum
Voller Wunderkraft und Macht
Wirklich, kein Traum
Ich hab’s mir nicht ausgedacht –
Die Zeit ist mein Wunderraum:
Bis sie täglich in sich zusammenbricht
Muß ich finden neu den Wunderbaum
Und pflücken mir ein Gedicht.
Mein Jahr der deutschen Dichtung
Gibst mir Halt, Nahrung, Richtung
In mitten des Waldes menschlichen Wirrwarrs
Öffnest Dich einmal täglich, helle Waldlichtung.
Die Schienen, wie Schicksal,
Bringen die Züge
Zu ihrem einst erwählten Ziel
Das Schicksal, wie Schienen,
Bindet die Sünden
An unsere Seelengründe
Bringen Gedanken, wie Insassen
Zu ihrem Endziel
Egal ob es jedem gefiel – oder nicht.
Du wirst ab und an
Manch einen Menschen treffen
Buch lesen, Film sehen
Geschichte hören, Gedicht nachempfinden
Ab und an etwas erleben
Was Dich zum weiter streben
Zwingen will…
Schmerz oder Freude
Liebe oder Verlust
Für etwas machtlos leiden
Bei Hoffnung oder Frust
Es bewegt Dein Inneres.
Diese Momente…
Das sind unsere Zwischenstationen –
Manche steigen aus
Manche steigen ein.
Die Obdachlosen
Die Straßenrosen
Das karge Almosen –
Fühlst Du Dich abgestoßen?
Die Namenlosen
Haben Namen im Namen der Liebe
Und im Gedächtnis von Jemand
Irgendwo sind sie kein Niemand
Keiner ist niemand
In diesem, in keinem Land
Eine Rose braucht Wasser, Licht und Luft
Wir brauchen Rosenduft
Wieder so ein Abend
Zur Hälfte Freude, zur Hälfte Elend
Die Zeit, die ich vergeude, ist ein leeres Gebäude
Ohne Fenster. Nur Liebe ist wirklich hellsehend.
Der Unfall
War nicht der tatsächliche Unfall
Der wirkliche Unfall
War schon lange vorher geschehen
Und er kam nicht per Zufall
Denn jeder hätte ihn kommen gesehen
Und hatte es auch –
Ein Gefühl im Bauch.
Der Unfall
Der verheerende und verhängnisvolle
Und tatsächliche Unfall
Geschah, als er die Kontrolle
Verlor nicht über das Motorrad
Sondern über seine Gefühle
Und entwickelte Gefühle
Für die allerorts berühmte Magd.
Der Fall
War bekannt in der ganzen Stadt
Oh! Hätte er sich nur früher Rat
Geholt – doch dem ist bekanntlich alles egal
Wer verliebt ist. Jeder, der schonmal
Verliebt war, weiß das. Und anstatt
Locker zu lassen, denn Verlust ist auch Gewinn,
Trieb ihn seine Verzweiflung zum Motorrad hin.
Am Tag nach seinem Tode
Wachte auf im Jenseits die Seele
Blickte auf seinen alten Körper
Und den daneben trauernden Bruder
Am Tage nach seines Bruders Unfall
Wachte der Hinterbliebene im Leichensaal
Blickte auf seines Bruders Leiche
Und ahnte nicht die daneben trauernde Seele
Die neben ihm wachte
Und ihn mit Schmerzen im Herzen beobachtete
Und beide sannen
Über alles, was sie noch gemeinsam
Vorgehabt hatten…
Jetzt vorbei
Und beide empfanden im Geiste
Die Wucht ihrer starken Liebe
Zu einander…
Ungeschwächt
Und beide erinnerten sich
Schmerzlich
An den Moment, den Fehler, den Unfall
Der zu dem Tod geführt hat
Und wenn sie es nur könnten, egal
Wie, würden sie alles rückgängig
Machen – leider unmöglich
Nun blickten beide auf den leblosen Körper
Wie auf eine Schwelle, eine Grenze,
Ein geschlossenes Tor in eine verpasste
Und verlorene Möglichkeit…
Eine Chance vertan.
Dann fassten sie Mut
Ertrugen den Schmerz
Drehten sich um
Herz ewig verbunden mit Herz
Und mit Liebe als ewiger Leiter
Gingen sie voller Hoffnung und Sorgen
Jeder mit seinem Leben weiter,
Weiser geworden.
– Che Chidi Chukwumerije
Fortgesetzt in GEFÜHLE 2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
… in Familien hinaus, die obwohl kinderlos
Mehr Kinder haben und lieben
Als jeder Leib zur Welt tragen könnte –
Von der Selbstlosigkeit getrieben.
… in Gefängnisse hinein, wo Freigeister
Loyal und sich gegenseitig helfend
Zu einander stehen; und sie machen
Unter sich die höchsten Tugenden geltend.
… in Krankenhäuser und Altersheime hin,
Wo viel Leben, Jugend und Kindlichkeit
Sich nach einer zweiten Chance sehnen,
Auszuleben ihre Menschlichkeit.
… in die Ferne, nach Hause, zu Vornehm und Gering,
Und was hinten lag, lag auch stets Vorne
Nur in mir war es leer und lernend
Und aufnehmend – wie soll ich mich erforschen?
Wanderlust. Rastlos und unruhig.
Bewegung macht mich ruhig und still
Die Welt belehrt mich mit tausend Geschichten
Aber ich weiß noch nicht, was ich wirklich will.