SUCHEN

Wie Perlen
wie Steine
in einer Gebetsketteä
gleiten unsere Tage,
unsere Jahre,
eins nach dem anderen,
durch unsere Finger,
durch unsere Hände dahin,
ein nimmerendendes Flehen,
Bitten, nach dem Sinn unseres Lebens,
das seinen Kreislauf fast wie von selbst
seinem Ende entgegen vollzieht…
während wir, Suchende, älter werden.
Was haben wir bisher gefunden?
An den Folgen
unserer Entscheidungen gebunden,
was haben wir gefunden?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN LEERLAUF IST DER TIEFSTE LAUF

Leer heute
Leerlauf
Reinigung
Tief drauf
Weder gut
noch schlecht
Einfach nur
tief drauf.

Wann genau der Winter
dem Frühling wich,
kann keiner sagen…
Aber etwas Neues
längst angefangen
zeigt sich in diesen Tagen.
Neue Einsamkeit
Neue Persönlichkeit
Neue Fragen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VON HERZEN

Jeden Tag
Jeder, den ich mag
Alles, was ich wage
Dinge, die ich frage
Oder hinterfrage
Ich kann nicht klagen
Ich werde nicht verzagen
Und nicht versagen
Denn ich mach alles ganz von Herzen.

Was ist nicht so wichtig wie Wie.
Das Was ist das Ergebnis des Wie.
Wie ich liebe, wie ich lebe
Wie ich strebe -
Nach der Vollkommenheit, von Herzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SELBST TREU

Die Ratte wird eine Ratte sein -
ob sie Dir hässlich erscheint oder schön,
wird sie weiterhin Ratte sein
und die Dinge tun, die Ratten tun.
Dir mögen sie ekelhafte Dinge sein -
in ihrer Welt sind sie richtig und schön.

Meine Aufgabe ist es, Mensch zu sein,
ich zu sein und über dem Ganzen zu stehn!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWARZER MANN

Mir wurde im Laufe
des letzten Jahres Unrecht angetan
Ich mußte es im Kaufe
nehmen, weil ich als Schwarzer Mann
ungeschützt bin, denn es bleibt leider wahr:
Viele sehen mich noch als die tiefste Gefahr -
Unverändert, letztes, dieses und nächstes Jahr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWEIGEND EMPFINDEN

Manchmal spürt der Mensch
in seinem eigenen Inneren
eine Tiefe so ernst, einen Ernst
so tief, keinen feineren
Begriff dafür gibt es als Wahrhaftigkeit,
irdischer ausgedrückt als Ehrlichkeit,
aber am Kindlichsten als die Einfachheit.

Wer gründlich empfinden kann,
der schweigt vollkommen ab und an.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS WEISS NUR MEIN HERZ

Was fühle ich für Dich?
Nicht mal mein Kopf weiß es -
Das weiß nur mein Herz.

Wohin bringt meine Sehnsucht mich?
Nicht mal mein Verstand weiß es -
Das weiß nur meine Empfindung.

Verstehen sie jemals, niemals, sich?
Ich taumele blind durch den Schmerz
und erwache erst in ihrer Überwindung.

Verstehen sie jemals, niemals, sich?
Meine innere Stimme erklärt‘s
aber Denken sieht nicht die Verbindung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DICHTEN OHNE ERWARTUNG

Ich habe gelernt, als Dichter
nie nach Ruhm zu trachten,
möchte ich meine Aufgabe,
das Innenleben zu beobachten,
richtig erfüllen, unbeeinflusst davon,
wie andere mich betrachten,
ob Geliebte, Käufer oder Spötter -
darauf darf ich nicht achten.

Wer zum Geist des Zukunftsmenschen
sprechen will, darf heute nichts erwarten -
weder von Freunden noch von Feinden -
sondern säen, dann gehen aus dem Garten.
Empfinden, schreiben, sterben und warten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE VERLORENE TIEFE

Wann haben wir uns verloren,
unser Herz, unsere Weichheit,
die Natur, in der wir geboren
wurden, altmodische Weisheit?
Wann sind wir so fortgeschritten
geworden und innerlich zerstritten?

Einfache Lieder befriedigten uns,
ehrliche Worte genügten uns,
im Kern unseres Denkens und Tuns
waren Werte. Sie beschützten uns
lange vor diesem modernen Unding,
das wir ohne sie heute geworden sind.

Wer die Vergangenheit verloren hat,
der kann sie sich nicht mehr vorstellen -
begreift nicht mehr die märchenhafte Tat
ohne ihren Sinn modern zu entstellen.
Es war einmal eine bessere Menschheit,
eine Zukunft vergessen in Vergangenheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR MÜSSEN NICHT GLEICH SEIN

Wir sind, was wir sind.
Jeder ist seines Geistes Kind.

Wir sehen, was wir sind.
Darüberhinaus sind wir blind.

Aber wenn wir zusammen sind
spüren wir die Verschiedenheiten
die durch Sehnsucht verbunden sind
in den heutigen verwirrenden Zeiten.

Wir sind, was wir sind.
Wir müssen nicht gleich sein
um eins zu sein.
Das geht auch, wenn wir verschieden sind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung