NOCH DA

Nie sind die Menschen noch da,
wo sie einst waren, wenn Du wiederkehrst -
Komme keinem Menschen zu nah,
sonst fühlst Du Dich als ob Du nie da wärst.

Ich will nicht mehr traurig sein
aber glücklich sein macht mich traurig
und traurig sein macht mich glücklich
und unter Menschen fühle ich mich allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIEDER DA

In letzter Zeit
höre ich die Stimmen wieder
nah und weit
die Stimmen und die Lieder
der Mitmenschen und der Menschheit
denn ich bin wieder da
nach Jahrzehnten der Abwesenheit
in denen ich nur Dunkelheit sah.

Und jetzt höre ich die Stimmen wieder
und meine auch -
und spüre meine Beine gehen wieder
und Lachen in meinem Bauch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FAST ZU VIEL

Es ist fast zu viel
Es erfüllt meine Brust
Mein Herz ist zum bersten voll
Lust. Frust. Verlust. -
Lust aufs Leben
Frust, Herzbeben
Verlust vergeben
Unbewusst
Und dennoch selbstbewusst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

INNERLICH ZART

Ich bleibe innerlich zart
werde äußerlich hart
Ich bleibe innerlich zart
Eisernes Tor zum Innengart
Ich bleibe innerlich zart
Fürsorge im Gegenwart
Ich bleibe innerlich zart.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WINTERWACHSTUM

Die Nacht ist still
Der Schnee hat viel zu sagen
Stattdessen hat er viel verschwiegen
Der Mensch kann viel ertragen
Ohne zu brechen oder sich zu verbiegen
Wenn er wachsen will.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SINN

Danke für das vergangene Jahr,
Für die Freude und für den Schmerz.
Ich habe verloren um ein Haar
Meinen Verstand und mein Herz.

Danke für das neue Jahr,
Für Hoffnung und Neubeginn.
Ich bin die selbe Person zwar,
Doch hat das Leben neuen Sinn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERZFLUG

Mein Herz sehnt sich wie ein Flugzeug
drängend durch die Wolken stürmisch
eilig RaumZeit brechend dem Fingerzeig
der Liebe folgend, fühlend sich heimisch
nur in Leidenschaft und in Erregung,
noch mehr in Empfindung und in Bewegung,
sehnt sich nach authentischer Erfüllung,
nach Wirklichkeit und nach Veredelung -
und startet wieder neu nach jeder Landung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABSCHIED VON UNSCHULD

Man sagt, das Jahr nimmt Abschied,
man hört es in jedem Weihnachtslied,
atmet es im wehmütigen Duft ein
und sieht es im Kerzenlichtlein.

Man ahnt, es ist nicht nur das Jahr, das geht;
es geht auch die Unschuld, die nur Gutes versteht;
es geht und vergeht kindliches Vertrauen an Liebe,
und durchblickende Härte ist alles, was verbliebe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS TIEFERE

Die Stufen
die nach unten führen
führen auch nach Oben

Emotionen sind genau
so wild wenn sie still sind
wie wenn sie toben

Nicht sehr unterschiedlich
sind die die Dich kritisieren
von denen die Dich loben

Ich will keine Heiterkeit
Ich will keine Höflichkeit
Ich will einfach nur Ehrlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEIN HERZ

Getragen von einer Lichtwolke,
Losgelöst von jeglichem Volke,
Unbesiegbar durch Schmerz
Lebt und überlebt mein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung