DER WALD HAT SICH VERÄNDERT

Der Wald hat sich verändert.
Als ich das erste Mal hier war,
vor 30 Jahren, war er anders,
warm, gesprächig, magisch sogar.

Dann ging ich in die Welt und erlebte
und wurde älter und veränderte mich
und als ich zurück kam und den Wald besuchte,
schaute er mich an und veränderte sich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERZICHT

Ich schmeckte die ganze Welt
und wurde nicht befriedigt -
Ich verzichtete auf die halbe Welt
und mehr und wurde befriedigt.
Wer kann mir das erklären?
Die Dinge, die wir begehren,
Sie werden uns verzehren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IN DIR ZUHAUSE

Du kannst fremd sein
und Zuhause sein.
Du kannst Zuhause sein
und fremd sein.

Es ist egal, wo Du bist
Wichtig ist nur, wer Du bist
Wichtig ist nur, wie Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALLES GLEICH

Die fremde Welt da draußen
Die fremde Welt hier drinnen
In mir ist es genauso fremd
wie außerhalb von meinem Sinnen
und mir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KREISLAUF

Egal wie weit Du gehst
bist Du stets unterwegs zurück zu Dir
Und wenn Du schneller wegläufst
kommst Du um so früher bei Dir
wieder an.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ECHT SEIN

Es muss echt sein
und von Innen kommen
Egal ob bei Politik oder Wirtschaft
Bei der Arbeit und in der Gesellschaft
In der Familie, in der Nachbarschaft
In der Liebe und in der Freundschaft
Echtheit ist es, was die Ewigkeit schafft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER LETZTE AUGEN-BLICK

Im aller letzten Augenblick
kommt immer wie geschickt
eine Wendung zum Pech oder Glück.

Der letzte Herzschlag
entlässt die Seele in sein wahres Geschick.
Die letzte Umarmung, das letzte Wort
tötet die Liebe oder holt sie zurück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS WICHTIGSTE STETS IM AUGE BEHALTEN

Wichtige Sachen sind wenig.
Die unwichtigen überwiegen
und selten finde ich einen Moment
zum himmelwärts Fliegen

Wer Gott finden will,
darf nicht auf die Gelegenheit warten -
Der muss die Verbindung zu Ihm
suchen in allen Dingen und Arten.

Bei der Arbeit, beim Spiel und Spaß,
beim Lieben und beim Leiden;
bist Du gezwungen in zwei Welten zu leben,
findest Du auch Gott in beiden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NOCH DA

Nie sind die Menschen noch da,
wo sie einst waren, wenn Du wiederkehrst -
Komme keinem Menschen zu nah,
sonst fühlst Du Dich als ob Du nie da wärst.

Ich will nicht mehr traurig sein
aber glücklich sein macht mich traurig
und traurig sein macht mich glücklich
und unter Menschen fühle ich mich allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIEDER DA

In letzter Zeit
höre ich die Stimmen wieder
nah und weit
die Stimmen und die Lieder
der Mitmenschen und der Menschheit
denn ich bin wieder da
nach Jahrzehnten der Abwesenheit
in denen ich nur Dunkelheit sah.

Und jetzt höre ich die Stimmen wieder
und meine auch -
und spüre meine Beine gehen wieder
und Lachen in meinem Bauch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung