Bevor ich in die Nacht hineingehe Weile ich noch einen Moment in dem Tag Bei meinem zweiten Selbst Bei diesem Ich, das die Welt kennt Und doch nicht durchschaut. Was ist der Mensch, wenn nicht eine Hülle? Der Inhalt ist unsichtbar. Bevor ich in die Nacht hineingehe, In das Unsichtbare, Bewertet und verinnerlicht mein inneres Selbst Die Erlebnisse, die Erkenntnisse, meiner Hülle. <em>Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Selbstreflexion
NEUER WEG
Viele Wege kreuzen mich Gleichzeitig Als stammen sie alle von mir Ursprünglich Sie führen aber nicht alle zu mir Letztendlich Denn ich veränderte mich Zwischenzeitlich. Ich erkenne sie alle Aber ich kenne sie nicht mehr alle Ich kenne nur mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SELBSTBESTIMMUNG
Du kannst mir nicht sagen Wie ich heiße. Wenn Du das nicht weißt Dann weißt Du erst recht nicht Wie ich heiße Denn wie kannst Du wissen Wie ich heiße Wenn Du nicht weißt Wer ich bin Was ich bin Wo ich gerade bin auf meiner Reise Und warum? Vor allem weißt Du nicht Wie ich es bis hierher schaffte Und warum ich nicht mehr zu stoppen bin Auch nicht durch die Begrenzung Einer fremdbestimmten Bezeichnung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIESELBEN GEDANKEN
Du siehst anders aus als alle anderen Läufst in der Menge mit allen anderen Denkst die selben Gedanken wie alle anderen Was bist Du? Deine Tausend Hintergründe lenken ab Von dem Wesentlichen im Vordergrund Du Mensch unter Mitmenschen, gleichartig - Das bist Du. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER STURM KOMMT
Es wird dunkel Dunkler als je es war Es wird gemunkelt Der Sturm kommt Festigt Eure Wurzeln Und Dach und Fenster und Tür Wahre gute Eures Herzens Schlüssel Der Sturm kommt Er kommt Geblendet durch seinen Blutrausch Er kommt Entfacht Eures Mutes Funke Bereitet Euch für den langen Kampf - Es ist die Stunde des Dunkels Die Stunde seines Niedergangs. Der Sturm des Guten, er kommt auch! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHWARZER MANN
Schwarz, nach dem Ebenbild meines Vaters, Nicht im Sinne Deiner Vorstellung. Mann, nach dem Ebenbild meines Vaters, Nicht Gemäß Deiner Einstellung. Selbstschützend, mit der Tiefe meiner Eltern, Ich gebe mich nie zur Ausstellung. Wenn das hier nicht passt, dann passt es nicht. Mein Herz ist ebenso afrikanisch wie mein Gesicht. Und mein Kern ist von Urbeginn an voll vermenschlicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESPRÄCHIG
Wenn ich meine Selbstgespräche dazu zähle, Bin ich gar nicht so schweigsam wie Ihr sagt; Es wohnen mehr Menschen in meiner Seele Als alle Eure Fragen gefragt und ungefragt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NEUE BLÄTTER
Schulter an Schulter stehen die Bäume während sie ihren Weg gehen durch die saisonalen Zeiträume Und alle Menschen die an ihnen vorbei gehen Wie schnell hören sie auf, wir auf, zu bestehen? Die Gesellschaft wandelt doch ihre Wurzeln bleiben bestehen Die Gesellschaft bleibt unverändert doch neue Blätter kommen und gehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEI KAFFEE UND KUCHEN
Ich kann während eines Gesprächs mit Dir Tausendmal meine tiefsten Innenorte besuchen - Dabei sprachen wir äußerlich über das Wetter Lobten den Kaffee und kritisierten den Kuchen. Und auch Du machst das - leugne es nicht. Unmerklich tauchst Du in Dir ständig ab und auf Immer und immer und immer wieder Und erzählst nebenbei vom gestrigen Auflauf. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEIN MEISTERSTÜCK
Während Du neben mir liefst Merkte ich, daß Du schliefst Denn Deine Augen waren nur nach Vorne gerichtet Die Samen am Straßenrand hast Du nicht gesichtet Wir liefen und redeten über das gelobte Land Ich hielt derweil eine Gießkanne in meiner Hand Und als Du abends neben mir Pause machtest Merkte ich, wie Du plötzlich aufwachtest Denn Du sahst auf meiner Straßenseite Blühende Blumen bis in ferne Weite. Jetzt verstehst Du warum ich ständig Am schaffen bin, stündlich, täglich - Dein Meisterstück ist eine Blume am Straßenrand An der Du vorbeiläufst unterwegs ins gelobte Land. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
