Während Du neben mir liefst Merkte ich, daß Du schliefst Denn Deine Augen waren nur nach Vorne gerichtet Die Samen am Straßenrand hast Du nicht gesichtet Wir liefen und redeten über das gelobte Land Ich hielt derweil eine Gießkanne in meiner Hand Und als Du abends neben mir Pause machtest Merkte ich, wie Du plötzlich aufwachtest Denn Du sahst auf meiner Straßenseite Blühende Blumen bis in ferne Weite. Jetzt verstehst Du warum ich ständig Am schaffen bin, stündlich, täglich - Dein Meisterstück ist eine Blume am Straßenrand An der Du vorbeiläufst unterwegs ins gelobte Land. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Selbstreflexion
WIR VERGESSEN UNS SELBST
Menschen vergessen oft, daß es Menschen sind, mit denen sie reden - Fremde ist nur ein anderes Wort für Menschen. Menschen vergessen oft, in ihrer Sehnsucht & ihrem Streben nach Eden, worum es geht: nicht um Regeln, sondern um Menschen. Politik, Kultur, Systeme sind nicht so wichtig wie lebendige Menschengeister, einen jeden - das vergessen oft Menschen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ICHSUCHT IST KEINE BRÜCKE
Nie waren wir selbstbestimmter und selbstbestimmender Nie waren wir tauber und blinder Nie das Leben unerfüllender Zu viel Ich, zu wenig Wir Wer alles besser weiss, weiß es nicht Ichsucht ist keine Brücke von mir zu Dir Wer immer Recht hat, hat es nicht. Che Chidi Chukwumerije Das Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEHRERE WEGE FÜHREN ZU MIR
Ich stehe mehrmals wie ein Krake an einer Kreuzung und laufe in alle Richtungen Sagt mir nicht und niemals daß das nicht geht - Ihr seht die Welt von da aus, wo Ihr steht Ich berühre: tausend Herzen pro Gedanke Tausend Gedanken pro Empfindung Tausend Empfindungen pro Sekunde Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IN DER GEGENWART
Ich lebe in der Gegenwart Und habe ihn nie verlassen Such mich in der Vergangenheit nicht Ich habe dort nie gelebt Du würdest mich verpassen. Immer lebte ich in der Gegenwart Erreichte niemals die Zukunft Ich bin Zuhause in der Reise Und die Reise ist die Gegenwart Ist ständig Ausbruch, Erleben, Ankunft. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEUTSCHSEIN IST MEHR ALS BLUT UND BODEN
Deutschsein ist mehr als Blut und Boden Deutschsein ist Herz, weitsichtig, und Geist Wir atmen alle den selben Odem Der das deutsche Wesen heißt. Das sich Entfernen von der Menschlichkeit Brachte uns immer zum harten Fall Das sich Beziehen auf unsere Gemeinsamkeit Bildet uns dem Verfall einen Schutzwall. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BLÜHE
Deutschland,
der vielfältige Regenbogen da
im Spiegel, und menschlich, das bist Du.
Verinnerliche Dich. Deine Blütezeit ist nah.
Du bist mehr, als Du weißt
Blühende Menschen aller Farben, und ja
sie tragen Deinen Geist und tragen ihn aus.
Siehst Du irgendwann, was ich längst sah?
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MANN
Du weißt nicht, was Du ertragen kannst Bis Du es ertragen musst. Du weißt nicht, was Du überleben kannst Bis Du es überleben musst. Wie fühlt es sich an, Wenn eine ganze Gruppe Jagd auf Dich macht? Wie fühlt es sich an, Wenn ein Auto aus dem nichts in Dich kracht? Es fühlt sich wie das Leben an Wo Du nicht weißt, wem Du vertrauen kannst. Es fühlt sich wie das Leben an Wo Du lernst, daß Du Dir selbst vertrauen kannst. Der Samen stirbt in der Erde Eher er zum Baum wiederauferstehen kann. Mein inneres Kind starb auf der Erde Damit ich wiederauferstehen konnte als Mann. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER MENSCH IN MIR
Es kommt der Moment Du sagst Dir Und Du sagst es Dir vehement Ein Mensch lebt hier! In mir. Diese Zukunft, von der alle reden Ein Stück davon wohnt in mir Ohne mich keinen Eden Der fehlende Teil steckt hier In mir. Ich wehre mich gegen Unrecht Gegen Ausschluss aus dem „wir“ Und es gibt mir Recht Der Mensch hier In mir! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIR WERDEN UNS FINDEN
Wir werden uns finden Genau dann, wann wir uns nicht erwarten Denn wir sind die blinden Die harten, die wunden, die suchenden, die zarten und vielfältigen Deutschen der Neuzeit. Wir werden uns missverstehen Auf dem langen schmerzvollen Weg zur Einheit Und denken, daß das was wir sehen Menschen unterschiedlicher Arten sind. Ungleichheit Ist die Illusion der Deutschen der Neuzeit. Tiefer musst Du blicken Um mich zu sehen. Ich wohne nicht auf der Oberfläche Einen Gruß darfst Du ab und zu schicken. Horche, ich grüße zurück. Gespräche zwischen deutsche Geister der Neuzeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
