TAGE DER EINSAMKEIT

Die Einsamkeit wird Selbstgespräche
in Dir führen,
wie die verlassenen Straßen da draußen,
die Füße kaum noch berühren,
in der Korona dieser merkwürdigen und
kalten Frühlingssonne frieren,
ungewärmt von leeren Büros, die alles
beobachten und alles ignorieren…

Wo ist der Mensch?
Was ist aus ihm geworden?

Die Einsamkeit wird Selbstgespräche
in Dir führen,
wird ihren eigenen Weg in Dir gehen
durch längst vergessene Türen,
wird Dich an Erinnerungen erinnern,
die schmerzen und berühren,
wird Sorgen und Hoffnungen und Ängste
in Dir schüren…

Bin ich der Mensch?
Was ist aus mir geworden?

Die Einsamkeit wird Selbstgespräche
in Dir führen…
Du musst leise werden und schweigen
und genauer hinhören,
denn irgendwann geht der Lärm wieder
los und wird Dich wieder verführen –
Drum nutze dieses Erlebnis voll und
lasse Dich nicht stören.

Denn Du bist der Mensch
und wirst morgen neu aus Dir werden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SELBSTGESPRÄCHE MIT DER INNEREN STIMME

Nach dem
kein Sieg ewig blieb
der mich häutig rieb

Nach dem
jeder mich verließ
der einst war mir Paradies

Nach dem
ich mitten in Geborgenheit
und Liebe erlebte tiefe Einsamkeit

habe ich gelernt
das abendliche Gespräch zu schätzen
mit mir selbst, von der Welt entfernt.
Der mich nie verlassen noch verletzen
noch fallen lassen wird,
mit mir lebt und liebt und leidet und stirbt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BLÄTTER WENDEN

Manchmal steht so viel zwischen uns
die Worte reichen nicht mehr aus
Ich stöbere im Wörterbuch unserer Liebeskunst
wie ein Geist in einem leeren Haus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HEUTE VOLL AUSSCHÖPFEN

Ich frage mich immer heute:
Was werde ich morgen wünschen,
ich hätte es gestern erkannt?

Auch diese Frage gehört den Wünschen,
von denen ich denke, heute:
Mensch, hätte ich sie nur gestern erkannt.

Denn heute hilft sie mir,
morgen immer weniger zu überlassen
was ich gestern hätte haben können.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIE VIELE MEILEN ZUR OASE?

Wie viele Meilen bis zur Oase?
Ich renne und brenne und trenne
mich immer noch nicht von der Wüste.
Wie viele Wellen bis zur Ekstase?
Ich reite und gleite und verbreite
Wonne ungenügend für meine Gelüste.
Wie viele Zeilen bis zur letzten Phrase?
Ich schreibe und treibe und bleibe
auf der Seite, wo ich die Liebe küsste.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AN ZWEITER STELLE

Ist das zweite besser als das erste?
Die zweite Frau? Die zweite Nacht?
Der zweite Versuch? Der zweite beste Freund?
Das zweite Mal? Da haben wie freier gelacht.
Aber haben wir auch freier gedacht?
Überhaupt nachgedacht?

Manch eine Frau an der zweiten Stelle
wusste mehr vom König als die Königin.
Manch ein Mensch braucht eine zweite Chance
um seine wahre erste Natur zu zeigen.
Manch ein Gedanke braucht einen zweiten Kopf
um ganz zu ent-decken den Zauber im Topf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OSAKA

Asien! Ich schmecke Dich
wie Blut in meinem Herzen
Rieche Dich wie eine Erinnerung
an heimatlich duftende Kerzen
als Du mich grüßtest im Winter
mit Frühlingsgeburtsschmerzen
denn Kirschblüten im Februar
sind diese hohen feinen Scherzen
mit denen Japan sich verewigt
in unseren reinkarnierenden Herzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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DAS VERTRAUTE WIR

Das vertraute Wir
kam plötzlich aus dem Nichts
Die Botschaft jedes Gesichts:
Wir sind hier
und unser Wir ist auch Hier.

Aus Schmerz wird Stärke
Aus Schwäche wird Zusammenschluss
Aus Spaltung eine neue Zusammensetzung
Aus Vielfalt eine neue Nation
aus alten Tugenden und neuem Mut!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SIE ERTRINKT UND KÄMPFT

Sie war auf der Suche
nach der großen Liebe
Am Ende sitzt sie in mitten
einer großen Familie … alleinerziehend

Vier Kinder sitzen
wie die tiefen Narben ihrer Sehnsucht
auf ihrem Gewissen Tag und Nacht
Eine nimmer endende To-do-Liste…
sich zäh in die Länge ziehend.

Und immer noch schwankt sie täglich
zwischen
Ich habe mein Leben verschwendet
und
Er wird zu mir zurück kehren.
Die Hoffnung, ach, ewig anziehend.

Che Chidi Chukwumerije (05.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HEUTE VERÄNDERN

Es gibt nie wirklich einen Morgen
Das Leben verändert sich immer
Denk an all Deine Träume von Morgen
Von ihnen hat keinen blassen Schimmer
Heute – Gestern‘s wahrer Morgen.

Die Art und Weise, wie sich Heute wiederholt
immer wieder im Kern und immer wieder
raubt mir den Atem wiederholt. Wieder erholt
hole ich wieder aus, stimme Morgens Lieder
doch Morgen hat mich Heute wieder eingeholt.

Morgen kannst Du nie aufholen
denn Heute läßt sich nie überholen

nur verändern.

Che Chidi Chukwumerije (04.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung