Geblendet nicht erleuchtet
Wollten sie sein
Geschändet und befeuchtet
Rein, raus, rein
So muß das sein. Nein
Ich lag lange danach wach
Genau so schnell zack zack zack!
War meine Ruhe völlig weg
Noch nie schmeckte der Sex
Ohne Bezug so gut wie es
Die Versuchung versprach.
Alles für den Pass
Machen
Erntet nur Haß.
Tatsachen.
Alles lieber in Maßen
Und nur nach gutem Gewissen
Alles Gute beleidigen
Um Nation zu verteidigen
Erntet nur Haß
Im bodenlosen Faß
Alles lieber in Maßen
Und nur nach gutem Gewissen
Alles, was Mensch macht, wenn
Er sich nach Sicherheit sehnt…
Alles, was Mensch wagt, um
In Sicherheit zu geraten…
Alles, was Mensch zeigt, wenn
Er sich in Sicherheit wähnt…
Alles, was Mensch tut, um
Seine Sicherheit zu verwalten…
Alles, was Mensch fühlt, wenn
Ihn die Sicherheit ablehnt…
Ergeben zusammen die fünf Seiten
Seiner Wahrheitspyramide
In der er mumifiziert liegt
Halb Mensch und halb Gelübde
Gefangen in seiner Schicksalsschmiede.
Ich brauche meine Brille
Um meine Brille zu finden
Nur der Freie Wille
Kann den gebundenen Willen entbinden
Gefangen im Spiegel
Verkehrt schwanger
Mein Bauch drückt meinen Rücken
Rückwärts raus
Ich drehe mich im Kreis
Im Kreissaal
Der Fall beschleunigt den Fall
Die Seele ist selbst eine Hülle –
Ohne den Geist
Kann der Geist nichts empfinden.
Am Tag nach seinem Tode
Wachte auf im Jenseits die Seele
Blickte auf seinen alten Körper
Und den daneben trauernden Bruder
Am Tage nach seines Bruders Unfall
Wachte der Hinterbliebene im Leichensaal
Blickte auf seines Bruders Leiche
Und ahnte nicht die daneben trauernde Seele
Die neben ihm wachte
Und ihn mit Schmerzen im Herzen beobachtete
Und beide sannen
Über alles, was sie noch gemeinsam
Vorgehabt hatten…
Jetzt vorbei
Und beide empfanden im Geiste
Die Wucht ihrer starken Liebe
Zu einander…
Ungeschwächt
Und beide erinnerten sich
Schmerzlich
An den Moment, den Fehler, den Unfall
Der zu dem Tod geführt hat
Und wenn sie es nur könnten, egal
Wie, würden sie alles rückgängig
Machen – leider unmöglich
Nun blickten beide auf den leblosen Körper
Wie auf eine Schwelle, eine Grenze,
Ein geschlossenes Tor in eine verpasste
Und verlorene Möglichkeit…
Eine Chance vertan.
Dann fassten sie Mut
Ertrugen den Schmerz
Drehten sich um
Herz ewig verbunden mit Herz
Und mit Liebe als ewiger Leiter
Gingen sie voller Hoffnung und Sorgen
Jeder mit seinem Leben weiter,
Weiser geworden.
– Che Chidi Chukwumerije
Fortgesetzt in GEFÜHLE 2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Heute bin ich Topf
Eintopf
Herz voll und viel und weich
Gedeckelt vom Kopf
Köchelnd umrahmt statt mit Haaren
Mit einem dichten Ideenschopf
In unsichtbaren Schichten
Angekettet an Impulsen geflochten
Zu einem Zopf, an dem jemand zieht
Ich weiß nicht wer, ich kann mich nicht umdrehen
Ohne daß sich meine Gedanken
Nicht gerinnen zu einem Pfropf –
Deshalb, heute, Knopf auf,
Gedanken atmen lassen
Mitmenschen grüßen in den Straßen
Und Empfindungen einfallen lassen
Tropf für Tropf.
Die Welt zieht und zieht
Wie lange noch kann ich ihr widerstehen?
Die Echtheit, die ich gerne mied
Tue ich immerwiederkehrend immerwiedersehen
In allem, was in und mit mir geschieht.
Verlangen, wie lange noch
Werde ich mich zurückhalten und nachdenken?
Die Welt öffnete sich und ich roch
Die Vorfreude, denn die Freude selbst will nachschenken
Und ich will es trinken doch!
Menschen menscheln, mehr können wir nicht
Wer nie gemenschelt hat, merke Dir sein Gesicht
Wenn es Deinem ähnelt, hast Du Dein Gericht:
Mensch, Du schläfst oder Du lügst noch.