DER DRANG NACH ENTWICKELUNG

Irgendetwas will,
es will raus -
In mir tobt April
wie ein Kind Zuhaus.

Lass mich hinaus
als Kind in die Welt -
ich komm zurück nach Haus
fertig und entwickelt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE GRUNDEINSTELLUNG

Die Grundeinstellung
Demut, Mut, Bescheidenheit, Nichtigkeit,
Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Einfachheit,
Die Grundausstattung
Für die Reise zum Frieden
Wir sind alle der gleichen Herstellung
Egal wie verschieden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNTERSCHIEDLICHE WEGE

Du hast Deinen Weg
Ich habe meinen
Wenn Du am Ziel bist
Bin ich noch auf dem Weg

Auf meinen beiden Beinen -
Eins Pessimist, eins Optimist -
Gehe ich meinen Weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TIEFERE EMPFINDUNGEN

Mein Herz behält gerne für sich,
was meinen Verstand nichts angeht -
und das ist wortwörtlich unbedenklich.
Der Kopf schadet nicht, was er nicht versteht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ECHTE EMPFINDUNG

Die haben etwas erfunden
Es kann für uns künstlich denken
aber nicht für uns empfinden -
Empfindung lässt sich nicht künstlich lenken.

Ich mag nichts, was für mich denkt -
Informationen verschaffen darf er jedoch.
Aber die Fähigkeit, völlig Neues zu schöpfen,
kann allein der Menschengeist immer noch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHWER GENUG FÜR MEIN GEWISSEN

Und wenn ich singe
höre ich Schmetterlinge
aber ich sehe sie nicht
Ich fühle ein helles Gewicht
schwer genug für mein Gewissen
hin und her ungerissen
Die Nacht ist sacht
Das Lächeln lacht
Mein zweites Ich erwacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SELBST, STUR, STARR

Für Dich ist Deins immer noch das Beste
Für mich ist meins immer noch das Höchste
Jedem ist seins stets das Richtige
Und wenn meins nicht Deins ist
und Deins nicht meins ist
dann, anstatt daß einer sich ändert,
trennen sie sich und machen weiter, unverändert.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER REISEN

Wofür war die ganze Zeit?
Umsonst?
Ich gab Euch meine ganze Zeit
Meine beste Zeit
Umsonst.

Wieviel Zeit habe ich noch übrig?
Die Haare werden silbrig
Die Stimme einsilbig

Da! Dort! In der Ferne!
Meine Träume! Meine Sterne!
Euch erreiche ich immer noch gerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MICH

Mich -
Das, was es am wenigsten gibt.
Mich -
Das, was es am meisten gibt.
Mich.

Jeder sieht Mich. Jeder übersieht Mich.
Keiner kennt Mich. Keiner verkennt Mich.
Alles, was ich über Mich denke, ist falsch.
Alles, was alle über Mich denken, ist falsch.
Nur die Schöpfung kennt mich.

Und die Schöpfung
will Mich,
kann Mich,
wird Mich
zurechtbiegen oder zerbrechen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHTSINNEN

Ein Raum so groß wie keine Fantasie
Grün wie die Erinnerung an Urwälder
Dadrin wohnst, allein, Du selber
Winzig wie ein Planet in einer Galaxie

Wo bist Du? Ist das Deine Hoffnung?
Ist das Deine Sehnsucht? Deine Angst?
Ist das Deine Kindheit? Deine Ignoranz?
Ist das das Wesen Deiner Entwaffnung?

Und da liegst Du jede Nacht sinnend
Spürend, fühlend, empfindend, nachdenkend
Dich vor der großen Leere in Dir erschreckend -
Jede Nacht mit dem Erwecken neu beginnend.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung