Papa, über was schreibst Du heute ein Gedicht? Ich weiß nicht. Über was soll ich heute schreiben? Über mich. Über Dich? OK. Nein! Spaß! Bitte nicht! Zu spät. Der Gedanke ist gekommen und muss nun bleiben. Und muss nun wachsen, betreut von meiner Liebe, und mich verändern, während ich ihn auch verändere; dann, vollendet, mich zu verlassen, um im Weltgetriebe eigenständig zu wirken für eine neue Welt, eine bessere. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Selbstwerdung
MENSCHENBAUM
Menschenbaum, was verbirgst Du da?
Deine Narben? Deine hässlichsten Äste?
Menschenbaum, was schirmst Du da?
Deine geheime Seite ist Deine Beste.
Sie rührt unser Gewissen
und lässt uns wissen:
Du und wir sind ähnlich zerrissen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE GEDANKEN SIND UNFREI
Die Gedanken sind unfrei, gebunden an Neigungen, an Hängen und an Lastern, an Wunden und Erinnerungen - Die Gedanken sind unfrei, gefesselt an Vorurteilen, an Voreingenommenheiten, gewurzelt in festen Erdteilen. Die Gedanken sind nicht frei, wie Monde kreisend festgehalten im Bann Deines inneren Selbsts, deren Sinn sie immer enthalten. Die Gedanken sind nicht frei und sie machen nicht frei - Nur das Herz kennt die Kunst der wahren freien Fliegerei. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINSAMKEIT IST NICHTS
Einsamkeit ist nichts, was irgendeiner kommt und Dir abnimmt oder lindert - Sie ist die Sehnsucht in Dir nach Deiner eigenen Persönlichkeit, die gehindert ist an ihrer Entfaltung durch ungenügend Selbst-konfrontation, -Wissen und -Akzeptanz, tiefer als das innere Kind oder innere Jugend, der Erwachsene muss kennen seine (Ir)Relevanz. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEFREIT
Ich gehe immer weiter Hoff nicht auf meine Rückkehr Die rückt nicht näher Die kommt, ich komme, nie mehr Ich bin ein Befreiter Eure Fesseln haben mich innerlich befreit Eure Angriffe machten mich vor neuen gefeit Eure Wegelagerer geben mir sichres Geleit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDULDIG MIT ERLEBEN
Zu einem Menschen ohne Geduld kannst Du nicht sagen Hab Geduld Zu einem Menschen mit Angst oder Wut kannst Du nicht sagen Hab keine Angst oder hab keine Wut Was Du hast, hast Du Was Du nicht hast, hast Du nicht Nur durch Erleben lernst und wächst Du, Durch Worte allein nicht. Lass die Ungeduldigen ihre Ungeduld erleben Lass die Ängstlichen ihre Angst erleben Lass die Wütenden ihre Wut erleben - Ohne Sichselbstsein kein wahres Erleben Erleben und die Rückwirkung wieder erleben Eine Schule ist das Erdenleben Ohne Erleben kein Werden, kein Leben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KEIN ERLEBNIS WAR UMSONST
Die Zeit lässt uns keine Zeit um die Erkenntnisse die die Ergebnisse unserer Erlebnisse waren im Laufe der bisherigen Zeit in die Tat ganz umzusetzen noch während der verbleibenden Zeit. Wege, die uns jetzt verletzen heilen erst in einer neuen Zeit. Wissen ist Macht. Wie viel Macht geht uns jedes Mal verloren, wenn eine Seele am Sterbelager steht ohne zurück zu kehren? Doch keine Energie geht jemals verloren Auch die geistige wird einst erneut geboren. Zum Glück (manchen zu ihrem Unglück) kehrt jeder mehr als einmal zurück. Der Körper ist gebunden grundsätzlich an der Erdzeit, Der Geist dagegen richtet sich zusätzlich nach der Ewigkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EHEMALIGER SOLDAT
Wie viele hat er damals umgebracht? Schwer zu sagen - er hat nicht gezählt. Hat er jemals danach an sie gedacht? Schwer zu sagen - er hat nie erzählt. Es war halt ein Krieg. Es zählte nur der Sieg. Wie es heute in seinem Gewissen aussieht, behält er für sich. Ein Verlangen, das stark anzieht, brennt in seinen Augen wie ein Schrei aus seinem Gemüt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
STILLE
Sei still, sonst hörst Du Deine innere Stimme nicht und weißt nicht, was sie will, Dein freier Wille. So frei, keine Meinung oder Neigung trübt seine Sicht - Er lenkt Dich zweifelsfrei in der Stille. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN LEBEN, DAS ZÄHLT
Lass es zählen Es könnte Dein letztes Erdenleben sein Lass es zählen Nicht alles zählt, was es anzubieten hat Aber alles, was zählt, hat es anzubieten Den Unterschied erfährt man in der Tat Mit Dir Zeit lernen wir erfassen, was zu nehmen und was zu lassen, Schmerz zu empfinden ohne zu hassen Es könnte der Anfang der Zukunft sein Oder die Fortsetzung der Vergangenheit Lass es zählen, Dein Erdendasein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
