Unscharf das Bild.
Unklar das Strassenschild.
Undeutlich das brennende Bedürfnis.
Nebulös der Durst
und ungestillt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Unscharf das Bild.
Unklar das Strassenschild.
Undeutlich das brennende Bedürfnis.
Nebulös der Durst
und ungestillt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wie oft muss ich schon gestorben sein,
daß ich Deinen Namen vergessen konnte,
die Du einst meine Sehnsucht gewesen warst,
als ich in Deiner Sehnsucht mich sonnte?
Mehrere Menschen liegen zwischen mir und Dir,
mehrere Leben, mehrere Gräber – und jedes verblich;
Mehrere Geschichten, Entfernungsschichten…
Und jedes davon war auch Ich.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Sie ist nicht frei
Sie ist den Gedanken
ihrer Eltern verheiratet
Er ist nicht frei
Er ist den Ansichten
seines Volkes verheiratet
Dennoch freuen sie sich sehr
auf den Versuch,
Feuer und Wasser zu vermengen
Tag und Nacht zusammen zu zwingen
Nach Links und nach Rechts gleichzeitig zu lenken
Das ist die Eigenart der Liebe
Sie sieht einen Weg, wo es keinen gibt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wir wählen selbst unser Gefängnis
Schließen die Tür
Werfen den Schlüssel weg –
Und fangen an,
unsere Gefangenschaft zu beklagen.
Wir treffen selbst unsere Entscheidung
Gegen allen Rat
Und wenn es unumkehrbar wird,
fangen wir an
unsere Entscheidung zu hinterfragen.
Wir beschließen als Kinder Sachen,
die wir als Erwachsenen halten sollen,
wenn wir keine Kinder mehr sind
und die Dinge jetzt anders sehen –
müssen aber die Konsequenzen nun ertragen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich habe schon viele Menschen getötet.
Nicht körperlich.
Da, wo es weh tut, wo es wütet,
Wo die Wunde still ist und unerreichbar,
Do, wo der Schmerz unüberwindbar ist
oder zu sein scheint.
Seelisch.
Ich habe schon viele Menschen wiederbelebt.
Nicht physisch.
Da, wo das Leben beginnt, innerlich,
Beginnt als Selbstvertrauen, als Lust,
als Sehnsucht, Freude, Hoffnung, als Drang.
Geistig.
Mögen meine guten Taten meine bösen ausgleichen.
Ich wurde schon von vielen Menschen getötet
Ich wurde schon von vielen Menschen wiederbelebt
Nicht irdisch
Da, wo Menschen sich treffen,
wenn Menschen sich treffen,
im tiefsten Inneren.
Und äußerlich hat keiner was gemerkt.
Außer am Lachen und an seinem Fehlen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Heute schaute ich zurück
Wie ein Baum auf einem Hügel
Hinter mir waren mehrere Gipfel
Auf jedem Stand ein Baum
Schwer fiel es mir, zu begreifen,
daß ich mal alle diese Bäume war
Schwer fiel es mir zu begreifen,
wie Menschen sich so völlig ändern
Und dennoch kam in jedem Augenblick
Mein ehrlich wahres Selbst zum Ausdruck.
– Che Chidi Chukwumerije</em>
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wärest Du ein Lied,
wer hätte Dich gesungen?
Wer hätte Dich komponiert?
Wer hätte Dir Deine Melodie abgerungen,
die im Kind als Freude gejubelt,
in der Jugend von Sehnsucht bezwungen,
im Erwachsenen im Kampf gewütet,
im Greisen als Nachdenken ausgeklungen?
Duett.
Du und das Gesetz
der Wechselwirkung.
Euch ist zusammen Dein Lied gelungen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Das Ding mit Sterben ist,
daß Du es vergisst –
Irgendwann als Erwachsener
blickst Du suchend zurück
vergeblich nach dem trennenden Moment
zwischen Dir und Deinem Glück.
Dieses Rätsel wird Dich begleiten
den Rest Deines Lebens:
Wie könnte ich so leise sterben
ohne Anzeichen eines Erdbebens?
Wer oder was hat mich wann getötet?
Du suchst die Antwort … vergebens.
Das Kind starb mit seinen Erinnerungen
Der Jugendliche starb mit seinen Idealen
Der Erwachsene bleibt mit seinen Fragen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Es bringt nichts, nach Freiheit zu schreien.
Sie ist taub.
Wem sie geraubt wurde,
muß sie aufgeben und sich selbst befreien.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Als ich es machte,
war es kein Fehler –
Als ich es überdachte,
war es ein Fehler –
Jetzt wo ich älter wär,
und es aus der Ferne betrachte,
ist es kein Fehler mehr.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung