NACH DEM DER LÄRM DER STILLE GEWICHEN IST…

Nach dem der Lärm der Stille gewichen ist,
Und die Zeit zum Suchen verstrichen ist,
Und die Seele endlich ausgeglichen ist,
Spüre ich Dankbarkeit in mir für den Schmerz,
Für die Reise, für mein wachgerütteltes Herz,
Denn es zieht mich nun innig Heimwärts -
Dorthin, wo mehr Nähe zum Göttlichen ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALLEINE LAUFEN

Du musst alleine laufen
wenn Du die innere Stimme hören willst
Gott wird Dich mit Alleinsein taufen
während Du aus Deinem Suchen schwillst
Deiner Stärke entgegen.
Beim sich zur Vollblüte regen
Ist Alleinsein oft ein Segen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GROSSER GEIST

Es war mal ein Geist
So groß wie ein Berg
Er bewohnte einen Körper
So klein wie ein Zwerg

Er hatte Gedanken
So hoch wie ein Baum
Aber seine Stimme
Füllte kaum einen Raum

Er half vielen Menschen
Aber sie wussten es nicht
Denn er machte es heimlich
Zeigte nie sein Gesicht

Er möchte nicht, daß Du
Entdeckest, wer er ist…
Er will nur, daß auch Du
Ein bescheidner Diener bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FÜR DEIN NEUES LEBEN

Wollen wir sollen?
Sollen wir wollen?
Die Steine sind am Rollen.

Alles hat seinen Preis.
Frieden ist der Beweis -
was der Verlierer immer weiß.

Etwas musst Du aufgeben -
und kannst‘s nie wieder aufheben -
für Dein neues Leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZÜGIG LAUFEN

Laufen
als wäre das Leben eine kurze Reise
und Du hattest keine Zeit mehr
Zügig laufen. Bald bist Du ein Greise.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER WERT EINES MENSCHEN

Was macht einen Mensch wertvoll?
Geld? Macht? Waffen? Schönheit?
Aber alles Haben verlangt sein Soll.
Wahrhaftigkeit. Liebe. Bescheidenheit.

Manche finden den Zugang zum Geldfluss
Und sind dann „reich“. Andere nicht.
Manchen haben Macht und deren Genuss
Und werden hart und weich. Viele nicht.
Manche sind körperlich schön - zum Verdruss.
Denen ist alles gleich. Den meisten nicht.

Doch gut sein und wahr sein und bescheiden sein
Ist kostenlos. Das können alle sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER HANG

Wenn der Hang stirbt
stirbt die Verbindung zu vielen Menschen
und entsteht eine Verbindung zu anderen
die Echtes in sich birgt.

Du kennst Dich nicht
Bis Du in Dir den Hang überwunden hast
Du weißt nicht, was wirklich zu Dir passt
Bis Dein Hang zerbricht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

JA ZU NEIN

Irgendwann findest Du die Kraft
um Nein zu sagen, dauerhaft.
Nicht das wankelmütige Nein,
strauchelnd von Jein zu Jein;
nicht das unsichere Nein,
unfähig allein stehend zu sein;
nicht das gezwungene Nein,
ruhend auf fremdem Standbein;
sondern das überzeugte Nein,
das klar durchblickende Nein,
das eine Bejahung dessen ist,
was Du jetzt weißt, das Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEINE SPRACHE

Wie lange stehe ich schon hier
zwischen Dunkelheit und Licht,
und warte auf irgendjemanden,
der meine Sprache spricht?

Nicht Deutsch, Englisch oder Igbo -
für die gibt‘s schon viele Sprechenden.
Nicht Mundart oder Körpersprache,
noch die Zeichen der Gebärdenden.

Keine KI kann meine Sprache übersetzen,
das schafft nur menschliche Empfindung.
Denn was die innere Stimme sagt,
ist für die gleichartige geistige Gesinnung.

Die Stadtmitte ist voller Spaziergänger
auf der Suche nach wahrer Gleichart,
nach jemandem, der ihre Sprache spricht,
unter der Haut sind sie wund und zart.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DUNKELBLAU

Die dunkelblaue Nacht
fällt wie ein Stern vom Himmel
schwanger mit wertvoller Fracht.
Weicher wird das Getrommel
meines Schwarzen Herzblutes.
Ich träume und sinne heute Nacht
über etwas Altes, etwas Gutes -
Was hat die Nacht aus mir gemacht?
Geworden bin ich eine Wiederholung
dessen, was einst ich war -
Meine frühere, jüngere Empfindung
nehme ich heute wieder wahr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung