ZEIT OHNE MAHL

Wann kommt die nächste Mahlzeit
wenn die Zeit selbst zum Mahl wird?
Wer hat sie auf deren Menükarte serviert,
bezahlt, bekommen, in Besitz genommen,
aufgefressen, genossen? Zeit unseres Lebens.
Unterdessen wächst der Hunger
und größer und größer die Zeit ohne Mahl,
egal, wer die letzte Wahl gewonnen hat.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SAISONWENDE

Grün wie Hoffnung verwelkend
Ein Sommer des Lichtes
Jahrzehnte des Friedens
Sozialgerechtigkeit in der Gesellschaft
Feiern ihr Saisonende.

Der Herbst ist vieles: Er ist bunt,
Reif, er ist herb und kalt, schließlich
zieht er sich und uns alle aus.
Wer wenig hat, dem wird viel genommen.
Wer alles hat, dem wird alles gegeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HABEN OHNE SEIN

Du darfst aus meiner Kultur schöpfen
Daraus was Neues machen
Ich werde aus Deiner Kultur Sachen schöpfen
die alt waren, ich werde sie neu machen.

Nicht die Kulturen bilden die Trennlinien
sondern die Ansichten, die behaupten
es gäbe zwischen uns unüberquerbare Linien -
Alle Andersdenkenden tun sie enthaupten.

Ist es so schwer, leicht zu sein?
Ist es so leicht, schwer zu sein?
Besteht unser Sein nur aus Haben
ist alles, was wir haben, nur schweres leeres Sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWERE ZEITEN

Ich sah leere Büroräume
zum Vermieten freigegeben.
Ich fragte mich, welche Träume
dorthin einzuziehen streben.

Wird die Wirtschaft mitspielen?
Droht Rezession? Inflation?
Wird der Markt ihren Zielen
eine Chance geben zur Realisation?

Jahre der Schule und Ausbildung
liegen hinter den einen.
Hinter andren Jahre der Hoffnung,
Arbeitslosigkeit, Weinen.

Ich sah leere Büroräume
und hörte mein Herz ein Gebet aufbringen
für die guten dorthin bald einziehenden Träume:
Gutes Gelingen!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ES WERDE PFLICHT

Es werde Pflicht
Licht zu werden
Denn es ist geworden
Dunkel auf Erden

So viele Atombomben
kann kein Planet überleben
Der einzige Planet
Auf dem es Leben gegeben

Am Anfang war das Wort
Ein Ehrenwort
In ihm fand unsre Sehnsucht
Einen Verankerungsort -

Ein Wort wie Zusammenschluss
Wie Du oder wie Wir
Ein Wort wie Menschlichkeit
Als Lebenselixier.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEHR NÄHE

Distanz braucht Nähe.
Das ist mir neu. Immer dachte ich,
Freiheit suchend, Nähe braucht Distanz,
nicht andersrum - doch dann erwachte ich
politisch in einer brückenlos geteilten Welt.

Distanz braucht Nähe.
Denn es ist wichtig, daß globaler Nord
und globaler Süd, Ost und West, Kulturen, 
Religionen, Sichten sich be-greifen im Akkord,
der den Frieden zusammenhält.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE BESEITIGUNG VON ARMUT

Wenn die Beseitigung von Armut
den Reichen obliegt,
besteht darin ein Interessenkonflikt?

Wenn Du reicher bist als niemand,
bist Du überhaupt noch reich?
Seid Ihr alle gleich reich?
Vielleicht seid Ihr auch gleich arm.
Wer weiß?

Reichtum.
Manche wollen mehr als andere haben
Manche wollen einfach nur genug haben
Manche wollen geben um glücklich zu sein
Und empfangen um leben zu können -
Aber keiner will in Armut leben
Und keiner will unwürdig sterben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung