DAS GEWICHT DES KLIMAS

Klima als Gedicht
Reimt es sich?
Klima als Pflicht
Erklärt es sich von selbst?
Stell Dir vor, die Natur
bittet Dich um Hilfe
und Du hörst es nicht
denn daß die Natur sich heilt
ist für Dich selbstverständlich
aber was ist, wenn die Krankheit
wir selber sind?
Denn eines Tages
wird sich die Natur sicher heilen.
Klima als Endgericht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LÜTZERATH

Lützerath
Ein Staat gegen ein Volk
Die Angst gegen die Hoffnung
Die Reise in die Zukunft
Nimmt abermals eine Umleitung
Über die Vergangenheit
Kommen wir jemals an?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KLEBSTOFF

Lützerath Demo 14.01.2023 / & Fecher bleibt / FFM
Sie kleben
Plakate
Sich
Hoffnung
Wut
Angst
Entschlossenheit

Wände sind nicht groß genug
Straßen sind nicht laut genug

Herzen allein böten genug Platz
Für mehr als jeden kämpferischen Satz
Zum Schutz von jedem gesunden Schatz
Vom Fechenheimer Wald zu Lützerath.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWEIGSAM EINSAME MENSCHEN

Schweigsame Blätter
Stadtblumen
Seht Ihr mich nicht, Stadtbaum?

Denn Ihr seid meine Retter.
Ranzoomen.
Versteckt Euch nicht hinten am Saum.

Wie ist das Wetter?
In Stimmen leisester Volumen
Ist auch ein guter Gesprächsanfang im geschlossenen Raum

Augenkontakte sind Sprungbretter
Lächeln sind Brotkrumen
Führen uns Einsame zu unserem Traum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE BESTEN GESCHENKE

Heiligabend. War er bereits –
mit Geschenken mehr oder weniger beladen –
bei Euch gewesen?
Nicht vergessen, zieht hoch die Rolladen…
Schaut hinter die Fassaden:

Die besten Geschenke
kommen, reich beladen, von Herzen
und lindern den Mitmenschen
ihre Trauer, ihre Einsamkeit und ihre Schmerzen…
Brennen heller als alle Adventskerzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAGE DER KÄLTE

Im Winter schreibt die Straße
ihre härtesten Gedichte
Wieder ein Obdachlose erfroren
mundtot in der Stadtgeschichte

Die Nachrichten schreien
darüber ein paar Tagesberichte
Die Politik zeigt sich bestürzt –
das, wozu sie sich verpflichte.

Die Bewohner und Benutzer
der Straße, ihre eigenen Gerichte,
wussten‘s schon immer, die Kälte
richtet ihn eines Tages zunichte.

Niemand rief den Kältebus
doch die waren keine Bösewichte
Die Kälte zieht uns die Wärme ab,
die ihr Ertragen ermöglichte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZEIT OHNE MAHL

Wann kommt die nächste Mahlzeit
wenn die Zeit selbst zum Mahl wird?
Wer hat sie auf deren Menükarte serviert,
bezahlt, bekommen, in Besitz genommen,
aufgefressen, genossen? Zeit unseres Lebens.
Unterdessen wächst der Hunger
und größer und größer die Zeit ohne Mahl,
egal, wer die letzte Wahl gewonnen hat.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SAISONWENDE

Grün wie Hoffnung verwelkend
Ein Sommer des Lichtes
Jahrzehnte des Friedens
Sozialgerechtigkeit in der Gesellschaft
Feiern ihr Saisonende.

Der Herbst ist vieles: Er ist bunt,
Reif, er ist herb und kalt, schließlich
zieht er sich und uns alle aus.
Wer wenig hat, dem wird viel genommen.
Wer alles hat, dem wird alles gegeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HABEN OHNE SEIN

Du darfst aus meiner Kultur schöpfen
Daraus was Neues machen
Ich werde aus Deiner Kultur Sachen schöpfen
die alt waren, ich werde sie neu machen.

Nicht die Kulturen bilden die Trennlinien
sondern die Ansichten, die behaupten
es gäbe zwischen uns unüberquerbare Linien -
Alle Andersdenkenden tun sie enthaupten.

Ist es so schwer, leicht zu sein?
Ist es so leicht, schwer zu sein?
Besteht unser Sein nur aus Haben
ist alles, was wir haben, nur schweres leeres Sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWERE ZEITEN

Ich sah leere Büroräume
zum Vermieten freigegeben.
Ich fragte mich, welche Träume
dorthin einzuziehen streben.

Wird die Wirtschaft mitspielen?
Droht Rezession? Inflation?
Wird der Markt ihren Zielen
eine Chance geben zur Realisation?

Jahre der Schule und Ausbildung
liegen hinter den einen.
Hinter andren Jahre der Hoffnung,
Arbeitslosigkeit, Weinen.

Ich sah leere Büroräume
und hörte mein Herz ein Gebet aufbringen
für die guten dorthin bald einziehenden Träume:
Gutes Gelingen!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung