SCHÖNE DINGE

Die kleinen schönen Dinge
Vorbei flatternde Schmetterlinge
Kunstvolle Brücken über winzige Täler
Märchenerzählerinnen und -erzähler
Morgendämmerung in einer neuen Stadt
Musizierende erwischen auf frischer Tat
Fremde Menschen lesen
Unsichtbare märchenhafte Naturwesen
Gedanken, die uns mit Höherem verbinden,
die kurz kommen und schnell verschwinden
Das Empfinden von Zuhause-sein
im geteilten Blick mit Deinem Schatzilein
Aber das Beste von allem ist
das Ahnen, daß Gott ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLAMMEN

Werden wir zu Flammen
Halten wir zusammen
Erhellen wir wie mit Kerzen
Die Welt mit Menschenherzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

SELBST VERANTWORTLICH

Manche sind zum Hassen geboren.
Gegen sie hast Du von vornherein verloren,
bist Du zum Lieben auserkoren.

Es gibt ein Licht, das aber höher ist,
das höher als Hass, Politik und Waffen ist;
eins, das Gottes, das des Grales ist.

In mitten der gegenwärtigen Verwirrung
vergessen wir oft unsre wahre Bestimmung:
geistige Entwicklung, geistige Wirkung.

Lass Dich zum Gruppenhass nie mitreißen
gegen die „Schwarzen“ oder die „Weißen“
oder wie die Sammelworte alle heißen.

Was Du in der Gruppe tust, belastet Dich.
Aber wenn es gut ist, zählt es nur für Dich.
Du bist für Deine Ewigkeit verantwortlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAUSEND TAGE

Mach aus jedem Tag
hundert, tausend Tage,
Neue Dinge, wag!
Inneres - hinaus… trage.
Deine Schicksalsfäden
sind mehr als Du weißt.
Befreie Dich von trägen
Gefühlen. Du bist Geist!
Die große Erde ist dicht,
ist langsam, ist klein;
Folgst Du dem Licht,
musst Du schneller sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MIT DER MORGENDÄMMERUNG

Ich treffe Dich unterwegs
wie Sehnsucht und die Stunde
vor der Morgendämmerung,
in dieser einen kurzen Sekunde.

Verpassen wir diesen Moment,
verpassen wir uns für immer -
Nicht mal der Tod, nein, nicht
mal der Tod wäre schlimmer.

Hörst Du es laut und leise?
Es zu hören ist des Lebens Kunst.
Hörst Du es klar und deutlich?
Die innere Stimme spricht in uns.

Und Deine Stimme ist mir vertraut
Ich rufe Dich aus dem Schlafe heraus
Wir ergreifen die Morgendämmerung
und laufen zusammen nach Haus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FERTIGSTELLUNG UNSERER GEDANKEN

Mehrere unfertige Gedanken kamen heute,
scharen sich seit Stunden eng um mich
wie fremd duftende, dürftige, durstige Leute,
erzählen aber erstmal recht wenig über sich.

Ich könnte sie ablehnen und zurückweisen,
doch heiße ich sie vortreten und prüfe sie,
dann lasse ich sie an meinem Innern speisen,
sie futternd, ergänzend, damit ich sie groß zieh.

Dann geschieht plötzlich das Wunderbare:
Gestaltwandler, sie nehmen neue Formen an:
Der Tiefe, der Hohe, der Kluge, der Sonderbare:
Inhaltswandler, sie führen mich an Neues heran.

An neue Denkungsweisen und neue Fragen,
an neue Zusammenhänge und Erkenntnisse,
die alle dennoch eine alte Weisheit in sich tragen:
Zusammenschluss erzielt die besten Ergebnisse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IDEENKRÄHEN

Ich flog durch die Nacht wie ein Vogel,
den ich nicht erkannte. Ich flog und sah mich
fliegend, als wäre ich außerhalb von mir,
inmitten von anderen seltsamen Vögeln,
nur waren sie mir vertraut und heimlich.
Wir blickten uns prüfend in die Augen
gegenseitig, erkannten in einander Gleichart
und flogen weiter zusammen durch die Nacht,
wie Gedanken der Nacht, unterwegs zu Dir.

Du schläfst noch, als wir Dich finden.
Nur unbewusst in Deinem Empfinden
nimmst Du uns wahr, entgegen und auf,
Du, das nächste Ziel in unserem Kreislauf.
Von Generation zu Generation, wir sind hier,
Zivilisation zu Zivilisation geflohen sind wir,
um mit ihren Sonnen nicht runterzugehen.
Irgendwann werden wir das Morgenland sehen,
das erhellt wird durch uns, lichtstrebende Ideen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG

Gewinnen ist verlieren.
Wieviel musste ich gewinnen,
um zu begreifen, wieviel ich dabei verloren habe?

Verlieren ist gewinnen.
Wieviel musste ich verlieren,
um zu sehen, wieviel ich dadurch gewonnen habe?

Ich bin umgeben von Menschen,
die gegen mich und gegen alle gewinnen wollen.
Für diesen Sieg werden sie, wie einst ich,
alles geben und verlieren, was sie hüten sollen.

Erst darnach, zu spät, werden sie verstehen,
daß es doch nicht so schlimm ist, zu verlieren,
um dabei richtig zu stehen, aufrecht zu gehen
den Tugenden nach, die nach Oben führen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AN GOTT DENKEN

Sonnenstrahlen gehen leise spazieren
morgens tief im leeren Laubenwald,
heben die Köpfe, die zitternd frieren,
und schieben sie in jeden dunklen Spalt
zwischen Wurzel, Äste und Zweige hinein,
grüne Blätter gibt es hier nicht mehr
oder noch nicht, die Januarluft ist rein,
ich sitze allein im Bus, allein ungefähr,
drei Mitfahrende sind auch hier drinnen,
meine Aufmerksamkeit gilt nur dem Wald,
sonnengestreichelt, und mein Sinnen
gilt Gottes allumfassendem zarten Gewalt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STROMWANDLER

Spürst Du auch manchmal diese Liebe,
stärker als Sucht, stärker als Triebe?
Diese überwältigende Liebe in Deiner Brust -
für was oder wen, ist Dir nicht bewußt.

Sie weckt Dich nachts zum nachdenken,
sie macht Dich Tags zum Träumenden,
sie erfasst manchmal urplötzlich Dein Herz
mit einer Druckkraft intensiver als Schmerz.

Du willst sie in Taten spenden und empfangen,
sie in allen Augen sehen, als inniges Verlangen.
Woher? Wohin? An wen, was? Wofür?
Dieses umfassende, alles hebende Gespür.

Als wären wir, unruhige Weltenwanderer,
gleichzeitig im Einsatz als Stromwandler
einer liebevollen Kraft von weit weit oben,
die sich verankern will auf irdischem Boden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung