Jemand kommt täglich vorbei Du siehst ihn vielleicht nicht Aber er ist da, seine freiwillige Pflicht, Dein Verschwiegenes hört er als Schrei. Sein Flüstern hörst Du häufig Als inneren Schrei in Deiner Empfindung Und in Deinem Gewissen Beunruhigung Damit Du wach bleibst täglich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Spiritualität
UNSERE GEDANKEN

Meine Gedanken Deine Gedanken treffen sich im Garten der Gedanken vereinigen innig sich werden unzertrennlich während Du und ich in unseren Leben einander nicht kennen oder wahrnehmen. Deine Gedanken Meine Gedanken treffen sich im Garten der Gedanken treiben aneinander vorbei spüren keinerlei Gleichart dabei während Du und ich in unserem Leben zusammen lebend aneinander kleben. Ach!, die Welten die unsere Welten tief trennen! Ach!, die Welten die unsere Welten zusammenklemmen! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WENN SCHNEE EINEN FLUSS BERÜHRT

Wenn Schnee einen Fluss berührt Wie Gedanken zurückgeführt Zum Ausgangsort und -zustand Durch der Natur unsichtbarer Hand, Denke ich darüber nach: Ob Meer oder See oder Bach, Ort des Geschehens bleibt gleich, Weiher, Fluss, Ozean oder Teich, Eisig und hart, flüssig, durchlässig, weich, Es ist alles das magische Wasserreich, Wo alles stets in Bewegung bleibt, Mit und gegen alles fließt und sich reibt, Ständig ankommt, ständig weitertreibt - Ne, Ort des Geschehens bleibt nimmer gleich. Kein Gedanke kehrt unverändert zurück Zum unveränderten Entstehungsheim. Schlimmer oder besser geworden ein Stück Findet sich alles wieder zusammen im Schlussreim. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDULDIG SUCHEN

Ich suche manchmal geduldig über Jahre und Jahrzehnte bewusst und beständig die Antwort auf eine winzige Frage die ich in mir trage. So winzig, Du könntest denken: witzig!, was ist das denn!? Das ist meine Sehnsucht nach Klarheit, meine Bedürfnis nach Wahrheit. Und ich kann warten still, geduldig, auch wenn ich äußerlich herumtreibe, beschäftigt, die Antwort erhaltend langsam in Schritten klein und groß gleichsam. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FERN VON GESTERN

Ein langer Weg trennt mich vom letzten Jahr. Seltsam, es war ja erst gestern - Doch die Nacht, der Schlaf, die tausend Träume zwischen den Mitternachtsglocken und dem Morgenstern waren eine riesengroße weitenumspannende Brücke, ein großer steinerner Bogen, über den ich schritt wie ein Reisender auf der Suche nach Klarheit und Glücke von Gipfel zu Gipfel sich tapfer durchkämpft über Täler und Schluchten und tiefe, weite Klüfte stets die Gegenwart sucht. Gestern war vor tausend Jahren, letztes Jahr ist vergangen. Seelenfenster auf! Ich lüfte! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEMUT
Hast Du dieses Jahr irgendjemandem Deine Wahrheit gesagt? Irgendjemanden nach seiner Wahrheit gefragt? Bald geht das Jahr zu Ende. Was habe ich gelernt? Es ist schwer, das Höchste auszuleben; denn es ist schwerer, daß Du falsch lagst zuzugeben als dran zu halten bis zum Ende. Demut. Ein kleines Wort, ein hoher Berg. Erst auf der anderen Seite dieses Bergs erwartet uns, uns zum Geleite, das Wissen zur wahren Zeitenwende. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE FÜNFTE KERZE
Die erste Kerze war die Ankündigung - Öffne und bereite langsam Deine Empfindung. Die zweite Kerze war die Erinnerung - Es war einmal, uralt, wie die Morgendämmerung. Die dritte Kerze war die Vorbereitung - Licht oder Dunkel, es ist Deine Entscheidung. Die vierte Kerze war die Krönung - Das Kreuz, die Kreisschliessung, die innigste Ahnung. Die fünfte Kerze ist Dein innerer Advent - Die geistige Flamme, die in Deiner Seele brennt. Fünf Kerzen zu Weihnachten Wahre Liebe bei den Andachten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER HERBST LÄSST LOS
Ich verzeih Dir Und gedeih in Dir Gerade deshalb. Verzeihung ist Macht Davon wissen ist Macht Ebendeshalb. Macht es Dich leicht Ist es vielleicht Der Grund weshalb Du im Herbst gedeihst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAS KOMMT DANACH?
Was kommt danach? Wie sieht es aus? Ich habe es vergessen. Sicher gibt es Seen und Matten und Berge und Bäume und Menschen - Aber gibt es Palmen und Zypressen? Wenn ich mich recht erinnere gab es bei Durst Schönheit zum Trinken, und bei Hunger Wahrheit zum Essen. Ich seh einen Hain und eine Bank, vage, unscharf, aber mich dünkt‘s, ich habe dort schon mal gesessen. Ich sehe auch das Gesicht eines Menschen, er sitzt neben mir. Aber wessen Gesicht ist das? Wessen? Ein guter Freund, ich spüre es. Von vor langer langer Zeit. So lange her, ich kann es mit Verstand nicht messen. Nur seelisch spüren. Ein Ort der Güte, wo die Geister sich gegenseitig nur Gutes aufs Gemüt pressen. Was kommt mir nach der Erde, nach Nigeria und Deutschland, nach Biafra und Lagos und Hessen? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE NACHT IST MEINE
Die Nacht ist meine Freundin Sie trennt sich von mir jeden Morgen versöhnt sich mit mir wieder jeden Abend schenkt philosophische Ohren meinen Sorgen. Wie eine Wand, undurchdringlich schiebt sie sie zwischen mich und gestern macht mich bereit für die Zukunft täglich als wären sie und meine Seele Schwestern. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
