Eine Blume hielt sich zurück
Verbarg ihren Schmerz, verbarg ihr Glück
Bildete mit Liebe und Gerechtigkeit eine Einheit
Zog uns an und hielt uns fern mit ihrer Reinheit.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 
Eine Blume hielt sich zurück
Verbarg ihren Schmerz, verbarg ihr Glück
Bildete mit Liebe und Gerechtigkeit eine Einheit
Zog uns an und hielt uns fern mit ihrer Reinheit.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 
Alles ist poetisch
wenn Du genau hinhörst
nach Innen gehst
leise wirst und nicht störst
im Widerhallhall der Götterstimmen
denen Du gehörst
wo Du nachsagend Freude singst
Schmerz trinkst, Treue schwörst
und zu Deinem Ich wirst –
Da wo sich im Dunkel und im Licht
alle Deine tiefsten Entscheidungen keimen.
Wenn Du dadrinnen bist
wirst Du leise sehen
daß der Zufall nichts macht
überhaupt aus Versehen
Die Spinnweben des Schicksals
erfassen jedes Vergehen
und die guten Absichten, die
manchmal auch dahinter stehen
und weben Dir im Handumdrehen
alles geschickt zu Deinem Lebensgedicht –
denn es wird sich zum Schluß alles reimen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Ich stand in dieser großen Halle
teils Tempel, teils Saal und teils Höhle
wie eine riesengroße Glocke
doch es war meine leere Seele.
Und mein Herz und meine Hände
schlugen hart gegen die Innenwände –
Schaukle zart, liebliche Glocke
über Geist und Wesen, über Täler und Berge.
Auf daß die Seele sich füllen möge.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Wenn kurz der Regen ist
durstet in Dir die Blume
nach der äußeren Blume
denn die äußere Blume
ist der inneren Regen
Dann starrst Du aus dem Fenster
auf Deinen Garten und ahnst nicht,
wie hinter einem unsichtbaren Fenster
ein Fremder steht und schaut
auf den Garten Deiner Seele
Menschenblume,
nicht den Regen brauchst Du
sondern eine geistige Anregung
zum Wachsen, zum Aufblühen –
doch wahr nimmst Du sie nicht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
die Igbo nannten ihn Amadioha
die Yoruba nannten ihn Shango
die Normannen nannten ihn Thor
alle, unabhängig von einander
erblickten ihn den Donner schaffend
jahrtausendelang hoch im Himmel…
die Christen kamen und sagten
ihn gab es nicht und niemals
ihn kann und hat es nie gegeben…
alle, die ihn im Blitzlicht des Donners sahen,
sahen definitiv Illusionen – oder lügten
oder beteten falsche Götter an
alle, unabhängig von einander,
über unüberwindbare Distanzen,
ja, und jahrtausendelang. Donnerwetter.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Stell Dir vor?
Du kämest zu mir
in Liebe mit Liebe aus Liebe
brachte mir die Liebe bei.
Liebe Licht und Leben.
Im Gegenzug:
Ich schlage Dich mit Nägeln
auf einen Holzbalken
bringe Dich grausam um.
Liebe Licht und Leben.
Stell es Dir nur vor
sage mir:
Wäre dadurch Deine Mission
erfolgreich gewesen oder nicht?
Liebe Licht und Leben.
Es kommt noch besser.
Morgen erzähle ich rum, insgeheim
wolltest Du nur umgebracht werden –
Stell es Dir nur vor.
Liebe Licht und Leben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Das Ostern naht
Heldentum und Verrat
Manche sterben
und werden nie wieder leben
Manche leben
und werden nie wieder sterben
Aufgeht des Ostern Saat.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Düstere Gestalten laufen langsam auf dem Gehweg –
Sind das unsere Empfindungen unterwegs wohin?
Ich möchte sie aufhalten; sie flüstern: Geh weg!
wir haben unser Eigenleben nun – nach unserem Sinn.
Lichte Gestalten schweben leise durch die Nachbarschaft –
Sind das unsere Empfindungen unterwegs wohin?
Sie vertreiben die düsteren. Jeder Nachbar schafft
ein Teil der allgemeinen Stimmung – ganz nach seinem Sinn.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Die Einsamkeit wird Selbstgespräche
in Dir führen,
wie die verlassenen Straßen da draußen,
die Füße kaum noch berühren,
in der Korona dieser merkwürdigen und
kalten Frühlingssonne frieren,
ungewärmt von leeren Büros, die alles
beobachten und alles ignorieren…
Wo ist der Mensch?
Was ist aus ihm geworden?
Die Einsamkeit wird Selbstgespräche
in Dir führen,
wird ihren eigenen Weg in Dir gehen
durch längst vergessene Türen,
wird Dich an Erinnerungen erinnern,
die schmerzen und berühren,
wird Sorgen und Hoffnungen und Ängste
in Dir schüren…
Bin ich der Mensch?
Was ist aus mir geworden?
Die Einsamkeit wird Selbstgespräche
in Dir führen…
Du musst leise werden und schweigen
und genauer hinhören,
denn irgendwann geht der Lärm wieder
los und wird Dich wieder verführen –
Drum nutze dieses Erlebnis voll und
lasse Dich nicht stören.
Denn Du bist der Mensch
und wirst morgen neu aus Dir werden.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Und auch das Leben hat
aus uns Dichtung gemacht
aus jedem von uns ein Gedicht
in sich verdichtet
nach Innen gerichtet
dazu verpflichtet
in der Unsichtbarkeit
in der Unerreichbarkeit
der Menschheit zu dienen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung