BITTE WENDEN

Das alte macht dem neuen Platz
Und wird selbst zum ewigen Schatz
Im Gedächtnis genannten Grab

Der Schmerz, den ich gestern vergab
Ist der Frieden, den ich heute hab –
Schreib auf meinem Grab nur diesen Satz.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MIT DIR EWIG LEBEN

Warum kann das Leben nicht ewig sein?
Das Leben muss ewig sein.
Das Leben ist ewig.
Wenn nicht auf Erden
Denn irgendwo sonst
Und dort will ich Dich treffen
Nach dem wir hier auf Erden fertig sind
Und anderweitig weiter suchen dürfen
Denn ich will mit Dir ewig leben, Ayabona.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FREMDENLIEBE

Neue Worte, nachgeschlagen,
ergeben alten Sinn.
Fremdwörter, die nichts sagen
mit Fremdem drin.
Ein Teil von mir wohnt in Dir
Ein Teil von Dir wohnt in mir
Gebunden durch Sehnsucht sind wir.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE REINE LILIE

Eine Blume hielt sich zurück
Verbarg ihren Schmerz, verbarg ihr Glück
Bildete mit Liebe und Gerechtigkeit eine Einheit
Zog uns an und hielt uns fern mit ihrer Reinheit.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 1FCB8E90-2E54-4E57-AD21-11C3A6449947

ALLES IST POETISCH

Alles ist poetisch
wenn Du genau hinhörst
nach Innen gehst
leise wirst und nicht störst
im Widerhallhall der Götterstimmen
denen Du gehörst
wo Du nachsagend Freude singst
Schmerz trinkst, Treue schwörst
und zu Deinem Ich wirst –
Da wo sich im Dunkel und im Licht
alle Deine tiefsten Entscheidungen keimen.

Wenn Du dadrinnen bist
wirst Du leise sehen
daß der Zufall nichts macht
überhaupt aus Versehen
Die Spinnweben des Schicksals
erfassen jedes Vergehen
und die guten Absichten, die
manchmal auch dahinter stehen
und weben Dir im Handumdrehen
alles geschickt zu Deinem Lebensgedicht –
denn es wird sich zum Schluß alles reimen.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERZSCHLAG

Ich stand in dieser großen Halle
teils Tempel, teils Saal und teils Höhle
wie eine riesengroße Glocke
doch es war meine leere Seele.

Und mein Herz und meine Hände
schlugen hart gegen die Innenwände –
Schaukle zart, liebliche Glocke
über Geist und Wesen, über Täler und Berge.

Auf daß die Seele sich füllen möge.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ANREGUNG

Wenn kurz der Regen ist
durstet in Dir die Blume
nach der äußeren Blume
denn die äußere Blume
ist der inneren Regen

Dann starrst Du aus dem Fenster
auf Deinen Garten und ahnst nicht,
wie hinter einem unsichtbaren Fenster
ein Fremder steht und schaut
auf den Garten Deiner Seele

Menschenblume,
nicht den Regen brauchst Du
sondern eine geistige Anregung
zum Wachsen, zum Aufblühen –
doch wahr nimmst Du sie nicht.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DONNERWETTER

die Igbo nannten ihn Amadioha
die Yoruba nannten ihn Shango
die Normannen nannten ihn Thor

alle, unabhängig von einander
erblickten ihn den Donner schaffend
jahrtausendelang hoch im Himmel…

die Christen kamen und sagten
ihn gab es nicht und niemals
ihn kann und hat es nie gegeben…

alle, die ihn im Blitzlicht des Donners sahen,
sahen definitiv Illusionen – oder lügten
oder beteten falsche Götter an

alle, unabhängig von einander,
über unüberwindbare Distanzen,
ja, und jahrtausendelang. Donnerwetter.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS PERFEKTE VERBRECHEN

Stell Dir vor?
Du kämest zu mir
in Liebe mit Liebe aus Liebe
brachte mir die Liebe bei.
Liebe Licht und Leben.

Im Gegenzug:
Ich schlage Dich mit Nägeln
auf einen Holzbalken
bringe Dich grausam um.
Liebe Licht und Leben.

Stell es Dir nur vor
sage mir:
Wäre dadurch Deine Mission
erfolgreich gewesen oder nicht?
Liebe Licht und Leben.

Es kommt noch besser.
Morgen erzähle ich rum, insgeheim
wolltest Du nur umgebracht werden –
Stell es Dir nur vor.
Liebe Licht und Leben.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WENN DU GLAUBST

Das Ostern naht
Heldentum und Verrat
Manche sterben
und werden nie wieder leben
Manche leben
und werden nie wieder sterben
Aufgeht des Ostern Saat.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung