NACHEMPFINDEN AM SONNTAG

Wer zu viel von sich selbst hält,
hat zu Gott stets das falsche Verhältnis;
Wer sind alle klein -
sich vergrößern ist sich noch mehr verkleinern.
Im langen Zeitalter der Herrschsucht,
sucht die Eitelkeit machtlustig zu herrschen;
sucht, den Drang, sich zu beherrschen,
zu unterdrücken,
macht gierig auf Sieg und Krieg,
Sieg ohne Frieden, ohne Zufriedenheit.
Nur Frieden ist Sieg -
Die Waffe ist die menschliche Friedfertigkeit.
Dazu ist die gestohlene Macht machtlos.
Denn wer Macht braucht,
missbraucht Macht auch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIE LEBENDIG IST DAS LEBENDIGE IN DIR?

Du wirst anders sein als die Deinigen
Du wirst Deine Gleichart bei den Meinigen finden
Diese Beschreibung passt zu Einigen
Aber finden sie den Mut, sich derart zu verbinden?

Wie lebendig ist das Lebendige in Dir?
Auf irgendeiner Ebene wirst Du Gleichart finden:
Interessen, Geschichte, Geschlecht, Rasse, Kultur?
Oder eher im ähnlichen geistigen Empfinden?

Wie lang kannst Du tot sein
bis Du den Atem nicht mehr anhalten kannst?
Atme wieder, aus ein aus ein,
bis Du Deine Amnesie endlich verbannst!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHÖNE DINGE

Die kleinen schönen Dinge
Vorbei flatternde Schmetterlinge
Kunstvolle Brücken über winzige Täler
Märchenerzählerinnen und -erzähler
Morgendämmerung in einer neuen Stadt
Musizierende erwischen auf frischer Tat
Fremde Menschen lesen
Unsichtbare märchenhafte Naturwesen
Gedanken, die uns mit Höherem verbinden,
die kurz kommen und schnell verschwinden
Das Empfinden von Zuhause-sein
im geteilten Blick mit Deinem Schatzilein
Aber das Beste von allem ist
das Ahnen, daß Gott ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLAMMEN

Werden wir zu Flammen
Halten wir zusammen
Erhellen wir wie mit Kerzen
Die Welt mit Menschenherzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

SELBST VERANTWORTLICH

Manche sind zum Hassen geboren.
Gegen sie hast Du von vornherein verloren,
bist Du zum Lieben auserkoren.

Es gibt ein Licht, das aber höher ist,
das höher als Hass, Politik und Waffen ist;
eins, das Gottes, das des Grales ist.

In mitten der gegenwärtigen Verwirrung
vergessen wir oft unsre wahre Bestimmung:
geistige Entwicklung, geistige Wirkung.

Lass Dich zum Gruppenhass nie mitreißen
gegen die „Schwarzen“ oder die „Weißen“
oder wie die Sammelworte alle heißen.

Was Du in der Gruppe tust, belastet Dich.
Aber wenn es gut ist, zählt es nur für Dich.
Du bist für Deine Ewigkeit verantwortlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAUSEND TAGE

Mach aus jedem Tag
hundert, tausend Tage,
Neue Dinge, wag!
Inneres - hinaus… trage.
Deine Schicksalsfäden
sind mehr als Du weißt.
Befreie Dich von trägen
Gefühlen. Du bist Geist!
Die große Erde ist dicht,
ist langsam, ist klein;
Folgst Du dem Licht,
musst Du schneller sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MIT DER MORGENDÄMMERUNG

Ich treffe Dich unterwegs
wie Sehnsucht und die Stunde
vor der Morgendämmerung,
in dieser einen kurzen Sekunde.

Verpassen wir diesen Moment,
verpassen wir uns für immer -
Nicht mal der Tod, nein, nicht
mal der Tod wäre schlimmer.

Hörst Du es laut und leise?
Es zu hören ist des Lebens Kunst.
Hörst Du es klar und deutlich?
Die innere Stimme spricht in uns.

Und Deine Stimme ist mir vertraut
Ich rufe Dich aus dem Schlafe heraus
Wir ergreifen die Morgendämmerung
und laufen zusammen nach Haus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FERTIGSTELLUNG UNSERER GEDANKEN

Mehrere unfertige Gedanken kamen heute,
scharen sich seit Stunden eng um mich
wie fremd duftende, dürftige, durstige Leute,
erzählen aber erstmal recht wenig über sich.

Ich könnte sie ablehnen und zurückweisen,
doch heiße ich sie vortreten und prüfe sie,
dann lasse ich sie an meinem Innern speisen,
sie futternd, ergänzend, damit ich sie groß zieh.

Dann geschieht plötzlich das Wunderbare:
Gestaltwandler, sie nehmen neue Formen an:
Der Tiefe, der Hohe, der Kluge, der Sonderbare:
Inhaltswandler, sie führen mich an Neues heran.

An neue Denkungsweisen und neue Fragen,
an neue Zusammenhänge und Erkenntnisse,
die alle dennoch eine alte Weisheit in sich tragen:
Zusammenschluss erzielt die besten Ergebnisse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IDEENKRÄHEN

Ich flog durch die Nacht wie ein Vogel,
den ich nicht erkannte. Ich flog und sah mich
fliegend, als wäre ich außerhalb von mir,
inmitten von anderen seltsamen Vögeln,
nur waren sie mir vertraut und heimlich.
Wir blickten uns prüfend in die Augen
gegenseitig, erkannten in einander Gleichart
und flogen weiter zusammen durch die Nacht,
wie Gedanken der Nacht, unterwegs zu Dir.

Du schläfst noch, als wir Dich finden.
Nur unbewusst in Deinem Empfinden
nimmst Du uns wahr, entgegen und auf,
Du, das nächste Ziel in unserem Kreislauf.
Von Generation zu Generation, wir sind hier,
Zivilisation zu Zivilisation geflohen sind wir,
um mit ihren Sonnen nicht runterzugehen.
Irgendwann werden wir das Morgenland sehen,
das erhellt wird durch uns, lichtstrebende Ideen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG

Gewinnen ist verlieren.
Wieviel musste ich gewinnen,
um zu begreifen, wieviel ich dabei verloren habe?

Verlieren ist gewinnen.
Wieviel musste ich verlieren,
um zu sehen, wieviel ich dadurch gewonnen habe?

Ich bin umgeben von Menschen,
die gegen mich und gegen alle gewinnen wollen.
Für diesen Sieg werden sie, wie einst ich,
alles geben und verlieren, was sie hüten sollen.

Erst darnach, zu spät, werden sie verstehen,
daß es doch nicht so schlimm ist, zu verlieren,
um dabei richtig zu stehen, aufrecht zu gehen
den Tugenden nach, die nach Oben führen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung