EIN NEUER BUND

Ein neuer Bund
Basiert nicht auf Blut oder Boden
Sondern auf geistigem Grund -
Nur das allein führt nach Oben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACH DEM STURM

Immer
Nach dem der Sturm gewütet hat
Immer
Nach dem der Sturm sich gelegt hat
Immer
Ist es darnach so
Als wäre überhaupt nichts passiert
Immer
Ist es darnach so
seltsam still… sterilisiert… saniert.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIEDERHOLUNGEN

Um vieles zu verstehen
muss man verstehen
daß Menschen gehen
und kommen und gehen.

Wenn wir uns sehen
ist es ein Wiedersehen
Die Runden, die wir drehen,
sollen wir lösend umdrehen.

Wir wiederholen alte Ehen
und Kriege wo wir stehen
Neue Stimmen flehen
wo alte Winde noch wehen.

Die Zeit heilt keine Wunden
Das machen nur Menschen -
Rückkehr in den jetzigen Stunden
sich zu lieben oder zu bekämpfen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AN DAS WEIBLICHE

Wäre Ahnung eine Person,
dann wäre sie ein Weib.
Wäre Tiefe ein Körper,
bestimmt ein weiblicher Leib.
Würde Heim, würde Heimat
Form nehmen genau,
dann stünde vor unseren Augen
eine warme und tiefe Frau.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TIEFE UND SPASS

Wenn der Tag vorüber ist,
fängt die Nacht an, nicht davor -
Wenn die Nacht vorbei ist,
fängt der Tag an, nicht zuvor -

Genieß Deine Freude in vollem Maß -
Verinnerliche Deine Traurigkeit ganz -
Die eine, Tiefe; der andere, Spaß -
Das Leben ist ein Tanz mit Substanz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HELL ABER SCHNELL

Wenn Du wüsstest
wie viele Leben Du in diesem einem Leben lebst…
Wenn Du wüsstest
an wie vielen Webstühlen Du gleichzeitig webst…
Wenn Du wüsstest
an wie vielen unvollendeten Geschichten Du klebst…

Wäre Dir jeder Tag, jede Minute, jeder Moment
wie eine helle Kerze, die schnell niederbrennt.
Glücklich ist, wer die Ernst der Lage erkennt
und erfüllt in seinem jeden Element
oder Talent
bevor der Tod ihn von der Erde trennt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHTFLÜGE

Tags fliege ich dahin
wovon ich nachts nur träumen kann
Nachts fliege ich dorthin
wovon ich Tags nur träumen könnte
könnte ich mir bewusst irgendetwas gönnen
woran ich tagsüber aber mich nicht erinnern kann
denn nachts fliege ich Heim.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GIESSET DIE BLUMEN

Alle diese Gedanken,
die wir denken, in die Welt setzen,
was geschieht mit ihnen?
Die die ätzen, vernichten, verletzen.

Wir kommen und gehen
aber unsere Gedanken bleiben
wie unsichtbare Wolken
die verdichtend nicht weiter treiben.

Gedanken der Habsucht,
der Ichsucht und der Selbstsucht,
Gedanken der Eigensucht
und weniger der Lichtsehnsucht.

Ab und zu in der Wüste
hier und da ersprießt unerklärlich
eine einsame tapfere Blume.
Halte durch, Du bist unentbehrlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DU BIST NICHT VON HIER

Egal wie oft Du kommst,
gehen wirst Du wieder -
Der Geist kommt von Oben
und steigt hernieder

Du bist nicht von hier.
Nichts, was die Erde
an Freude oder Schmerz
an Lob oder an Beschwerde

kann Dich befriedigen.
Sie werden Dich kurz fassen
dann Deinen Körper beerdigen
und Deinen Geist entlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GANG

Ein Gang
besteht meist
Aus Gang
und Geist.

Ich gehe meinen Weg
Ich trage stolz mein Gepäck
Ich kenne meinen Zweck.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung