Als ich es machte,
war es kein Fehler –
Als ich es überdachte,
war es ein Fehler –
Jetzt wo ich älter wär,
und es aus der Ferne betrachte,
ist es kein Fehler mehr.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Als ich es machte,
war es kein Fehler –
Als ich es überdachte,
war es ein Fehler –
Jetzt wo ich älter wär,
und es aus der Ferne betrachte,
ist es kein Fehler mehr.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Bahnwahnsinn
Heftiges Unwetter
rüttelt alle Reisepläne,
macht alle Reisende zu Obdachlosen.
Die Natur beruhigt sich
Die Reise geht weiter
Die Reisenden kehren zurück nach Hause
Die Obdachlosen bleiben
Die Frage nach dem Lebenssinn.
Heftige Schicksalsschläge
schütteln alle Lebenspläne,
machen manche Mitmenschen zu Obdachlosen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Pronomen
Normen in denen wir wohnen
wie in Gasthäusern
anonym.
Reisende
Suchende
Verlorene
– vertreten durch tausend Pronomen
Ideenreisende
Identitätssuchende
Jeder sucht auf seiner Art und Weise
nach dem Namen seines Geistes.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Der Tag ist so groß,
zeiträumig so groß
Ich verliere mich ständig unterwegs
von Morgen bis Abend
Und weiß am Ende des Tages nicht mehr
wer ich am Anfang war –
Der Tag verändert den Tagträumer
Läßt unverändert den Tagversäumer
Morgenstund hatte viel im Munde
Jede weitere Stunde war mal Wunde,
mal große große Empfindungsrunde,
mal Freude,
beinhaltete immer Bewegung im Grunde.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Einen Wegen zu gehen,
nur um zu sehen,
daß es es nicht wert war,
den Weg zu gehen… –
War es wert?
Was nun mit diesem Wissen?
Auf Deinem Gewissen sitzen
reicht nicht – es war nur Wert, wenn
Du nochmal leben darfst. – –
Ich möchte wieder leben
mit diesem weise gewordenen Herz.
Ich würde so viel anders machen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Der Tag stirbt in Stufen
In Schichten entkleidet sich der Abend
Etappenweise fällt nach und nach die Masken ab,
mit denen wir uns ablenken
vor unserer nackten Wahrheiten
Und bis die verschiedenen Phasen des Abends
wie geistige Besucher eingeschlichen und
wieder weggezogen sind, und die Nacht
wie ein Dieb eingebrochen ist,
erkennen wir den Tag nicht mehr.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ihr lächelt uns an
jetzt schon
aus Bildern einer verschollenen Zeit…
mit Gesichtern, die Ihr nicht mehr tragt –
Wie wird es sein,
wenn wir nicht mehr da sind
und Ihr diese Fotos Euch anschaut
und Euch an den Moment
nicht mehr erinnern könnt,
an dem Eure Eltern diese Fotos machten?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Eigentlich wollte er Flugzeuge fliegen
stramm verpackt im geflügelten Anzug
gegen die Schwerkraft null wiegen
Doch er sitzt am Main heute
spielt Gitarre, die Leute bleiben stehen
schenken ihm Münzen und Freude
Eigentlich wollte ich in den Wald gehen
ein Baum unter Brüderbäumen
die mir lauschen und mich verstehen
Doch meine Beine lenkten mich zum Fluss
und ich stand mit den anderen Zuhörern
und schwelgte im Genuss.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich kämpfe für eine Welt
die ich mir noch nicht vorstellen kann;
und alles, was ich als Vorlage habe,
ist eine Empfindung,
die mein Verstand nicht deuten kann.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Eine Landschaft, die darauf wartet
erkundigt zu werden – beeile Dich
sie ist flüchtiger als die Liebe
temporärer als eine Morgenempfindung
vergänglicher als die Chance selbst.
Begreifst Du das,
hast Du Dein Leben begriffen:
episodenhaft, ephemer, endlich.
Beschreite zügig Deinen Lebensweg –
flugs hat er sich wieder… aufgelöst.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
