KLAVIERTÖNE

Haben wir uns gegenseitig verletzt?
Oder gegenseitig geheilt?
Gegenseitig entsetzt? Dann ersetzt?
Gegenseitig Wahres geteilt.
Die Unterschiede lassen sich nicht mehr
Voneinander unterscheiden
Die Ähnlichkeiten werden immer mehr
Nur noch zum dadrunter Leiden.
Die Musik spielt, nachdenklich,
Rührende Klaviertöne kaum hörbar -
Die Gefühle, tief, bedenklich,
schwer zu begreifen, aber sehr spürbar.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WENN DU DEN WEG NICHT SIEHST

Wenn Du den Weg nicht siehst,
nicht kennst, nicht spürst,
bleib stehen und lebe, erlebe, den Ort.

Dein Geist ist tiefer als Dein Verstand,
schöpfe, schöpfe, schöpfe,
zieh kräftig aus Deinem innersten Hort.

Gib nie auf. Die Nacht ist endlich.
Der See hat einen Boden.
Das Licht hat das erste und das letzte Wort.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KLEINER

Und die Welt wurde kleiner und immer kleiner
Bald gab es nur noch da Deiner und hier meiner
Dein Bereich, mein Bereich, und ihrer und seiner
Der Einzelne wurde alleiner und immer alleiner
Je enger verbunden wir wurden desto gemeiner
Je äußerlich feiner desto innerlich unreiner
Und wer sucht die Schuld dafür bei sich? Keiner.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN DEUTSCHLAND

🇩🇪Eine Leinwand
Eine werktätige Hand
Ein buntes Land
Ein geistiges Band
Ein menschlicher Rand
Ein Mittelstand
Ein Zukunftspfand
Ein Herzbrand
Ein Deutschland.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALT UND NEU

Wir entdecken uns neu
finden die selben alten Persönlichkeiten
in neuen Farben und Befindlichkeiten
und bleiben uns dennoch treu.

Wir sind deutsch wie früher
und deutsch wie noch nie vorher.
Entschlossener. Wissender. Treuer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SPÄTLING DER VERINNERLICHUNG

Von manchen Reisen kehrt man nie zurück.
Es kommt jemand zurück, doch nicht der, der ging.
In Deinen Augen Trauer, Wunder oder Glück,
denn die Blätter sind gefallen. Es ist der Spätling.
Er ist herb, herber, Herbst.
Er entblößt, er macht kalt, er schmerzt.
Er befreit vom Gewicht der Masken und Erinnerung -
Tiefer als Erinnerung ist die Verinnerlichung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITERLEBEN

Anstatt zu sterben, wie erwartet,
lebte ich weiter…
Ein Vogel ziehend im Sonnenuntergang
Eine Glocke mit noch einem Nachklang
Ein einsamer Kletterer am Berghang
Ein Schwan ohne Sterbegesang
Anstatt zu sterben wie erwartet,
lebte ich weiter…

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER!

Wir sind Geist
Wir gehen immer weiter
Wir schütteln Altes ab
Wir gehen immer weiter
Ob jung oder ergreist
Egal, wir gehen weiter
Ob vor oder nach dem Grab
Einfach weiter, ständig weiter!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERBST UND VERÄNDERUNG

Irgendwann gibst Du auf
und lässt den Herbst herein;
Altern gehört zum Lebenslauf,
Reifen zum erfüllten Sein.

Die Blätter lassen die Farben los,
eine nach der anderen;
Die Bäume lassen die Blätter los,
die faden und die bunteren.

Die Menschen lassen die Menschen los,
um ihre Wege weiter zu gehen;
Die Menschen lassen die Menschen los
bis auf Wiedersehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ES HERBSTET

Es herbstet
als erstes
immer im Herzen

Die Empfindung färbt
die Gefühlswälder
durch Gedanken ernst
und reif und herb

Das Herz blättert
durch und weiter, fährt
hinein ins Gedächtnis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung