Schmerz. Der Herbst ist nicht tief genug. Aber ein anderes Krankenhaus haben wir nicht außer den bunt werdenden Bäumen im Zug des reifer Werdens des Jahres als Gedicht. Ein Schmerzlindernbaum ist ein Herbstbaum, jedes Blatt ein Herzblatt aus Nebel und fadem Licht. Geister flüstern wie Wälder in meinem Traum und irgendwo dadrin, Gedächtnis, Dein Gesicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
der Veränderung
LIEBE UND EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT
Aus Liebe wird eine besondere Freundschaft wenn die Liebe echt war und fertig ist, weil Liebe niemals fertig ist - sie ändert sich und wird zu dieser Freundschaft. Liebe, die zu jener Freundschaft nicht werden kann, war entweder niemals wahre Liebe oder ist noch nicht fertig; weil wahre Liebe, unfertig, zu dieser Freundschaft noch nicht werden kann. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DIE LANGE REISE ZUM ANFANG
Es ist eine lange Reise Die innere Stimme ist leise Aber ihr Widerhall ist laut Er kommt mit den Jahren in Lehren, die wir erfahren und geht uns unter die Haut Die Haut wird alt, ergraut Die leise Stimme wird laut Vom Leben bestätigt mit der Zeit Und am Ende der Reise ruhig geworden und weise bist Du endlich für den Anfang bereit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
HERBSTNARBEN
Wenn der Herbst kommt komme ich an Werden die Blätter bunt zeige ich meine wahren Farben Werden die Bäume nackt seht Ihr meine schönen Narben Vertrauen habe ich verlernt In Deutschland irgendwann. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
LANG VERLOREN
Ich war lang verloren und wusste es nicht denn verloren sein gehört zum Weg ins Licht. Ich war lang verloren und merkte es irgendwann denn verloren sein fühlt sich wie verloren sein an. Ich habe mich nun gefunden und liebe jetzt um so mehr den Verlorenen, der ich einst war, denn er führte mich zu mir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NACH DEM STURM
Immer Nach dem der Sturm gewütet hat Immer Nach dem der Sturm sich gelegt hat Immer Ist es darnach so Als wäre überhaupt nichts passiert Immer Ist es darnach so seltsam still… sterilisiert… saniert. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WIEDERHOLUNGEN
Um vieles zu verstehen muss man verstehen daß Menschen gehen und kommen und gehen. Wenn wir uns sehen ist es ein Wiedersehen Die Runden, die wir drehen, sollen wir lösend umdrehen. Wir wiederholen alte Ehen und Kriege wo wir stehen Neue Stimmen flehen wo alte Winde noch wehen. Die Zeit heilt keine Wunden Das machen nur Menschen - Rückkehr in den jetzigen Stunden sich zu lieben oder zu bekämpfen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ALT WERDEN UND JUNG BLEIBEN
Mein Kopf ist müde und möchte schlafen Mein Geist ist unruhig und möchte aufwachen Mein Kopf will sich einfach nicht mehr aufraffen Mein Geist will rennen erleben, leiden und lachen Mein Körper wird täglich langsamer Mein Geist wird täglich schneller Mein Augenlicht schwindet Meinem Geiste wird alles heller Alt werden ist das Tor zum jung bleiben - Danach ist Davor… schwer mit Worten zu beschreiben. Die Gegenwart will die Ewigkeit einverleiben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ABRUTSCHEN
Hatte jeder obdachlose Mensch früher mal ein Dach über dem Kopf? Ging in den Kindergarten, zur Schule, kannte Familie, Wärme, Mamas Topf? Spielte mit anderen Kindern sorgenfrei, träumte vom tollen Erwachsenenleben? Stellte sich dann stolz und zuversichtlich deren Herausforderungen und Streben? Was, wann, wo, warum lief es schief? Mein bester Freund, Deine Schwester gar. Ein Vater, Nachbarn, die alte Klassenlehrerin. Eine tiefe Bindung macht aus uns allen eine Schar. Dieses Verbindende ist unsere Vulnerabilität - Sie verpflichtet uns zur wachen Mitmenschlichkeit, Denn keiner ist ganz sicher vor dem Abrutschen über den Rand und in die Obdachlosigkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EIN ENDE NAHT
Es ist jedes Jahr lustig zu beobachten wie tückisch der Sommer unter dem Anschein noch eine Weile da zu sein sich langsam zurück zieht der Tag täglich früher flieht die nachdenkliche Kühle beginnt sich zu melden, das Herz besinnt sich häufiger seine Sterblichkeit und ahnt seiner Unsterblichkeit. Noch ein bisschen Sommer und Spaß bald kommt Herbst, Reife und Gravitas zuerst bunt, dann nackt und blass. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
