Euer Lärm ist Schweigen Eure Stimmen sind Geigen Ihr seid meines Herzens Diebe weil ich Euch, meine Kinder, liebe. Diese Momentaufnahmen können zukünftige nicht nachahmen Durch Eure Geburt aneinander gehängt werden unsere Wege einst wieder getrennt Aber die Empfindungen bleiben Die Briefe, die wir gegenseitig schreiben in unseren Herzen liebevoll unsichtbar, unvergesslich und niemals vernichtbar. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Verbundenheit
HEUTE SCHREITET NOCH EINE WEILE
Ich sehe Euch wie Ihr schnell die Sonne sucht, nach dem Morgen seht, nach der Dämmerung sehnt Gerne würde ich die Arme nach Euch strecken und rufen Halt! - denn Heute schreitet noch eine Weile im Kreise um Euch mit ausgebreiteten Schätzen herum… Doch keine Rufe sind so hell wie die Sonne, keine Arme so stark wie der Morgen. Sie reichen nur zum Auf Wiedersehen Sagen und aus der Ferne Auf Wiedersehen Winken. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZU DIR
Ich bin unterwegs Die Reise liegt mir schwer auf den Schienen träge, stockend und zäh. Links und rechts jenseits des Tunnels her erscheinen plötzlich die grünen Grenzen der Realität näher als erwartet doch stets unerreichbar. Geduldiger als je zuvor sehnen sich meine Gedanken nach Dir. Ich bin unterwegs zu Dir von irgendwoher in mir um Dir zu dienen aber auch zu beschäftigen schwer. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KEINER IST VOLLKOMMEN
Keiner ist vollkommen - Die, die Dir am nächsten sind, werden es Dir belegen. Weil sie Dir am nächsten sind. Suchst Du die Frommen, suche nicht unter Deinen Freunden. Nur die neben Dir einst gelegen, können Dich verleumden. Aber angenommen Du verzeihst nicht, wenn sie bitten, wirst Du den erhofften Segen auch draußen nicht finden bei Dritten. Denn keiner ist vollkommen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HAUTNAH
Ich spüre Euch so nah und dennoch so weit Eure Haut, so nah, trennt uns Euer Geist, so fern, kennt und erkennt die Gleichheit, die unerklärliche Gleichart, in uns - so weit und doch so nah. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER NEUE ANFANG
Als aus alten Ländern die neuen kamen mit alten Zügen und neuen Namen fragten sich manche, in Gruppen und allein, was bedeutet es, deutsch zu sein? Andere fragten sich, was haben wir gemein?, was bedeutet es, Mensch zu sein? Wir standen wieder an einem Anfang einer neuen Gleichart, die uns zwang, zusammen zu ziehen an einem Strang. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MOND
Eine Wölfin - Warum streift sie allein durch den Wald? Weiß sie nicht, ich komme bald? Hörst Du sie heulen, redend mit sich Tröste sie nicht, das mache ich Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich. Die Wölfin in Deinem Wald Sie heult für mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MENSCHELN ÜBERALL
Wo auf Erden hast Du noch nie die Menschheit getroffen? Nirgendwo. Wir menscheln überall, träumen, zweifeln und hoffen, lieben, hassen, lachen, neiden und lassen, und treffen reinkarniert immer wieder mal Dinge, die wir längst vergaßen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UMRISSE
Als wärest Du aus dem Feinstoff der Schöpfung Erinnerung herausgerissen, schiesst Du - zersplittert - schroff - über die Leinwand in meinem Gewissen, und ich hoff, ich hoff, ich hoff!: Ich ersticke nicht beim Dich Vermissen, Du meine Luft, Du mein Sauerstoff! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUSAMMEN GETRENNT
Die ganze Welt ist verrückt geworden, Menschen trennen sich in Gruppen, in Horden, und hassen, fürchten, töten sinnlos sich - erbarmungslos, leidenschaftlich - gegenseitig, ohne sich mehr als oberflächlich zu kennen oder die makabre Gleichheit zu erkennen, mit der wir nun alle einheitlich brennen und zusammen unglücklich verbrennen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
