HERKUNFT IST KEIN HEMD

Wie nah ist zu nah?
Wie fremd ist zu fremd?
Wir sind hier, aber sind wir da?
Herkunft ist kein Hemd
das an- und ausgezogen wird,
wenn um- und eingezogen wird,
und zusammen weitergezogen wird
als heutige Gesellschaft deutscher Nation.

Jedem Anfang wohnt ein Schmerz inne,
Neugeburt und Zauber sind seine Gewinne.
Dich des Wesentlichen - Einheit - bitte besinne.
Viele Herkünfte, eine Zukunft.
Gedankenaustausch ergibt Vernunft.
Auch Streitgespräche sind Gespräche
Streit als Bindungsmittel ist nicht immer Schwäche
Denn Stärke ist das Herz unserer Nation.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE ALS RATTENFÄNGER

Ich habe von Menschen gehört, die ahnen,
daß es nicht funktionieren wird, dennoch
gehen sie wie getrieben der Liebe Bahnen
entlang, hoffend es wird funktionieren doch -
und verenden gefangen in einem Loch.
Was ist diese Macht, die uns dazu zwingt
zu tanzen, obwohl die Liebe nicht singt
und nur die Musik des Rattenfängers klingt?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZWEI SEITEN

Mein Herz ist neuerdings eine Blume geworden
Mit Wurzeln im Süden und Blüten im Norden
Mein Herz ist neuerdings ein Lied geworden
Eine Harmonie aus grundverschiedenen Akkorden
Mein Herz ist neuerdings vollständig geworden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZART UND HART

Ein Teil von mir ist Wasser
ein Teil von mir ist Wein
Wird‘s tiefer, werde ich nasser,
fließe durch Dich in uns hinein.

Ein Teil von mir trägt Schwerter
der innerster birgt einen Stein
Gibt‘s Gefahr, werde ich härter,
nehme uns in meinen Schutz ein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE LIEBE BLEIBT

Ich komme und gehe
wie der Morgen, wie der Abend
wie ein Weltkörper drehe
und drehe ich mich andauernd fragend
aus einem Bewusstsein ins andere -
merkwürdig, wie ich mich ständig verändere.

Die Menschen, die innig
mit mir in Liebe verbunden sind…
die Sehnsucht macht uns wahnsinnig
denn die Liebe macht uns blind,
deshalb auch wenn wir uns nicht sehen
lebenslang bleibt unsere Liebe bestehen.

Vieles überlebt alle Veränderungen nicht
aber die Liebe bleibt bis zum jüngsten Gericht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACHMITTAG IN MALABO

Eidechse und ich in der Sonne
Lang schweigen wir aber meine Gedanken
sie sind laut, üppig, und sie schwanken
wie die Palmen in der Hitze Wonne

meiner Sehnsucht nach Urwald
so dunkel so grün und ewig jung
gleichzeitig Erinnerung und Hoffnung -
Ich gehe erneut aber ich komme bald

wieder, denn die große Welt ist klein
Die Welt da draussen ist in uns drinnen
Die Sehnsucht nach Zuhause wird gewinnen…
Eidechse, jetzt nickst Du zweimal fein

und eilst in das Laubwerk hinein,
ein Nicken war zur Bejahung
ein Nicken war zur Verabschiedung
jetzt bin ich mit meinen Gedanken wieder allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DRIN

Ich bin drin
Es macht keinen Sinn
Dich noch zu zu machen
Ich bin schon drin
Ich wohne in Deinem Lachen
Ich höre mich hallen
und nachhallen
wie ein Gefühl in Deinem Bauch
und ein Klopfen in Deinem Herz auch.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

DAS GLEICHE

So weit doch so nah
So nah doch so weit
Das Leben ist eine Art
Kunst, eine Art
Schwingung
Wo auch immer es sie gibt,
diese Art, dort gibt es eine neue Version
des Ganzen, des Gleichen.
Ich Reise von Land zu Land zu Land
und schüttele überall die selbe Hand
Der Fremde ist nie fremd in seinem Land
Es fühlt sich immer wie Zuhause an
Das ist das Gleiche, das ich überall fand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ELTERN UND KINDER

Euer Lärm ist Schweigen
Eure Stimmen sind Geigen
Ihr seid meines Herzens Diebe
weil ich Euch, meine Kinder, liebe.

Diese Momentaufnahmen
können zukünftige nicht nachahmen
Durch Eure Geburt aneinander gehängt
werden unsere Wege einst wieder getrennt

Aber die Empfindungen bleiben
Die Briefe, die wir gegenseitig schreiben
in unseren Herzen liebevoll unsichtbar,
unvergesslich und niemals vernichtbar.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

HEUTE SCHREITET NOCH EINE WEILE

Ich sehe Euch
wie Ihr schnell die Sonne sucht,
nach dem Morgen seht,
nach der Dämmerung sehnt

Gerne würde ich die Arme
nach Euch strecken und rufen
Halt! - denn
Heute schreitet noch eine Weile im Kreise
um Euch mit ausgebreiteten Schätzen
herum…

Doch keine Rufe sind so hell
wie die Sonne, keine Arme so stark wie
der Morgen. Sie reichen nur zum
Auf Wiedersehen Sagen und aus
der Ferne Auf Wiedersehen Winken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung