Es gibt diesen Schmerz. Wenn Du gehen musst und der Abschied ohne Herz erfolgt, weil der Frust schon vorher gründlich abgelebt und abgelegt wurde, zumindest mündlich. Jetzt gehst Du, unaufgeregt, auf jeden Fall äußerlich, und nach dem Du weg bist, wunderst Du schweigend Dich, was dieser dumpfe Schmerz ist, der in Dir teilnahmslos sitzt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Verbundenheit
EIN BISSCHEN VON UNS
Ich atme die Welt ein aber auch wieder aus, Rausgehen ist mein Weg wieder nach Haus. Ein bisschen von Dir ist genau das, was ein bisschen von mir brauchte doch vergaß. Waren wir einst eins im fernen Paradiese unbewussten Daseins? Die Absicht ist diese: Heraus in die Welt! Hinein in einander! Zurück kehren erhellt an und durch einander! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE WELT IST ÜBERALL
Die Welt ist so groß. Wer sie einmal da draußen gesehen hat, wird sie auch bei sich in der Heimat wiederfinden - sie läßt ihn nicht mehr los - die Züge sind leicht wiedererkennbar: der Menschengeist, schwer zu bändigen, drückt seinen vielfältigen, lebendigen freien Willen überall aus, immerdar. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
INNERHALB DER VIER WÄNDE
Wie ist es bei Euch, fragt der eine den anderen? Schau intern bei Euch, antwortete der andere: Wenn Du weißt, wie es bei Euch ist, weißt Du auch, wie es bei uns ist. Innerhalb der vier Wände, menscheln wir alle ähnlich. Wände sprächen Bände, wären sie menschlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FREUNDE WIE BLUMEN
Freunde wie Blumen Haben ihre Blütezeit. Manch eine Freundschaft, Die heute gedeiht, Welkt morgen dahin Mit oder ohne Streit, Gerät aber niemals Ganz in Vergessenheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERSUCH ES
Versuch es - Begegne dem Fremden als würdest Du einem Menschen begegnen. Versuch es - Begegne einem Menschen als würdest Du einem Fremden begegnen. Wie Du in den Wald hinein rufst so schallt es wieder heraus. Nah oder fern, bist Du unter Menschen, bist Du zu Haus. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERWANDT
Wir saßen gegenüber voneinander in der vollen Straßenbahn, Einander ähnlich in den Augen aller, die uns in der Ecke sitzen sahn, Und doch getrennt durch eine unsichtbare Kluft, die ich deutlich ahn. Du hier geboren und sozialisiert, ich in einem afrikanischen Land. Ich versuch, Deine Augen zu treffen, doch Dein Blick bleibt abgewandt. Ich steige bald aus, Du fährst weiter - wir bleiben einander unbekannt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GENERATIONENÜBERGREIFEND
Wir fangen bei jeder neuen Generation wieder von Null an, als hätten wir nicht bereits in der jeweils vorherigen Generation alles gegen Hass getan und seinen Anpassungsanreiz. Sisyphus war kein Mensch, er ist die Menschheitsgeschichte - Die Hartnäckigkeit unserer Tendenz zu reinkarnieren unsere Bösewichte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEWISSEN OHNE HAFT
Das Politische ist der Brückenkopf, löst aber selbst das Problem nicht - Liefert nur das, womit die Volksseele ihn erfüllt, ist also nur sein Angesicht. Ist es hässlich, ist es wahr. Ist es menschlich, ist es wahr. Ist es zwiegespalten, ist es wahr. Die Politik hat die Macht. Die Gesellschaft hat die Triebkraft - und sie ist aufgewacht, hin und hergerissen, Gewissen ohne Haft. Ist es hässlich, ist es wahr. Ist es menschlich, ist es wahr. Ist es zwiegespalten, ist es wahr. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLEICH UND GLEICH BEKÄMPFT SICH GERN
Gleich und gleich bekämpft sich gern, ist Dir schon mal aufgefallen? Denn liegt der Treffpunkt Dir viel zu fern, wie sollte es dann widerhallen? Der fester Fels neben Dir ist Dein Stern, keine Steine, die im Weltall knallen. Druck und Gegendruck, extern und intern, halten sich, wenn sie aufeinander prallen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
