SICH ERGÄNZENDE TEILE

Manchmal kann ich mich ohne Dich
mir nicht vorstellen
Manchmal kann ich mich mit Dir
mir nicht vorstellen
Was bist Du?

Manchmal bist Du mir so nah,
wie ein Teil von mir
Manchmal bist Du mir so weit,
wesensfern und artfremd
Was bist Du?

Ich bin das, was Du auch bist –
Das ist die Eigenart der Liebe.
Deshalb bin ich Deine Partnerin.
Frage DICH also, mein Lieber:
Was bist Du?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER FREIE WILLE

Sie ist nicht frei
Sie ist den Gedanken
ihrer Eltern verheiratet

Er ist nicht frei
Er ist den Ansichten
seines Volkes verheiratet

Dennoch freuen sie sich sehr
auf den Versuch,
Feuer und Wasser zu vermengen
Tag und Nacht zusammen zu zwingen
Nach Links und nach Rechts gleichzeitig zu lenken

Das ist die Eigenart der Liebe
Sie sieht einen Weg, wo es keinen gibt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SONNENSTRAHL

Was machst Du gerade?
Ich greife nach Dir wie nach Sonnenstrahlen,
mit eben gleichem Erfolg –
denn genau wie sie bist Du da,
ich kann Dich spüren
aber nicht berühren und nicht mehr fassen –
Mein Verstand kann nach all den Jahren
es immer noch nicht erfassen –
Lieben und lassen,
lieben lassen ist gehen lassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KOMMEN UND GEHEN

Warum fühlt sich der Anfang an
wie das Ende
Und das Ende wie der Anfang an?

Deine Liebe ist wie der Sonnenuntergang
Deine Liebe ist wie der Sonnenaufgang
Immer am Ende
Immer am Anfang

Magst Du mich kommen fühlen mit Glut und Wonne
Musst Du mich gehen lassen wie die Sonne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FEINERE FÄDEN

Weder Geschlecht
Noch Rasse
Brachte mir meine Gleichart

Noch war sie versteckt
In irgendeiner Klasse
Nation oder Lebensart

Immer begegnete sie mir unerwartet
Ohne erkennbares Muster –
Plötzlich da.

Augen, die mich spiegelten
Eine Stimme, die klang
fast wie meine eigene Innere Stimme.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

CINDERELLA

Deinen Fußabdruck auf meine Seele
trage ich mit mir in mir vom Leben zu Leben,
und suche überall Deinen Fuß,
denn Du hast mir diese innere Wunde gegeben.
Und nur Du kann das Bluten stoppen,
wenn Du in mich und in mein Leben
noch einmal eintrittst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIE ZWEI KINDER

Wie lief Dein Tag?
Deine Gedanken, zögernd, zart,
Ich spüre Dein Unbehagen
Auf meine Art
Ein Gefühl im Magen.

Alles, was ich kindlich sag
Alles, was ich kindlich frag
Ist nur meine Art,
Dir zu sagen,
daß ich Dich kindlich mag.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FLÜCHTIGE GEFÜHLE

FLÜCHTIGE GEFÜHLE

Sie erdet mich
als wäre sie Wurzeln
Entwurzelt mich
als wäre sie ein Sturm
Stürmt mich an,
als wäre sie die Flucht
Flüchtet von mir,
als wäre sie Angst
Beängstigt mich,
als wäre sie nichts
Und ist nicht in der Lage,
mehr als eine vage Ahnung
von dem zu haben, was ich sage.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NÄHE OHNE DISTANZ

Genesung ist besser als Impfung
Gegen die Liebe kannst Du nicht geimpft werden
Nur der Liebeskummer wird Dich heilen.

Vorher warst Du ein Superspreader
Jetzt bist Du ein Maskenträger
Niemand kennt Dein wahres Gesicht mehr.

Doch, ach! Wie Du Dich sehnst
nach dem Lachen wieder, nach Händen,
nach intimer Nähe ohne unsozialer Distanz.

Liebe wiederholt sich und wiederholt sich
Immer wieder erwischt Dich eine neue Variante
Egal wie oft Du geimpft bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANDERS SEHEN

Farbe verwirrt die Menschen –
So tief sitzen die widersinnigen Vorurteile,
weitergegeben von Generation zu Generation

Anhand von Farbe sehen wir alles
nur das nicht, was der Mensch wirklich ist,
versteckt unter seiner Hautfarbe.

Stell Dir vor, Du siehst einen Menschen
Aber Du siehst nicht den Menschen,
sondern seine Wirkungsart formgeworden…

Was würdest Du sehen, wenn Du mich siehst?
Was würde ich sehen, wenn ich Dich erblicke?
Jede Wette: Ganz andere Farben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung