DAS VERTRAUTE WIR

Das vertraute Wir
kam plötzlich aus dem Nichts
Die Botschaft jedes Gesichts:
Wir sind hier
und unser Wir ist auch Hier.

Aus Schmerz wird Stärke
Aus Schwäche wird Zusammenschluss
Aus Spaltung eine neue Zusammensetzung
Aus Vielfalt eine neue Nation
aus alten Tugenden und neuem Mut!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIR

Ich denke an Euch
wie Ihr mit Eurem Leben
dafür bezahlen musstet
daß Ihr ein Leben hattet
und Teil unseres Lebens wart
– und nur deshalb.

Ich denke an Euch
entspannt lachend im Arm
des gemütlichen Abends
eingerahmt vom familiären
und vertrauten „Wir“
– zum aller letzten Mal.

(an die Opfer des rassistisch motivierten Terroranschlags am 19.02.2020 in Hanau)

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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BUNTESREPUPLIK

Mit jedem Schuß
wird das Land bunter
das Bunte stärker
eingebunden im Bund!

Rückwärts ist vorwärts
Vorwärts ist vorwärts
Es gibt kein Zurück mehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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MELODIEN UND MUSEN

Hin und her die Uhr
Hoch und runter Vogelgesang
Hart und weich das Herz
Schnell und langsam der Atem
Tief und flach die Gedanken
Stark und sanft der Wind
Lang und kurz der Morgen
mit seinen Melodien und Musen
und Melancholie und mir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MORGENLIEB

Wir lagen da
wie zwei schöne Gefühle im Magen
und weilten in tausend endlosen Tagen
an einem Morgen
heute Morgen
bis der Morgen sachte vorbei war
auf einmal es war

Che Chidi Chukwumerije (09.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEFEHL

Dich gehen lassen
und hinterher trösten
oder
Dich vorher warnen
und hinterher bestrafen
?

Denn ich höre
wie der unruhige Wald
pausenlos
Dich innig ruft:
Kommst Du bald
?

Seine Augen sind
tags dunkel, nachts hell
Sag: Wie
lange noch kannst Du Dich
widersetzen seinem Befehl
?

Che Chidi Chukwumerije (07.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OFFLINE

Die schönsten Bäume traf ich
offline
Die scheuesten Blumen küssten mich
offline
Die beruhigendsten Pfade beging ich
offline
Die innigsten Begegnungen machte ich
offline

Ich ging online, so für mich hin,
und fand viele Türe, mit und ohne Sinn
Ich ging offline, und wurde selbst die Tür
ohne Schutz, ohne Rahmen, echtes Gespür.
Tausend Kleinigkeiten in tausend Sinnen
In einem Moment offline ist alles drinnen.

Che Chidi Chukwumerije (06.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IM GUTEN ABSCHIED NEHMEN

Hast Du heute morgen
Deinen Geliebten in die Augen geschaut?
Hast Du es zur Verzeihung
Und zum Liebe-tauschen Dir getraut?
Hast Du die Mauern, die gestriger
Streit errichtet hat, heute abgebaut?

Heute morgen könnte
Die letzte Gelegenheit gewesen sein.
Schneller und plötzlicher als
Du denkst, steht einer von Euch ganz allein.

Che Chidi Chukwumerije (27.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

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DIE SPRACHE DER FREMDEN

Frag mich nicht warum
Darum liebe ich die deutsche Sprache
Sie ist unerklärlicherweise
Die Aussprache meiner inneren Stimme.

Che Chidi Chukwumerije (25.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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LIEBE UND LASSE DEN MOMENT

Gestern, wie unsichrer Boden,
wurde mir so schnell unter den Füßen
weggezogen. Das Leben gestattete
es mir nicht einmal, mein eigenes Gedicht
zweimal zu lesen und so war’s gewesen
Als wär’s nie gewesen. Das nächste steht
verschwindend schon vor der Tür.

Wen ich heute liebe, liebe mich heute zurück.
Morgen reimt nichts mehr mit gestrigem Glück.

Che Chidi Chukwumerije (24.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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