STILLEN

Deine Brust
Gib mir Deine Brust
Ich schreibe drauf meine Frust
Dann kannst Du ohne Worte lesen
was Du eh schon instinktiv gewusst
wie meine Gefühle, wild gewesen,
sich nun stillen müssen an Deiner Lust.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OFFENE FENSTER

Denk an die Einsamen
die sind auch Menschen
und gerade deshalb einsam…

Ruf sie an, oder
schicke eine Nachricht
oder winke von Fenster zu Fenster.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUSGANGSSPERRE

Als ob wir alle Tasten des Klaviers
entfernt hätten und weggesperrt
jede für sich alleine, einsam, schweigend
ungehört.

Wir leben in einer Zeit
die vor allem uns eines lehrt:
zu schätzen, wie wichtig das „Wir“ ist.
denn ohne gibt es kein Konzert.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
7C92CE72-2092-4F19-B535-BBFDD9FD2702

SOZIALE DISTANZIERUNG

Wir sind die Träger
wenn wir uns zur Verfügung stellen.
Wir sind die Erträger
wenn andere sich zur Verfügung stellen.
Das Virus sucht dringend Soldaten
und Botschafter menschlicher Art.
Die Menschheit sucht simple Heldentaten
zum größten Teil seßhafter Art:
Das Vertragen des eigenen Selbst im Privaten.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

78A667A5-1513-4188-B5A8-9CDF09F3D86078C7F703-EDDE-4CB0-8575-7DDA32604407

ANNÄHERUNG

Manche werden wir nie wieder sehen
nach diesen Tagen gesellschaftlicher Entfernung
Manche Menschen, manche Sitten, manche Arbeitsstellen
nach Social Distancing, Krankheits- und Todesfällen,
nach Dummheit, Angst, Gier und Vorurteilen.
Drum: Teilet tiefe Blicke und saget „Auf Wiedersehen“,
mit Hoffnung auf eine tiefere Annäherung.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERMISST

Wo bist Du?
Als Du durch die Tür hinaus gingest,
hätte ich nicht gedacht, daß
ich 25 Jahre später immer noch
auf Deine Rückkehr warten würde…
Wo bist Du?

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS FREUNDSCHAFTSFEUER

Tief im Wald
es war einsam, es war kalt
sie saßen eng bei einander im Kreis
lachten und weinten laut und leise
zündeten ein Feuer in ihrer Mitte
erfüllten einander jede wahre Bitte
und wahren alles, was sie hatten
wie das Licht dem Schatten

Dann machte ich die Augen auf
und wir saßen alle im Wohnzimmer
über und um uns Freundschaftschimmer
lachten laut und tief wie immer.
Das Beisammensein nahm seinen Lauf
und jede geteilte Empfindung mit im Kauf
und der kalte Wald wurde hell und warm
durch Freundschaft geteilt Arm in Arm.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BIS WIR UNS WIEDER BERÜHREN KÖNNEN

Daß ich nun verzichten muß
auf den längst aufblühenden Kuß,
Schatz, trifft mich besonders hart.

Daß ich nicht mehr halten kann
Deine zarte Hand, wie einst fast getan,
Herz, hat eben mein Herz erschwert.

Drum, um so mehr, bitte schenk mir
das innigste wesentlichste Teil von Dir
in jedem Augen-Blick und in jedem Wort.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAGE DER ANGST

Wir kamen wie Sterne
fremd und zittrig
aus der Ferne
eifrig und zerbrechlich
kamen wir gerne

Kamen auf die Erde
bedrohlich und mütterlich
Wir wurden zur Herde
selbstbewusst und gefährlich
und selbst zur Beschwerde

Wer wird uns jetzt retten
im Namen der Liebe? Jetzt
wo es Gefahr wurde, die selbe
Luft zu atmen, und uns
gegenseitig die Hände zu geben?

Zusammen sind wir allein
Allein sind wir zusammen
Wer hätte das gedacht?
Wir nennen einander gegenseitig fremd
Doch sind wir die Fremden auf Erden.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIE VIELE MEILEN ZUR OASE?

Wie viele Meilen bis zur Oase?
Ich renne und brenne und trenne
mich immer noch nicht von der Wüste.
Wie viele Wellen bis zur Ekstase?
Ich reite und gleite und verbreite
Wonne ungenügend für meine Gelüste.
Wie viele Zeilen bis zur letzten Phrase?
Ich schreibe und treibe und bleibe
auf der Seite, wo ich die Liebe küsste.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung