EIN NEUER BUND

Ein neuer Bund
Basiert nicht auf Blut oder Boden
Sondern auf geistigem Grund -
Nur das allein führt nach Oben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS GEWICHT TRAGEN WIR MIT

Das Gewicht der Nation tragen wir mit
auf gleichgültigen Schultern
ganz egal die Herkunft unserer Eltern
packen wir mit an und halten Schritt.

Das Gewicht der Nation tragen wir mit
auf weitsichtigen Schultern
die Werte kennend die Unwertes herausfiltern
und stabilisieren langfristig unseren Tritt.

Das Gewicht der Nation tragen wir mit
auf belastbaren Schultern
denn hier leben, hier schaffen, hier altern
werden wir, mit verankert im Durchschnitt.

Das Gewicht der Nation tragen wir mit
auf leichten Schultern
leicht gemacht im selbstbewussten muntern
Stolz, der alle Lügen erfolgreich bestritt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WARUM MENSCHEN VERSCHWINDEN

Weißt Du?
Menschen verschwinden
Nicht wenn sie entführt werden
Nicht wenn sie sterben
Nicht wenn sie vergessen werden…

Menschen verschwinden
Wenn sie nicht mehr geliebt werden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FREMDE UND FREUNDE

Obwohl ich als Freund winkte
saht Ihr einen Fremden -
Als ich wie ein Fremder wirkte
wurden wir zu Freunden.

Ist dies die Eigenart des Fremden,
daß es uns zu Fremden macht
um Freunde zu werden?

Ist dies die Eigenart der Freundschaft,
daß sie uns zu Freunden macht
obwohl wir Fremde waren?

Wie viel von Dir, wie viel von mir,
müssen wir gegenseitig uns abgeben?
Wie viel von Dir, wie viel von mir,
müssen wir uns gegenseitig abnehmen?

Um freundliche Fremden zu werden.
Oder fremde Freunde?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ERDDORF

Die Welt ist zu einem Dorf echt geworden -
Wir erleben uns alle gegenseitig in Echtzeit.
Sympathien und Ressentiments, einst verborgen,
merken, wie nah sie sich sind. Sie waren nie so weit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEDANKENTAUSCH

Ich höre meine Gedanken nicht
Ich höre Eure und die sind auch schön
Sie sprechen von Neugier und Rücksicht
Sie fühlen sich an wie ein Gedicht
Bodenständig und schwebend in den Höhen
Beides Gleichzeitig.

Soll ich mich Euch öffnen? Nein?
Soll ich mich Euch öffnen? Ja?
In der Menge fühle ich mich oft allein -
Manchmal ist es besser, fremd zu sein
Für Berührung zu weit, in der Sehnsucht nah
Sich anziehend gegenseitig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MENSCHENWELT

Die Welt wird zusammen kommen
in Deiner Welt
Und Deine Welt wird sich verbreiten
über die ganze Welt
Und überall, wo die Welt ist
wirst Du Dich Zuhause fühlen,
wenn Du mit dem Herzen hörst…
Und überall, wo Du Zuhause bist,
wirst Du die ganze Welt spüren,
weil Du der ganzen Welt gehörst.
Zu allen glokal spielenden Akteuren:
Irgendwann, hoffentlich, sind wir reifer
und finden unsere Gleichart viel leichter
mehr im Inneren als im Äußeren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIESE EINE PERSON

Es gibt immer diese eine Person
für jede Person,
die die einzige Person ist,
die die wahre Person in dieser Person
zum Leben, zum Leuchten,
zum Lachen, zum Lächeln, bringt,
weil sie alle Hemmnisse niederzwingt,
in das Herz dieser Person tief eindringt
und dafür sorgt, daß es wieder singt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABRUTSCHEN

Hatte jeder obdachlose Mensch
früher mal ein Dach über dem Kopf?
Ging in den Kindergarten, zur Schule,
kannte Familie, Wärme, Mamas Topf?
Spielte mit anderen Kindern sorgenfrei,
träumte vom tollen Erwachsenenleben?
Stellte sich dann stolz und zuversichtlich
deren Herausforderungen und Streben?

Was, wann, wo, warum lief es schief?
Mein bester Freund, Deine Schwester gar.
Ein Vater, Nachbarn, die alte Klassenlehrerin.
Eine tiefe Bindung macht aus uns allen eine Schar.
Dieses Verbindende ist unsere Vulnerabilität -
Sie verpflichtet uns zur wachen Mitmenschlichkeit,
Denn keiner ist ganz sicher vor dem Abrutschen
über den Rand und in die Obdachlosigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZWEI WEGE IN EINEM

Meine Schuhe kennen nicht den Weg.
Ich aber.
Ich kenne nicht den Weg.
Meine Schuhe aber.

Ich weiß, wo der Weg lang geht.
Sie wissen, wie sich der Weg anfühlt
und wie man den Weg geht.

Zusammen meistern wir den Weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung