Wir lagen da
wie zwei schöne Gefühle im Magen
und weilten in tausend endlosen Tagen
an einem Morgen
heute Morgen
bis der Morgen sachte vorbei war
auf einmal es war
– Che Chidi Chukwumerije (09.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Wir lagen da
wie zwei schöne Gefühle im Magen
und weilten in tausend endlosen Tagen
an einem Morgen
heute Morgen
bis der Morgen sachte vorbei war
auf einmal es war
– Che Chidi Chukwumerije (09.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Dich gehen lassen
und hinterher trösten
oder
Dich vorher warnen
und hinterher bestrafen
?
Denn ich höre
wie der unruhige Wald
pausenlos
Dich innig ruft:
Kommst Du bald
?
Seine Augen sind
tags dunkel, nachts hell
Sag: Wie
lange noch kannst Du Dich
widersetzen seinem Befehl
?
– Che Chidi Chukwumerije (07.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Die schönsten Bäume traf ich
offline
Die scheuesten Blumen küssten mich
offline
Die beruhigendsten Pfade beging ich
offline
Die innigsten Begegnungen machte ich
offline
Ich ging online, so für mich hin,
und fand viele Türe, mit und ohne Sinn
Ich ging offline, und wurde selbst die Tür
ohne Schutz, ohne Rahmen, echtes Gespür.
Tausend Kleinigkeiten in tausend Sinnen
In einem Moment offline ist alles drinnen.
– Che Chidi Chukwumerije (06.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Hast Du heute morgen
Deinen Geliebten in die Augen geschaut?
Hast Du es zur Verzeihung
Und zum Liebe-tauschen Dir getraut?
Hast Du die Mauern, die gestriger
Streit errichtet hat, heute abgebaut?
Heute morgen könnte
Die letzte Gelegenheit gewesen sein.
Schneller und plötzlicher als
Du denkst, steht einer von Euch ganz allein.
– Che Chidi Chukwumerije (27.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

Frag mich nicht warum
Darum liebe ich die deutsche Sprache
Sie ist unerklärlicherweise
Die Aussprache meiner inneren Stimme.
– Che Chidi Chukwumerije (25.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

Gestern, wie unsichrer Boden,
wurde mir so schnell unter den Füßen
weggezogen. Das Leben gestattete
es mir nicht einmal, mein eigenes Gedicht
zweimal zu lesen und so war’s gewesen
Als wär’s nie gewesen. Das nächste steht
verschwindend schon vor der Tür.
Wen ich heute liebe, liebe mich heute zurück.
Morgen reimt nichts mehr mit gestrigem Glück.
– Che Chidi Chukwumerije (24.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

Wie lange besteht die Mauer
bis sie fällt? Die Mauer, die steht
zwischen den Menschenrassen
Als Gruppenidentität.
Sie macht noch keinen Anstand
zu fallen,
noch etwas anderes als Verschwörung
und am besten versteckte Intoleranz
sich zu gefallen.
Wie lange bestehen die Menschen noch
bis sie zur Menschheit ehrlich wird?
Menschlichkeit geistert irgendwo in uns,
verirrt verwirrt.
– Che Chidi Chukwumerije (19.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

Schüsse auf die Demokratie
Grüße von der feigen Partei
aus dem Untergrund
Weit unter dem Grundgesetz
Es gibt einen Grund warum
die Gesellschaft einst befreit wurde
von der Herrschsucht der Selbstsucht.
Einschusslöcher in die freie Gesellschaft
Einwegdenken-Motto:
Wir rühren uns nicht vom blinden Fleck
Jenseits vom Grundgesetz,
dem Auffänger und der Schutzhülle
der durch Leid gewonnenen Idealen
einer neuen Menschheit.
Schüsse!
Wachruf an die Wächter der Idealen
Die Schützer des Hohen Traums
Die sich Erinnerer des gestrigen Alptraums
Die Unvergifteten
Die Begreifer des Wertes des Grundgesetzes
Die Torwärter einer menschlichen Zukunft.
– Che Chidi Chukwumerije (16.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

Als ich im Dunkeln
Dem Atmen meines Sohnes lauschte
Dachte ich an meinen Vater
Der nachts gerne wach lag
Vielleicht saß er auch so neben mir
Und lauschte
Und ich denke an meinen Sohn
Und frage mich, ob er eines Tages
Auch genau so sitzen wird
Dem Atmen seines Kindes in der Nacht
Lauschend und sich dabei wundernd
Ob sein Vater einst auch seinem Atmen
Lauschte in der Nacht.
– Che Chidi Chukwumerije (15.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

Wie ein Gast
Neben mir liegend
Liege ich neben mir
Wie ein Geist
Und wie ein Geist
Bist Du mit mir
So anwesend
Als wärest Du mit mir
Denn Du bist da
Mit mir
Frag mich nicht wie
Aber Du bist da
Überwältigend nah
Obwohl Du meilenweit
Irgendwo liegst
Wach in der Nacht
Wie ein Gast
Im eigenen Bett
Und redest mit mir
Ohne Handy
Ohne Worte
Ohne Gedanken
Ein Miteinander stärker
Und intensiver
Inniger und intimer
Wirklicher und wahrhaftiger
Schweigsamer, verständlicher
Als Blut und Fleisch.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
