SIEBZEHN

Ich war sehnsuchtsvoll 17 als nun
Tracy Chapman‘s Crossroads Album
Auf die Welt kam
Und in meiner Platz nahm
Ein Teil von mir wurde
Freund, Bruder, Seelsorger, Muse
Manche sind durch Vampire und Werwölfe
Geprägt, ich durch Tracy‘s Crossroadswörter
Durch sie bin ich siebzehn für immer
Vor mir der Zukunft Schimmer
Irgendwann werde ich erwachsen werden
Aber nicht mehr auf dieser Erden.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WINKEN

Der Weg zurück ist schwierig
Einfach ein paar Worte in den Raum geworfen
Reicht nicht aus – Neustart ist langwierig
Vertrauen ist gestorben.

Für vieles bin ich offen
Aber wenn Du so tief bist, wie ich
Kannst Du es Dir nicht leisten, so offen
Zu sein, denn der Schmerz dringt immer tiefer in Dich
Hinein und kommt nie zur Ruhe
Mein Herz ist eine bodenlose Truhe –

Doch… meine Verletzungen ich siebe:
Ich wünsche Dir alles Gute
Sei es Dir nach Wachsen zumute
Ich wünsche Dir die Freude als Blüte
Weil ich Dich liebe.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

OHNE DICH KEIN MICH

Es lebe die Vielfalt
Hymne der Natur
Ohne jung kein alt
Jedem Inhalt vielerlei Gestalt
Jenseits der Zensur

Die Menschen, die wir nicht begreifen
Verhelfen uns am Schnellsten zum Weiterreifen
Durch Reibung, Herausfordern und Schleifen

Alles, was Du nicht bist
Freue Dich, daß jemand anders es ist
Das schöne Leben hat sich aufgeteilt
Über unzählige Miriaden in aller Welt.

– Che Chidi Chukwumerije

AUSSERHALB

Ich habe schon drei gelesen,
Drei geöffnet, bin schon drei gewesen –
Drei Bücher, drei Schatztücher,
Drei Besucher –
Und habe getrieben, immer, Wucher
Denn alles mir Abverlangte
Erbeutete ich stets mehrfach zurück
Wenn ich beiße, nehme ich ein gutes Stück
Dessen, nach dem ich verlangte
Denn ich liebe über alles die Liebe
Und ich suche vor allem die Sehnsucht
Und ich fürchte keineswegs die Herzdiebe
Es versetzt mich nichts in die Flucht –
Alles kann ich verlieren
Ich werde es mehrfach zurück gewinnen.
Doch ich würde sofort erfrieren
Gäbe es Dich nicht mehr in mir hier drinnen.

Jeden Tag brauch ich Dich
Jeden Augenblick, denn Du bist anders –
Teil von mir, unentbehrlich,
Dich gibt es nirgend wo anders.

– Che Chidi Chukwumerije

AUF STEIGT DIE SONNE NICHT

Auf steigt die Sonne nicht
die Erde dreht sich

Ich falle nicht, ich ziehe die Erde und
die Erde zieht mich auch

Gleichartige stoßen sich nicht
ab, doch Getrennte rufen zu einander

Das Leben gab uns nichts mehre
Außer Dir mich und mir Dich.

– Che Chidi Chukwumerije.

TEILE DICH MIT MIR

Du bist wie Wasser
Du fließt in die Menschen widerstandslos hinein
Und veranlasst, daß sie sich Dir mit-teilen
Und das Mitgeteilte nimmst Du mit als Dein neues Teil

– Che Chidi Chukwumerije.

LANGSAM IN DICH HINEIN

Und dann fallen
Plötzlich immer mehr
Tröpfchen auf deinen Bauch –

Dein Atem wird tiefer
Räuspert wie ich im Rauch
Ein kleines Flüstern
Nein, ein Hauch…

Und rollte und rollte und rollte
Langsam in Dich hinein
Tröpfchenguß.

Hautnah, dein Kuss.
Frag nicht warum, denn ich muss.

– Che Chidi Chukwumerije.

SEELENVERWANDT

Die Seele eines Fremden
Klopfte an meine Tür einmal in der Nacht
Statt mich erschrocken oder träge abzuwenden
Bin ich erwacht, hab aufgemacht und mir dabei nichts gedacht
Meine Lebensblätter aber würde sie wenden
Denn viele neue Gedanken hat sie mitgebracht

Jetzt ist sie fort, aber fremd nicht mehr
Denn alles, was sie hinterließ, es lebt noch alles hier.

– Che Chidi Chukwumerije.

BEIM BAUERN ZU GAST

Ein Regenbogen hat gegrüsst
Einen Fremden lang geküsst
Einen Mundwinkel eingebüsst

Atlantis, sinkst Du oder stehst?
Jesus, kommst wieder oder gehst?
Herz, zu den Bergen Du wehst…

Unter der Nachrichten Last
Vergessen Österreich fast
Heimelig, beim Bauern zu Gast.
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– Che Chidi Chukwumerije.

 

VERZEHREN

Der Genuß des Lebens
Besteht für mich darin
Die Grenzen der Reize ständig auszuweiten
Die ich ohne nach zu geben
Ertragen kann.

Was läufst Du weg von mir
Und steigerst mein Empfinden?
Gefangen zwischen Mensch und Tier
Am Sehnen und am Erblinden.

Du bietest mir körperliche Nähe an
Auf daß ich deine Seele in Ruhe lasse
Aber nein – Ich weiß, was ich will.

Was ist Zeit?
Wir haben die Ewigkeit.

Und Langsamkeit.

CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.