HESSISCHE WÄLDER

Was willst Du mir sagen
Hessische Nacht?
Der Wald ist zu alt für mich
Ich verstehe ihn nicht
wenn er flüstert, wenn er träumt,
wenn er schweigt oder lacht.

Der Neuschnee ist uralt.
Meiner tiefen Empfindung Gewicht
beschäftigt lehrend mich –
Ich habe es nicht ausgedacht:
Ein fremder Geist spricht durch mich
in meinem jeden Gedicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANDERE LÄNDER, GLEICHE SITTEN

Die Welt besteht aus Wiederholungen
meiner Wohnstadt
mit unterschiedlichen Schattierungen.
Kein Ort hat
Menschen, die nicht nach selbem Schema
lieben und leiden und lügen,
als wären unsere Geister von einem Thema
lediglich Auszügen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TREIBSTOFF

Lasst den fossilen Stoff
in seinem Grab
Geister richten nur Schaden an
wenn sie unter uns treiben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER MUT IST MUTIGER GEWORDEN

Es gibt einen Krieg gegen den Krieg
und, verdammt nochmal, einen Sieg
gegen den Sieg! Es ist der Krieg
des Herzens, der Sieg
des durch Schmerzen mutig gewordenen
Muts zur Friedfertigkeit.
Denn Frieden ist mutiger als Krieg
und kluger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWERE ZEITEN

Ich sah leere Büroräume
zum Vermieten freigegeben.
Ich fragte mich, welche Träume
dorthin einzuziehen streben.

Wird die Wirtschaft mitspielen?
Droht Rezession? Inflation?
Wird der Markt ihren Zielen
eine Chance geben zur Realisation?

Jahre der Schule und Ausbildung
liegen hinter den einen.
Hinter andren Jahre der Hoffnung,
Arbeitslosigkeit, Weinen.

Ich sah leere Büroräume
und hörte mein Herz ein Gebet aufbringen
für die guten dorthin bald einziehenden Träume:
Gutes Gelingen!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VOLL MIT MOND

Vollmond über Torrelles de Llobregat
Der Abend wiegt schwer
und liegt leicht auf meiner Nacht,
wiegt schwer, weil der Mond,
ich beobachtete ihn, und schöpfte Verdacht,
der Mond, der Mond ist schwanger -
Und jeder, der heute Nacht Dichter spielt,
wird zu seinem treuen Handlanger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BALEARES

Strand Barcelona
Ich stand mit Füßen im Wasser
mit Herzen aus Wasser
beobachtete das ruhelose Wasser

Seit Milliarden von Jahren im Takt
macht das Wasser genau das hier, was es macht -
kommen gehen kommen gehen und lacht

Ohne Höhepunkt kommen ohne Ankommen
Ohne Ende ein uraltes Abkommen
Erde und Meer lieben sich vollkommen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALTE FREUNDE

Wie oft sah ich diesen Sonnenuntergang,
einen Freund meines Staunens
und meines Träumens,
meines Ruhigseins jeden Abend -
Er war umrahmt aber nicht mit Eichen und Tannen,
sondern mit Irokos und Palmen und
bildete den Hintergrund zu meiner Kindheit
am Äquator.

Nie hätte ich gedacht,
daß Jahrzehnte später eben er
mein Halt und mein Trost sein würde,
meine Orientierung hier oben im Norden -
Wo weder der nördliche Stern noch
die Nordlichter mir den Weg nach Hause
weisen konnten,

hast Du - schöner Sonnenuntergang -
mich zu mir zurück geführt,
umrahmt von Tannen und Eichen
und langsamer geworden
aber Du bist es noch. Du bist es noch.
Kinder erkennen immer ihre Freunde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÄRMER TROTZ ETKENNTNISSEN

Viele Menschen werden ärmer werden,
reicher nur an Erkenntnissen.
Manche Länder werden reicher werden,
ärmer jedoch in ihrem Gewissen.

Wie könnte die Zukunft derart werden,
nach all den Menschheitserlebnissen,
daß wir wieder langsam gefangen werden
in den heutigen Geschehnissen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER GOLDENE TOD DER REGENWÄLDER

zerstörte Regenwälder im Amazonas
Ich sah Ödland,
herausgerissene Lungen und Leber,
Krater, wo einst gestohlene Herzen schlugen.
Vergiftet lag das Land sterbend in der Sonne;
Sonne und Land und Sterben ohne Ende,
am anderen Ende der Welt,
wo traurige, entschlossene, Menschen verenden.

Wo ist das Leben des Landes hin?
Ferne Länder im Inland und im Ausland
haben die Armut anderer
zum eigenen Reichtum aufgewertet, weggesperrt.
Haben den Reichtum der Erde
zum Zeuge unserer glänzenden Armut geschmückt.
Ich sah Goldland.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung