ES KIPPT LANGSAM

Das Gesprächsklima ist rauher geworden,‌
Es verdirbt uns unsere feinere Natur -
Wenn dieser Klimawandel vollzogen ist,
bleiben Krieg und Konflikt die altneue Kultur?

Weniger wird mehr
Mehr wird weniger
Irgendwann kippt die Stimmung ganz
Die Zukunft wird nebliger.

Che Chidi Chukwumerije
im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEDANKEN EINES BERGES

Manche spüren Gedanken,
wie andere lärmige Stimmen hören
und andere chaotische Scharen beobachten

Wie manche Hände auf ihrer Haut fühlen
oder Gerüche in einer Menschenmenge wahrnehmen,
spüren ein paar Menschen Gedanken

Einige Gedanken schmecken dem Feinschmecker,
viele nicht, Gewicht auf leisem Gemüt,
aber sie werden - wie der Wind - vergehen.

Laut sind heute Abend der Alpenwind,
die frohen Menschen am Nachbartisch
und meine suchenden Gedanken.

Nur die Berge schweigen. Die uralten.
Denn je mehr Wissen und Erinnerungen Du hast,
desto mehr schweigst Du.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

URSPRACHE

Kommt in meine Arme.
Ihr ferne Alpen,
Ihr seid mächtig genug für mein Herz -
Denn es ist zu groß, zu breit, zu tief geworden
Und ich verstehe es nicht mehr.

Doch Ihr da vorne,
ausgestreckt und ausgedehnt
wie die Wellenbewegung eines Weltmeeres,
von einem Riesen in Stein verwandelt,
Ihr sprecht die Ursprache meines Herzens.

Rauh und zerklüftet
Alt mit einer unbekannten Geschichte
Deshalb, kommt in meine Arme
Ihr schöne Alpen
und liebet mich zurück.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TIERAUGEN IM ZOO

Das war heute ein schöner Nachmittag,
was für mich sicherlich daran lag,
daß der Mai seine sanfte Sonne freigab.

Großherzig umspülte mich Euer Lachen,
brachte mich nach der Arbeit zum Erwachen;
müde, weil lange Heimflüge platt machen.

Ausflug in den Zoo, trotz Sonne und Eurer Wärme
für mich immer Hart – und nicht wegen der Lärme.
Menschen, nicht Tiere, bilden die Schwärme.

Bewegungsdrang bei uns freigesetzt,
bei ihnen gebannt aber niemals ausgesetzt;
gerettet, unverletzt, gefangen im Hier und Jetzt.

Da sind sie wieder, meine Gedanken,
hin und her zwischen Lob und Kritik schwanken,
während sie mit meinen Empfindungen zanken.

Da ist es wieder, mein Grundempfinden:
in lebendige Augen schauen, um zu finden
nichts, womit mein Zwiespalt zu überwinden.

Augenblicke, die haften und bleiben,
in mir wortlos ihre Botschaft weiter schreiben,
wie Tiere im Gehege ruhelos herum treiben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAG DER ARBEITER EINHEIT

Der Tag ist irgendwie schwer
Schon lange marschieren die Arbeiter
Sie kommen von überall her
Untereinander gespaltene Mitstreiter
Jede/r dem anderen Peer
weder Leiter noch Begleiter -
langsam begreifend immer mehr:
Nur durch Einigkeit kommen wir weiter.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MISSHANDELTER PLANET

Ein Planet verliert sein Eis,
verliert sein Gesicht -
wann bekommt er ein anderes?

Ein Planet verliert seine Wälder,
verliert seine Haare -
wann wachsen ihm neue an?

Ein Planet verliert seine Vielfalt,
verliert seine Eigenart -
Muß der Mensch erst verschwinden,
damit alle anderen zurück kehren?

Ein Planet verliert sein Gleichgewicht,
verliert seine Atemluft -
Weil einer alles für sich haben will
und alles verlieren wird.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MORGEN SIND HERZEN

Die Wolken kletterten den grauen Himmel hoch,
Wie die Gedanken einer grübelnden Erde;
Aber eines machten sie auch noch:
Ebenselber trüben Welt wurden sie zur Zierde,
Während dieser Gedanke in mich einkroch:
Schimmel sind sie, himmlische Pferde;
Boten einer versteckten Sonne - und doch,
Spiegler ihres Lächelns auch und unsrer Neugierde,
Mittels deren wir uns befreien von des Grauen Joch -
Herzen sind Morgen, sind Erze, sind Herde.
Die Wolken spalten sich, ich sehe ein Sehloch:
Das Licht es werde, daß Licht es werde.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR SIND ERNEUERBAR

Wenn nicht Sonnenblumenöl
Dann Rapsöl eben
Raps wächst in Deutschland

Wenn nicht Erdöl
Dann Erdwärme halt
Tief unter uns ist es warm
In uns brennt ein unbändiges Herz

Wenn nicht Steinkohle
Dann Wasser, Wind und Sonne
Die haben wir auch -
Das, was uns ausbremsen soll,
erneuert uns, stoßt uns nach Vorne.

Mut zum Zusammenhalt
Ideen für Veränderung
Alles haben wir, nur keine Angst.
Die Gegenwart ruft: Nutzt die Chance,
Haftet Euch nicht an der Vergangenheit;
Passt Euch der Zukunft an.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VOM AUSSTERBEN BEDROHT

Vom Aussterben bedroht,
merken sie es selbst überhaupt?
Das Sterben, habe ich gehört,
tut an sich nicht weh.
Ist schmerzlos auch das Aussterben?

Wenn Du es nicht merkst.
Du merkst nur, daß keiner mehr
Deine Sprache spricht.
Du bist allein mit Deinen Gedanken
und mit Deinem Gedicht.

Das letzt gebliebene Gesicht
Deiner Geschichte. Es gibt keine,
mit denen Du reden kannst.
Dennoch, oder deshalb, tönt umso lauter
Deine innere Stimme in Dir.

Dein innerer Stumme in Dir.
Viele sind gekommen und gegangen -
Viele Arten, viele Orte, viele Wörter,
viele Gruppen und viele stille Augen.
Nur die Natur, verschwiegen, bleibt.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
https://www.wwf.de/themen-projekte/biodiversitaet/rote-liste-gefaehrdeter-arten
     
https://www.wwf.de/themen-projekte/biodiversitaet/rote-liste-gefaehrdeter-arten

TREFFPUNKT: ZAUBER

Wo bist Du, Einwanderer?
Bist Du wirklich hier?
Oder bist Du noch dort,
wo Du hierher gekommen bist?
Denn keiner kommt wirklich an. Niemals.

Wo bist Du Auswanderer?
Haben die es dort kapiert,
wenn Du mit ihnen redest und lachst,
daß Du noch nicht angekommen bist?
Denn keiner kommt wirklich an. Niemals.

Wie schön der Sonnenaufunduntergang
Magisch der Staffellauf der Jahreszeiten
Da spricht ein Geist, den Ihr so versteht
und ich anders - doch eines ist gleich:
Wir sind beide gleichsam verzaubert.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Che unter erwachenden Baum am Main. März 2022.