ÄRMER TROTZ ETKENNTNISSEN

Viele Menschen werden ärmer werden,
reicher nur an Erkenntnissen.
Manche Länder werden reicher werden,
ärmer jedoch in ihrem Gewissen.

Wie könnte die Zukunft derart werden,
nach all den Menschheitserlebnissen,
daß wir wieder langsam gefangen werden
in den heutigen Geschehnissen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER GOLDENE TOD DER REGENWÄLDER

zerstörte Regenwälder im Amazonas
Ich sah Ödland,
herausgerissene Lungen und Leber,
Krater, wo einst gestohlene Herzen schlugen.
Vergiftet lag das Land sterbend in der Sonne;
Sonne und Land und Sterben ohne Ende,
am anderen Ende der Welt,
wo traurige, entschlossene, Menschen verenden.

Wo ist das Leben des Landes hin?
Ferne Länder im Inland und im Ausland
haben die Armut anderer
zum eigenen Reichtum aufgewertet, weggesperrt.
Haben den Reichtum der Erde
zum Zeuge unserer glänzenden Armut geschmückt.
Ich sah Goldland.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ES KIPPT LANGSAM

Das Gesprächsklima ist rauher geworden,‌
Es verdirbt uns unsere feinere Natur -
Wenn dieser Klimawandel vollzogen ist,
bleiben Krieg und Konflikt die altneue Kultur?

Weniger wird mehr
Mehr wird weniger
Irgendwann kippt die Stimmung ganz
Die Zukunft wird nebliger.

Che Chidi Chukwumerije
im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEDANKEN EINES BERGES

Manche spüren Gedanken,
wie andere lärmige Stimmen hören
und andere chaotische Scharen beobachten

Wie manche Hände auf ihrer Haut fühlen
oder Gerüche in einer Menschenmenge wahrnehmen,
spüren ein paar Menschen Gedanken

Einige Gedanken schmecken dem Feinschmecker,
viele nicht, Gewicht auf leisem Gemüt,
aber sie werden - wie der Wind - vergehen.

Laut sind heute Abend der Alpenwind,
die frohen Menschen am Nachbartisch
und meine suchenden Gedanken.

Nur die Berge schweigen. Die uralten.
Denn je mehr Wissen und Erinnerungen Du hast,
desto mehr schweigst Du.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

URSPRACHE

Kommt in meine Arme.
Ihr ferne Alpen,
Ihr seid mächtig genug für mein Herz -
Denn es ist zu groß, zu breit, zu tief geworden
Und ich verstehe es nicht mehr.

Doch Ihr da vorne,
ausgestreckt und ausgedehnt
wie die Wellenbewegung eines Weltmeeres,
von einem Riesen in Stein verwandelt,
Ihr sprecht die Ursprache meines Herzens.

Rauh und zerklüftet
Alt mit einer unbekannten Geschichte
Deshalb, kommt in meine Arme
Ihr schöne Alpen
und liebet mich zurück.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TIERAUGEN IM ZOO

Das war heute ein schöner Nachmittag,
was für mich sicherlich daran lag,
daß der Mai seine sanfte Sonne freigab.

Großherzig umspülte mich Euer Lachen,
brachte mich nach der Arbeit zum Erwachen;
müde, weil lange Heimflüge platt machen.

Ausflug in den Zoo, trotz Sonne und Eurer Wärme
für mich immer Hart – und nicht wegen der Lärme.
Menschen, nicht Tiere, bilden die Schwärme.

Bewegungsdrang bei uns freigesetzt,
bei ihnen gebannt aber niemals ausgesetzt;
gerettet, unverletzt, gefangen im Hier und Jetzt.

Da sind sie wieder, meine Gedanken,
hin und her zwischen Lob und Kritik schwanken,
während sie mit meinen Empfindungen zanken.

Da ist es wieder, mein Grundempfinden:
in lebendige Augen schauen, um zu finden
nichts, womit mein Zwiespalt zu überwinden.

Augenblicke, die haften und bleiben,
in mir wortlos ihre Botschaft weiter schreiben,
wie Tiere im Gehege ruhelos herum treiben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAG DER ARBEITER EINHEIT

Der Tag ist irgendwie schwer
Schon lange marschieren die Arbeiter
Sie kommen von überall her
Untereinander gespaltene Mitstreiter
Jede/r dem anderen Peer
weder Leiter noch Begleiter -
langsam begreifend immer mehr:
Nur durch Einigkeit kommen wir weiter.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MISSHANDELTER PLANET

Ein Planet verliert sein Eis,
verliert sein Gesicht -
wann bekommt er ein anderes?

Ein Planet verliert seine Wälder,
verliert seine Haare -
wann wachsen ihm neue an?

Ein Planet verliert seine Vielfalt,
verliert seine Eigenart -
Muß der Mensch erst verschwinden,
damit alle anderen zurück kehren?

Ein Planet verliert sein Gleichgewicht,
verliert seine Atemluft -
Weil einer alles für sich haben will
und alles verlieren wird.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MORGEN SIND HERZEN

Die Wolken kletterten den grauen Himmel hoch,
Wie die Gedanken einer grübelnden Erde;
Aber eines machten sie auch noch:
Ebenselber trüben Welt wurden sie zur Zierde,
Während dieser Gedanke in mich einkroch:
Schimmel sind sie, himmlische Pferde;
Boten einer versteckten Sonne - und doch,
Spiegler ihres Lächelns auch und unsrer Neugierde,
Mittels deren wir uns befreien von des Grauen Joch -
Herzen sind Morgen, sind Erze, sind Herde.
Die Wolken spalten sich, ich sehe ein Sehloch:
Das Licht es werde, daß Licht es werde.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR SIND ERNEUERBAR

Wenn nicht Sonnenblumenöl
Dann Rapsöl eben
Raps wächst in Deutschland

Wenn nicht Erdöl
Dann Erdwärme halt
Tief unter uns ist es warm
In uns brennt ein unbändiges Herz

Wenn nicht Steinkohle
Dann Wasser, Wind und Sonne
Die haben wir auch -
Das, was uns ausbremsen soll,
erneuert uns, stoßt uns nach Vorne.

Mut zum Zusammenhalt
Ideen für Veränderung
Alles haben wir, nur keine Angst.
Die Gegenwart ruft: Nutzt die Chance,
Haftet Euch nicht an der Vergangenheit;
Passt Euch der Zukunft an.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung