Wo schlängelst Du hin?
Wie ein Fragezeichen
schaust Du kurz hoch
während ich vorbei fliege
betrachtest mich halb lächelnd
halb stirnrunzelnd und fragst mich
Wo schlängelst Du hin?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Wo schlängelst Du hin?
Wie ein Fragezeichen
schaust Du kurz hoch
während ich vorbei fliege
betrachtest mich halb lächelnd
halb stirnrunzelnd und fragst mich
Wo schlängelst Du hin?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Mein Neujahr fängt nicht mit Feuerwerk an,
sondern mit Schweigen und innerem Glockenklang –
lauter in meinem Ohr als jeder Gesang –
nicht mit Feiern und Lachen und Reden,
sondern mit Nachdenken und Sinnen –
das, womit ernste Dinge immer beginnen.
Denn die Welt wird lauter und immer lauter,
und Jahr für Jahr frage ich mich subtil,
was sie wohl übertönen will.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Der Weg ergibt sich aus dem Nebel
Tirol entkleidet sich schnell
entzieht sich dem feuchten Dunst
zwischen seinen Bergen
gibt den Weg frei, eine lange Schlange
und wendet sich unermüdlich
aus der Feier heraus, zurück ins Alte,
voran ins Neue.
Neben mir ein Fluss, der immer in ist,
nimmer out. Die Sonne erscheint zögernd,
es ist eine Wintersonne.
Langsam fallen die Berge zurück,
die Enge weitet sich, und
es liegt eine offene Welt wieder vor mir…
Mit Heimkehr steigt die Reiselust.
Mit Älterwerden, siehe, die jugendliche Lust.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich kann nicht geben
ohne dabei zurückzugeben
denn mir wurde bereits alles gegeben
schön verpackt unter dem Namen: Leben.
Es ist das Fest der selbstlosen Liebe –
Damit beendet immer das Jahr seine Betriebe:
Sich verausgaben, bis nur zurück bliebe
das Ursprungsgeschenk: die Freude am Leben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Der Baum stand da
im Regen und in der Sonne
und sagte zu mir
Ich biete Schutz und Schatten an
Ich bitte und bettle selbst nicht
um Schutz und Schatten –
So viel Stolz habe ich.
Und ich antwortete
Aber Du brauchst auch Schutz –
Und der Baum sagte zu mir
Das ist Deine Sorge
Mich interessiert das nicht
Denn auch Du Mensch bist ein Baum
So viel Stolz musst Du haben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Es wird noch lange dauern
bis Ihr mich anschaut
und nicht zuerst Eure Vorurteile
unterdrücken müsst
um mit mir lächeln zu können
Meine Kinder werden diese Zeilen wiederholen
Ihre Kinder werden diese Zeilen wiederholen
Ich weiß es
Denn auch mein Vater wiederholte sie
und sein Vater vor ihm
Erst dann werden diese Zeilen
nicht mehr wiederholt,
wenn wir nicht mehr da sind zum Anschauen
weil wir weiter gegangen sind
und Euch zurückgelassen haben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TREIBHAUSGEFÜHLE
Treibhausplanet
Treibhausgefühle
Alle Geheimnisse werden heiss gekocht
Siedepunkt
Nervös, die Erde schwitzt
Es riecht nach Menschenschmutz
Alle Beteuerungen werden gelikt und gemocht
Während das Schmelzen schneller schmilzt
Gefangen, der Mensch, in dem Gewühle
Heiß und kalt
Treibhausplanet –
Auch wir sind seine Blüten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Art erkennt sich nicht mehr
weil sie sich nicht mehr kennt
Äußerlichkeiten halten her
Aussengrenzen schliessen: nicht schwer.
Da, wo es am wenigsten brennt.
Aussengrenzen öffnen: nicht schwer.
Da, wo es am wenigsten brennt.
Innengrenzen: Da stammt die wahre Abwehr
gegen Artgenossen weltweit her
weil Mensch Menschlichkeit nicht mehr kennt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Immer, wenn ich in die Welt hinaus gehe
gehe ich hinein in meine Gefühle für Euch
meine Engsten, die ich jedes Mal zurücklasse –
Wie kann man ein Teil von sich zurücklassen
das er immer bei sich in sich hat?
Immer, wenn ich nach Hause zurück kehre
kehre ich zu meiner Sehnsucht nach Euch zurück
die ich jedes Mal da draußen zurück lasse:
unerforschte Wege, rufende Landungsstege,
noch nicht getroffene Freunde im fernen Land.
Wie kann man ein Teil von sich zurücklassen,
das man stets in sich hört und spürt?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Einst hatte ich Angst vor Tieren
und vertraute Menschen;
Jetzt habe ich Angst vor Menschen
und vertraue Tieren.
Wir sind nicht allein –
Lange bevor wir kamen
Lange nach dem wir wieder verschwinden
waren sie da, werden sie da sein…
Augen größer als Schweigen
Erinnerungen tiefer als Menschengedächtnis;
Wir wollen Tiere erziehen,
sie, unsere feinsten Lehrer.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung