PANGAEA DER FARBEN

Irgendwann müssen wir uns treffen
da wo keine Farben sind
die uns voneinander trennen

Irgendwann müssen wir uns treffen
da wo alle Farben sind
und uns zueinander bekennen

Denn Pangaea, die einst sich auseinander nahm
und uns trennte und mit sich nahm,
zieht sich und zwingt uns irgendwann wieder zusammen
in die Arme von einander, wo wir ursprünglich herstammen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE STIMME AUS MEINER KINDHEIT

Er hat viele Namen,
wie ein Wanderer, der durch die Himmel rast
und überall sich in die Herzen der Menschen
einhämmert! –
Jeder denkt, er gehört nur ihm…
Doch er gehört einem unsichtbaren Geheimnis.

Wo ich herstamme, von den Igbo,
nennt man ihn Amadioha
Wo ich geboren wurde, bei den Yoruba,
nennt man ihn Sango
Wo ich lebe, unter den Germanen,
kannte man ihn als Donar

Den Indern Indra, den Chinesen Lei Gong
Den Slawen Perun, den Baltischen Perkons
Den Kelten Taranis, den Guaraní Tupa
Den Japanern Taijin, den Römern Jupiter,
Den Norden Thor, den Griechen Zeus –
… wurde mir gesagt und bezeugt.

Heute war er da !
– ich schwöre es –
in den blitzenden Himmeln über Frankfurt.
Ich habe seine lachende Stimme erkannt
im krachenden Donner im heutigen Regen,
wie eine Erinnerung aus meiner Kindheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER INNERE NAVIGATOR

In der Landschaft meiner Gedanken
fliege ich, ein Flugzeug,
und ich fliege durch sie hindurch

Denn ich muß tausend Gedanken ignorieren
um den einen zu finden,
der mich unaufhörlich ruft

Ich sehe Euch alle
und ich liebe Euch alle
dennoch muss ich Euch alle verlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BENUTZER

Die Häuser stehen zueinander
Wie Menschen in einer Menge
Und sind zueinander und füreinander
Die einzige Gleichart, die sie haben.

Die Bäume stehen zu einander;
An ihren Beinen klammern sich Gras und Blumen;
Wie interessante Gedanken
Besuchen sie Vögel und Insekten und Eichhörnchen

Die Menschen stehen gegeneinander –
Das ist ihre Art, zu einander zu stehen –
Und lieben die Häuser und lieben die Bäume
Und lieben die Autos und lieben sich

Denn Benutzen ist ihre Art und Weise, zu lieben.
Was er nicht benutzen kann, liebt er nicht,
Der Mensch. Die Häuser, die Bäume,
die Autos, den Mitmenschen, die Erde, ohne Gewissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZARTE DÄMMERUNG

Morgendämmerung
Vögeldämmerung
Gesangsdämmerung
Durch das offene Fenster
steigt der Morgen in mich ein
Angenehm kühle Luft
Vogelgesang und ein schmaler Schlitz
von diesem sanften zarten schwachen Blau
das bald verschwinden wird
wie ein Traum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KULTUR DER MENSCHLICHEN NATUR

Wie grün wird die Zukunft?
Grün wie die Natur?
Grün wie alle Parteien?
Grün wie der Neid?
Oder grün wie der Dollar?

Oder alles zusammen.
Und am Ende regiert wieder
Wie immer
Immer noch das Geld.
Natur braucht Kultur zum Schutz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE WENDE

Energiewende
wendet sich gegen wen?
Und wendet sich zu wessen Gunsten?

Der Planet Erde wird davon profitieren.
Doch wer wird dieses Erdreich erben?
Die Milden
oder die Wilden?

Energiewende ohne Soziale Gerechtigkeit wäre:
die tiefste Entwertung der Wissenschaft;
der endgültige Sieg der Reichen über die Armen;
ein Hohnlied gegen Evolution und Zivilisation;
ein tönernes Erz und eine klingende Schelle.

Parallel zur Energiewende
brauchen wir eine Humanitätswende.

Brauchen wir eine bessere Welt für ALLE.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FELSENMEER

Felsenmeer
Treppengeländer am Berg der unsichtbaren Riesen..
Tummelplatz im Wald der verschwundenen Zwerge..
Heimliches Versteck unserer vergessenen Elfen…

Und nach dem wir die Welt zerstört haben,
die sie uns über Jahrmillionen vorbereiteten,
flüchten wir zu ihrem Felsenmeer
um zu genießen noch einmal
ihre Nähe und ihre Magie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBESBÄUME

… und da standen sie
In einander verschlungen
ein Liebespaar –
Raum und Zeit überwunden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE UND ABSTAND

Im Boden
halten sie sich
Oben
küssen sie sich
Aber auf dem ganzen langen Weg
zwischen diesen beiden Stationen
berühren sie sich nicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung