DU SPÄTER ALS KIND WIEDER

Du später als Kind wieder
in einem zukünftigen, neuen, Leben…
Welche Erde würdest Du vorfinden,
von Dir selbst vorbereitet
von Dir selbst zugerichtet?

Du später als Kind wieder…
in welcher Welt würdest Du aufwachsen?
Schrott im Weltall
Müll im Weltmeer
Luft zum Schmutz verdichtet.

Du später als Kind wieder…
Empfänger der Wechselwirkung von Entscheidungen,
die Du heute als Erwachsener triffst –
In welcher Welt würdest Du leben wollen?
Zu der bist Du heute verpflichtet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OBEN BLEIBEN

Ich fliege
Aber ich fliege nicht allein
Ein Gedanke fliegt mit mir
In mir
Und er lautet:
Was ist, wenn ich nie wieder lande?

Und selbst nach dem ich gelandet bin,
fliegt dieser Gedanke weiter,
über Ängste und Schmerzen hinweg,
über Pläne und Bindungen und Trennungen.
Und darüber hinaus. Er fliegt einfach weiter
und hält mich ewig in der Luft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DANKE FÜR DEN TAG

Danke für den Tag
für den Kampf mit mir selbst
für den magischen Wechsel zwischen Morgen und Mittag
für die Phasen, in denen ich mich vergaß,
denn genau dann war ich mein wahres Selbst.
Danke für die Trockenheit, die Nachmittag heißt,
denn ein Tag besteht aus vielen Welten.
Und wieder überraschte mich die Abenddämmerung,
ich weiß nie, wo sie herkommt …
noch weiß ich, ob es Wehmut oder Freude ist,
die ich empfinde, während ich
mit Augen zu schaue
mit Ohren lausche
mit Gänsehaut registriere
mit Herzen ahne,
wie der Abend langsam der Nacht weicht,
die von der Zukunft heran schleicht,
jede Nacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SOLIDARITÄT

Manche haben alles verloren,
Hab und Gut und Erdenleben –
Jetzt schlägt die Stunde der Menschlichkeit,
damit sie die Hoffnung auch nicht verlieren.

Einige spenden Geld,
einige helfen mit Zeit und Tat.
Ein ehrlich sorgendes Herz ist alles,
was manch ein anderer hat.

Stunde des Missgeschicks
ist Stunde der Menschlichkeit –
Was der Schmerz uns genommen,
möge die Hoffnung uns zurückgeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WECHSELWIRKUNG

Der Gedanke kehrte zurück
voll beladen mit ähnlichen Gedanken
wie Kinder mit ihren neuen Freunden
nach langem Spielen, Raufen, Lachen, Zanken

Und sie umkreisten ihn
Und sie verwirrten ihn sehr
Denn er hatte den Gedanken mittlerweile vergessen,
erwartete nicht mehr seine Rückkehr.

Doch alles kehrt zurück,
das Gemachte und das Gedachte.
Doch alles schlägt zurück,
das Schicksal, die Erde, das Wetter, die Elemente.

Jetzt denkt er an ein Umdenken,
ein Hinaussenden neuer Gedanken,
ein neues Miteinander mit Natur und Mensch,
im fairen Leben Frieden nachhaltig tanken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

INNERLICH GEERDET

Ich bereise die Welt
Alles was mir dort gefällt
sitzt mit mir in meinem Zelt
Zuhause.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PANGAEA DER FARBEN

Irgendwann müssen wir uns treffen
da wo keine Farben sind
die uns voneinander trennen

Irgendwann müssen wir uns treffen
da wo alle Farben sind
und uns zueinander bekennen

Denn Pangaea, die einst sich auseinander nahm
und uns trennte und mit sich nahm,
zieht sich und zwingt uns irgendwann wieder zusammen
in die Arme von einander, wo wir ursprünglich herstammen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE STIMME AUS MEINER KINDHEIT

Er hat viele Namen,
wie ein Wanderer, der durch die Himmel rast
und überall sich in die Herzen der Menschen
einhämmert! –
Jeder denkt, er gehört nur ihm…
Doch er gehört einem unsichtbaren Geheimnis.

Wo ich herstamme, von den Igbo,
nennt man ihn Amadioha
Wo ich geboren wurde, bei den Yoruba,
nennt man ihn Sango
Wo ich lebe, unter den Germanen,
kannte man ihn als Donar

Den Indern Indra, den Chinesen Lei Gong
Den Slawen Perun, den Baltischen Perkons
Den Kelten Taranis, den Guaraní Tupa
Den Japanern Taijin, den Römern Jupiter,
Den Norden Thor, den Griechen Zeus –
… wurde mir gesagt und bezeugt.

Heute war er da !
– ich schwöre es –
in den blitzenden Himmeln über Frankfurt.
Ich habe seine lachende Stimme erkannt
im krachenden Donner im heutigen Regen,
wie eine Erinnerung aus meiner Kindheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER INNERE NAVIGATOR

In der Landschaft meiner Gedanken
fliege ich, ein Flugzeug,
und ich fliege durch sie hindurch

Denn ich muß tausend Gedanken ignorieren
um den einen zu finden,
der mich unaufhörlich ruft

Ich sehe Euch alle
und ich liebe Euch alle
dennoch muss ich Euch alle verlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BENUTZER

Die Häuser stehen zueinander
Wie Menschen in einer Menge
Und sind zueinander und füreinander
Die einzige Gleichart, die sie haben.

Die Bäume stehen zu einander;
An ihren Beinen klammern sich Gras und Blumen;
Wie interessante Gedanken
Besuchen sie Vögel und Insekten und Eichhörnchen

Die Menschen stehen gegeneinander –
Das ist ihre Art, zu einander zu stehen –
Und lieben die Häuser und lieben die Bäume
Und lieben die Autos und lieben sich

Denn Benutzen ist ihre Art und Weise, zu lieben.
Was er nicht benutzen kann, liebt er nicht,
Der Mensch. Die Häuser, die Bäume,
die Autos, den Mitmenschen, die Erde, ohne Gewissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung