ANFANG SEPTEMBER

Ein Hauch von Herbst
Ein erwachender Durst
nach Herbem, nach Erwachsensein.

Die Natur lacht noch mit Sommeraugen
Doch morgens früh wenn sie atmet
Spüre ich schon den nebligen Herbstodem.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEDANKENFLÜSSE

Azurwiesen
Smaragdhimmel
Immermeere
Gedankenflüsse
Wiedergeburtstage
Erinnerungsbrisen

„Ist alles gut bei Dir?“
„Ja, ich warte auf
den Schluß – und
Abschluß – und
Verschluß – und
Entschluß… des Gedichtes.“

Aber vielleicht war das schon –
Wie das Ende einer Beziehung
Das Absterben einer Freundschaft
Das nächste Kapitel in Deinem Leben –
Schon längst da
Nur weißt Du es noch nicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS FALSCHE VERSTEHEN

Hörst Du auch die Stimmen der Stummen?
Die Schreie der Stillen?
Das Flüstern der Vergessenen?
Hörst Du, was keiner wagt, auszusprechen?

Siehst Du auch die Züge der Verstummten?
Die Mienenspiele der Gesichtslosen?
Die Masken der Unsichtbaren?
Siehst Du, was keiner der Welt zeigen will?

Wer wird zugeben, daß er uns versteht?
Unsere angebliche Freunde verhören uns absichtlich
Machen aus unserer Botschaft eine harte Bandage
Die die schreiende Wunde unsichtbar macht!

Ich werde meine eigene Geschichte erzählen
In meiner eigenen Dichtung
Du musst genau hinhören, wenn die Flüsse mäandrieren
Du musst genauer hinhören.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BLEIBT DIE LIEBE DIE WAHL

Weißt Du wie viel
Menschen stehen
Unter Obdachlosenzelt?
Weißt Du wie viel Träume
Liegen in zig Gräbern auf der Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet
Daß ihm auch nicht eines fehlet
Selbst in tiefstem Leid und Qual
Selbst im dunklen Menschental.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GESTERN

Mit einem lauten Schrei
Sprang die Morgensonne auf die Welt
Kletterte schnell über die Berge
Flog hoch in die Luft
Lachte, lachte
Und sank wie ein Stein
Die Hitze atmete endlich im Dunkel auf
Und es war Morgen und es war Abend
Und der Tag war geschafft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEBELTAL

Nebental
Spiegelst das All
Ohne Schall
Und ohne Widerhall.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ABENDRUHE

Es passte gerade noch
Der Ernst des Abends
Das fast greifbare Gefühl des sich Labens
Am Geräusch des abendlichen Lebens
Die Dankbarkeit aller Teilhaber am Leben
Vom höchsten Berg bis zum dünnsten Grashalm
Das Geschenk eines weiteren Tages
Erleben gedurft zu haben
Und ich… und ich… schweige.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUTOBAHN

Die Autobahn war ein grauer Dolchstoß
Durch das Herz der Natur
Keiner weint
Weil sie Wanderlust
Mit dem Duft von Geheimnissen
Vereint.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VIRUSMENSCH

Die Bäume heulen
Es regnet grau
Sie träumen wie ich von Blau

Die Erde hat ihren Mund und ihre Nase
Mit einer grauen Schutzmaske bedeckt
Sie hat sich vor Virus Mensch versteckt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TRAUM VON GRÜN

Ein Grün ist wie mein Lächeln
Ein Grün ist wie mein Grübeln
Ein Grün ist wie mein Trauern
Und, wenn es regnet, mein Weinen

Ein Grün ist meine Müdigkeit
Ein Grün ist meine Kindheit
Ein Grün ist die Nachdenklichkeit
Des Autofahrers in mir

Ein Grün ist kein Grün mehr
Ein Grün ist ein grünes Meer
Ein Grün ist ein dunkles Heer
Lauernd im Wald

Grün grün grün sind alle meine Welten
Grün grün grün ist alles, was ich trau
Darum lieb ich alles, was so grün ist
Weil mein Traum eine grüne Erde ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung