SÄEN UND WARTEN

Guten Morgen
feuchter, benebelter,
Traum betrunkener Tag -
Alle Samen,
die ich, Beseelter,
heute zu säen mag,

werden ungestört
tief in die lautlose Erde
des weichen Herzens dringen,
unmerklich, um dort
zu warten, bis Licht es werde
morgen und Früchte bringen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZUSAMMEN GETRENNT

Die ganze Welt ist verrückt geworden,
Menschen trennen sich in Gruppen, in Horden,
und hassen, fürchten, töten sinnlos sich -
erbarmungslos, leidenschaftlich - gegenseitig,
ohne sich mehr als oberflächlich zu kennen
oder die makabre Gleichheit zu erkennen,
mit der wir nun alle einheitlich brennen
und zusammen unglücklich verbrennen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KAMPF DER KULTUREN

Die Kulturen
krachen auf einander wie
feste Felsbrocken

wie hartes Metal
gegen hartes Metal,
laute klagevollen Glocken!

Eine Kakophonie.
Kein Innenraum den Fremden -
alle bocken

und hocken

klein in den Zwischenräumen
wie Staubkörner, und
Schneeflocken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HONG KONG

Die Wolkenkratzer
in die Breite
in die Höhe
in die Tiefe
bis weit in die Ferne.

Städte sind von Menschen
verfasste Briefe, geschrieben
auf Papier aus Himmel und
Wolken, lesbar nur von oben -
begreifbar nur von unten.

An wen sind sie adressiert
in diesem einsamen Universum?
Wir kommen gehen kommen gehen
zwischen Berg und Meer und
erleben Fremdes und Dejavu.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

https://www.facebook.com/share/vZkAqdtYjDUBYEND/?mibextid=WC7FNe

ZU VIELE GEDANKEN

Wenn Du Dir die Welt
vorstellst als Gedankenfeld,
dann ist kein Flugzeug schnell genug,
kein Internet Verbindung genug,
um Dir innerhalb der kurzen Zeit,
die wir ein Erdenleben nennen,
ein Erleben zu ermöglichen der Unendlichkeit
der Wege, die Erde kennen zu lernen,
und in Deinem Innenleben zu erkennen:
Das Paradies ist nicht in den Sternen -
Es ist hier in unseren Herzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

APRILMORGEN

Die Sonne scheint
aber die Luft ist eiskalt.
Der Wolken Teint
hat den azuren Himmel bemalt
mit weiß, grau und dunkelgrau.
In grüner Gestalt
stellt sich der Wald zur Schau,
mit hier und da buntem Blumengehalt.
Nur Tiere fehlen irgendwie.
Eine schlichte Einfalt,
eine zarte strenge Harmonie,
durchdringt der Natur Gewalt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE TIEFERE SCHÖNHEIT

Irgendwas kommt von Oben.
Wir spüren es und können es
Nicht einordnen hier im Groben.
Wir empfangen es, nennen es
Viele Namen. Ich empfinde es
Als die Anziehung der Schönheit.
Ich bereise die Welt und finde es
In der Sehnsucht der Menschheit
Überall zum Ausdruck gebracht,
Mal mehr, mal weniger gelungen,
Als hätte Gott einmal liebevoll gelacht
Und die Kulturen haben nachgesungen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VON BÄUMEN LERNEN

Der Baum stand da
Als wäre er nicht da
Und war für alle da

Der Mensch stand da
Als wäre er wirklich da
Und war für niemand da

Nur für sich selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OSTERGLOCKEN

Osterglocken Ende März;
Geist - Seele - Herz -
Freude blüht aus Schmerz.
Empfindung zieht aufwärts.

Osterglocken bald April;
Schwill an, Herz, schwill
an, leuchtend hell und still.
Was der Schöpfer will.

Der Park kühl und trocken;
Vögel, die laut frohlocken.
Im Herz und im Gras hocken
Neue Träume und Osterglocken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Park in Vaihingen, bei Stuttgart

FREMDE KULTUREN

Diese merkwürdigen Momente,
in denen eine fremde Kultur zu Dir spricht
und in Dir jemand sich angesprochen weiß,
der ein Teil Deines Innersten ist
aber meistens in mitten Deines Innigsten schweigt,
als wärest Du zwei Menschen ein Gesicht -
ein Einheimischer und ein Fremder -
gleichzeitig, und Du wusstest es bisher nicht.

Ihre Augen wecken unzählige Erinnerungen,
an die Du Dich nicht mehr erinnern kannst,
diese fremden Menschen, die Dir vertraut sind,
als hättet Ihr schon Lebzeiten zusammen getanzt,
ja, schon ganze Leben gemeinsam gelebt,
erlebt, gelernt, geliebt, Samen gepflanzt,
die Inkarnation nach Inkarnation nach Inkarnation
Früchte tragen, aus denen Du Toleranz tankst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung