KAMPFGEIST

Der Verstand schaut jedes Mal überrascht aus,
daß ich noch da bin, noch existiere und walte.
Den Geist schaltet man aber nicht so leicht aus,
Er ist menschlich der ursprüngliche, der Uralte.

Suche mich in Schönheit, in Gerechtigkeit,
In Ehrlichkeit und in Wahrhaftigkeit;
Suche mich in Güte, in Menschlichkeit.
Suche mich in Reinheit und in Kindlichkeit.
Suche mich aber stets in Demut.

Suche mich in allen Werten, in jeder Tugend,
In jedem Alter, im Greise, suche in der Jugend -
In jedem Geschlecht, im Privat- und Arbeitsleben,
Du, Verstand, bist von meinem Willen umgeben.
Suche mich in Verwundbarkeit und im Mut,
Suche mich jenseits von Wut,
Suche mich im höchsten Mut, in der Demut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS ÜBERLEBEN DES MENSCHTUMS

Ich muss jemand sein,
sonst würden sie mich nicht hassen -
Ich muss mehr sein als ich mein,
denn sie können von der Angst nicht lassen.

Was bin ich? Was sehen sie?
Was spüren sie? Was wissen sie über mich?
Ist es Wirklichkeit oder Fantasie?
Egal was es ist, für mich ist es gefährlich.

Für mich ist es ansporngebend,
für mich ist es erhellend und kraftspendend,
für mich ist es anfeuernd, hebend,
ür sie ist es am Ende energieverschwendend.

Hast Du ein gutes Herz, so nimm Dich ernst,
nimm Deinen Weg ernst und Dein Ziel,
nimm Deine Art und Deine Empfindung ernst,
das Überleben des Menschtums ist Dein Ziel.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BAUSTELLEN

Baustellen führen manchmal schneller
zum Ziel als freie Wege, äußerlich heller,
innerlich ohne Verbindung zu Deinem Schicksal -
Der hohe Berg beginnt unten im Tal.

Die schmerzvollen Vorkommnisse
in meinem Leben, die Erlebnisse,
Das waren keine Hemmnisse,
sondern Stufen neuer Erkenntnisse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

GUTE NACHT, MENSCHENGEIST

Nicht Ausländer ersetzen uns,
sondern KI macht das durch unser Tun -
Der Mensch schafft sich selbst ab.

Nicht Migranten verletzen uns,
sondern KI macht das mit unserem Zutun -
Sie wird unserem Geist zum Grab.

Wird eine Generation einst kommen,
die keine Musik komponieren kann?
Keine Briefe selbst antworten kann?
Keine eigenen Gedanken erzeugen kann?
Keine Probleme selbst lösen kann?
Eine, die sich wundern wird,
wie wir einst das alles gemacht haben?

Alles, was Du hast, alles, was ich hab -
Empfindung, Intelligenz, Sich-Mühe-geben -
geben wir profit- und ruhesuchend ab.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHEMPFINDEN AM SONNTAG

Wer zu viel von sich selbst hält,
hat zu Gott stets das falsche Verhältnis;
Wer sind alle klein -
sich vergrößern ist sich noch mehr verkleinern.
Im langen Zeitalter der Herrschsucht,
sucht die Eitelkeit machtlustig zu herrschen;
sucht, den Drang, sich zu beherrschen,
zu unterdrücken,
macht gierig auf Sieg und Krieg,
Sieg ohne Frieden, ohne Zufriedenheit.
Nur Frieden ist Sieg -
Die Waffe ist die menschliche Friedfertigkeit.
Dazu ist die gestohlene Macht machtlos.
Denn wer Macht braucht,
missbraucht Macht auch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KULTURKAMPF

Die Fronten sind verhärtet
Lächelnde Augen eisiger Freundlichkeit
schütteln sich die Hände mit Feindseligkeit
Alles wird einseitig bewertet
Der gleiche Geist tobt blind auf allen Seiten
bringt sich selbst überall täglich zum Leiden
Die Welt wird allseitig gefährdet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALLE ZUSAMMEN

Wir sind, unter der Oberfläche,
eine Gesellschaft -
egal was manche sagen. Enger
als Gewerkschaft.
Die Farben trennen uns nicht,
machen uns nicht unvereinbar -
Mehrere Züge bilden ein Gesicht,
jeder für sich vielleicht unscheinbar,
all zusammen eine Bürgerschaft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLAMMEN

Werden wir zu Flammen
Halten wir zusammen
Erhellen wir wie mit Kerzen
Die Welt mit Menschenherzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

SELBST VERANTWORTLICH

Manche sind zum Hassen geboren.
Gegen sie hast Du von vornherein verloren,
bist Du zum Lieben auserkoren.

Es gibt ein Licht, das aber höher ist,
das höher als Hass, Politik und Waffen ist;
eins, das Gottes, das des Grales ist.

In mitten der gegenwärtigen Verwirrung
vergessen wir oft unsre wahre Bestimmung:
geistige Entwicklung, geistige Wirkung.

Lass Dich zum Gruppenhass nie mitreißen
gegen die „Schwarzen“ oder die „Weißen“
oder wie die Sammelworte alle heißen.

Was Du in der Gruppe tust, belastet Dich.
Aber wenn es gut ist, zählt es nur für Dich.
Du bist für Deine Ewigkeit verantwortlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAUSEND TAGE

Mach aus jedem Tag
hundert, tausend Tage,
Neue Dinge, wag!
Inneres - hinaus… trage.
Deine Schicksalsfäden
sind mehr als Du weißt.
Befreie Dich von trägen
Gefühlen. Du bist Geist!
Die große Erde ist dicht,
ist langsam, ist klein;
Folgst Du dem Licht,
musst Du schneller sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung